Weil Kunden häufig schleppend zahlen und Banken mit ihren Krediten geizen, müssen Mittelständler andere Finanzierungsquellen erschließen, sagt Helmut Rödl, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Welche das sein können, hat er handwerksblatt.de erläutert.
Nur selten machen sich Betriebsinhaber klar, was es bedeutet, wenn eine Rechnung ausfällt. "Bei einer Umsatzrendite von fünf Prozent muss ein Unternehmer gleich einen Mehrumsatz von 100.000 Euro machen, wenn ein Scheck von 5.000 Euro platzt", rechnet Helmut Rödl, Hauptgeschäftsführer von Creditreform in Neuss, vor. Meist müssen Betriebsinhaber aber "nur" zu lange warten, bis sie das Geld für ihre ausgeführten Arbeiten bekommen.
Nur knapp über 60 Prozent der Mittelstandskunden zahlen ihre Rechnungen pünktlich - innerhalb von 30 Tagen, hat die Creditreform ermittelt. Und es werden immer weniger, die die Zahlungsziele einhalten. Dabei erweist sich die Öffentliche Hand im Vergleich zum Privatkunden als schleppender Zahler.
Mittelstand muss andere Geldquellen erschließen
Frisches Geld, um neue Aufträge vorzufinanzieren oder Investitionsvorhaben anzuschieben, ist damit immer knapp. Und weil Banken mit ihren Krediten geizen, müssen sich Mittelständler andere Geldquellen erschließen. Neben den schon klassischen Finanzierungsalternativen Leasing und Factoring kann sich der Betriebsinhaber zum Beispiel auch Partner ins Boot holen, die sich an seinem Unternehmen beteiligen.
"Private Equity", so der Fachbegriff für privates Beteiligungskapital, bedeutet, dass der Firmenchef eine Beteiligungsgesellschaft oder Dritte offen oder still beteiligt. Firmen, die technologisch ganz vorne mitmischen, können zum Beispiel von Venture-Capital profitieren. Der Vorteil: Das in den Betrieb eingebrachte Fremdkapital wandelt sich sofort in Eigenkapital um, was dann in Kreditverhandlungen zu einer wesentlich günstigeren Ausgangsposition führt.
Geldgeber erwarten kräftige Renditen
Aber: "Selbst Unternehmen mit günstigen Wachstumsaussichten aus dem klassischen Mittelstand haben häufig große Schwierigkeiten, private Beteiligungspartner zu finden", heißt es in einer Bestandsaufnahme zur "KMU-Finanzierung nach Basel II", die das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium vorgelegt hat. Der Grund: Private Geldgeber wie Gesellschaften erwarten von ihrem Investment eine kräftige Rendite - und die fällt in Zeiten wirtschaftlicher Krisen mager aus. Jetzt schauen Geldgeber noch genauer hin und sind mit ihrem finanziellen Engagement wesentlich zurückhaltender geworden.
Für Handwerker bleibt daher nur ein Fazit. Rödl: "Der Handwerker wird sich bei alternativen Finanzierungsformen auf sein klassisches Umfeld zumindest mittelfristig beschränken müssen - und das heißt neben dem Kredit Leasing, Factoring und Beteiligungskapital."