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| Foto: Bilderbox |
Anonyme Lebensläufe sollen für mehr Chancengleichheit sorgen. Demnächst sollen Bewerbungen ohne Foto, Name, Geschlecht oder Alter des Bewerbers verschickt werden. Fotografen befürchten hohe Umsatzeinbußen, sollte sich das durchsetzen.
Hohe Qualifizierung und trotzdem keine Einladung zum Bewerbungsgespräch. Aus Sicht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) passiert das zu oft. Nun will sie für mehr Chancengleichheit sorgen und deshalb im Herbst ein Pilotprojekt zu anonymisierten Bewerbungsverfahren starten.
Unter anonymisierten Lebensläufen versteht die ADS Bewerbungen, die ohne Foto, Namen, Adresse, Geburtsdatum oder Familienstand versendet werden. Fünf Unternehmen sowie das Bundesfamilienministerium werden sich an dem Projekt beteiligen. Dazu gehören die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, das Kosmetikunternehmen L‘Oréal, der Geschenkdienstleister MyDays und der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble.
Fotografen befürchten hohe Umsatzeinbußen„In der Politik wird viel gemacht, allerdings ohne die Konsequenzen zu bedenken“, so
Ralf Levc. Der Obermeister des Verbandes der Berufsfotografen Niederrhein fühlt sich als Fotograf durch die Pläne gleich mehrfach diskriminiert. Der Wegfall der Bewerbungsfotos würde teilweise gravierende Umsatzbußen zur Folge haben. Besonders Porträtfotografen würden dadurch in den Ruin getrieben.
Zudem betreffe diese Maßnahme auch einen Bereich der beruflichen dualen Ausbildung, der dann nicht mehr vermittelt würde. Außerdem komme auf ihn als Betriebsinhaber ein größerer Verwaltungsaufwand bei der Bewerberauswahl zu. „Oft wird bei solchen Maßnahmen der wirtschaftliche Aspekt vergessen.“
Keine Handwerksbetriebe bei den TeilnehmernEr rechnet für seinen Berufszweig mit schlimmeren Auswirkungen als bei der Krise 2008/2009. Er befürchtet Firmenpleiten und den Verlust von Arbeitsplätzen bei Angestellten und Auszubildenden. „Neueinstellungen würde es nicht mehr geben.“
Das Pilotprojekt sei nicht repräsentativ. Levc vermisse bei den teilnehmenden Unternehmen Handwerksbetriebe. Wie das in der Praxis funktionieren solle, wisse er nicht. „Die Qualifikationen des Bewerbers spielen eine große Rolle, ich möchte dennoch gerne wissen, wen ich zu einem Einstellungsgespräch einlade, denn auch mit einer qualifizierten und ausführlichen Bewerbung können wir uns einen ersten Eindruck über den Arbeitssuchenden verschaffen.
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