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Foto: Biotec-Klute / Fotolia / DHB-Montage |
In der Frikadellenproduktion der Hoppe GmbH geht es zu wie im Reinraum eines Chipherstellers. An den glänzenden Maschinen wird in weißen Overalls gearbeitet, Sauberkeit ist das oberste Gebot. Selbst die Nagerfallen sind High-Tech. Schnappen sie zu, wird eine SMS oder E-Mail verschickt.
Es muss das Paradies für Mäuse sein. Gebratenes Hackfleisch in allen Variationen: aus Schwein, Rind und Geflügel, mit Käse, Mais oder Oliven vermischt. Alles, was das Nagerherz begehrt, aber gesichert, wie in einer Festung.
Als erste Barriere stellen sich die Bodendichtungen der Rolltore in den Weg. Wer es in die Produktion schaffen will, muss durch die Hygieneschleusen kommen. Und selbst in den Hallen kann die Mission Frikadellenklau noch scheitern. An die 20 High-Tech-Nagerfallen sind an den potenziellen Laufwegen aufgestellt.
Überwachungssystem „iFacility“ Schädlingsbefall – egal wie possierlich er auch sein mag – kann sich die
Hoppe GmbH überhaupt nicht leisten. Das fleischverarbeitende Unternehmen aus der Nähe von Paderborn beliefert namhafte Einzelhandelsketten, die in Sachen Hygiene keinen Spaß verstehen.
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| Foto: Biotec-Klute |
Dass die Ware garantiert frisch und geschützt ist, soll das von Oliver Klute entwickelte Überwachungssystem
„iFacility“ gewährleisten, mit dem man neben der Nagerbekämpfung auch die Temperaturen in den Kühlhäusern sowie die auf dem Unternehmensgelände verteilten Kameras auf dem Schirm hat – und das rund um die Uhr.
Die Lebendfalle "eMitter" Eine der Komponenten ist
„eMitter“: eine Lebendfalle, in etwa so groß wie ein Schuhkarton, nur viel flacher. Um an den schmackhaften Köder im Inneren zu kommen, muss der Nager über eine Wippe laufen. Kippt sie, entsteht durch die Bewegung Energie. Diese fließt an den Funksender, der am Gehäuse des eMitters befestigt ist und der die kinetische Energie in Daten umwandelt.
Wahlweise kommt auf dem Mobiltelefon eine Kurznachricht an, wird eine E-Mail ans elektronische Postfach geschickt oder erscheint ein rotumrandetes Dreieck mit Ausrufezeichen im Grundrissplan, der auf dem Firmenrechner hinterlegt ist. „Wir können auf die Sekunde genau feststellen, wann die Maus in die Falle gegangen ist und sie dann anschließend draußen wieder freilassen“, erklärt Entwickler Oliver Klute. Dank der Funktechnologie müssen die Fallen nicht, wie es das Tierschutzgesetz vorschreibt, täglich abgelaufen und kontrolliert werden.
Kosteneinsparung durch Fernüberwachung Mit der Fernüberwachung durch iFacility spart Juniorchef Georg Hoppe Kosten ein, vor allem in der produktionsfreien Zeit von Freitagnachmittag bis Sonntagabend. „Vorher mussten wir am Wochenende immer jemanden rausschicken, der die Temperatur in den Kühlhäusern überprüft hat“, sagt der 30-jährige Fleischermeister. Eine Aufgabe, die mit einigem Aufwand verbunden war: anfahren, Hygiene-Overall, Schuhüberzieher und Kopfbedeckung anziehen, Hände desinfizieren, 15 Kühlhäuser und -truhen abgehen, alles wieder ausziehen, abfahren.
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| Foto: Biotec-Klute |
Nun reicht schon ein Blick auf das Display des Mobiltelefons, über das man auf alle wichtigen Messdaten und Kameras zugreifen kann und informiert wird, wenn das Fleisch nicht ausreichend gekühlt wird oder eine Maus gefangen worden ist. Zudem lassen sich mit iFacility die vom EU-Hygienerecht verlangten Temperaturverläufe der Kühlräume dokumentieren.
Klebefallen in Deutschland nicht zugelassen Auf die Idee, eine Lebendfalle zu entwickeln, hat Oliver Klute ein Kunde gebracht, der sich den strengen Vorgaben des
American Instituts of Baking (AIB) unterziehen muss. In den USA ist es verboten, Nagerköder mit Rodentiziden – chemische Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren – in der Lebensmittelproduktion auszulegen. Die von den Amerikanern alternativ verwendeten Klebefallen sind jedoch in Deutschland nicht zugelassen.
Mit eMitter hat der geprüfte Schädlingsbekämpfer nun eine Lösung für beide Länder gefunden. Nach einigem „Basteln“ ist er schließlich auf die batterielose Funksensoriktechnologie der
En-Ocean GmbH gestoßen. „Dadurch müssen etwa bei eMitter keine Kabel verlegt werden, die Fallen versorgen sich autark mit Energie, und das Funksignal geht selbst durch Stahlbetonwände.“
Blick geht in die ZukunftFreitagnachmittags ist in der Frikadellenproduktion Großreinemachen angesagt. Dann leuchten schon mal kleine rote Dreiecke mit schwarzen Ausrufezeichen auf dem Monitor des Qualitätsprüfers auf. Kein Grund für Georg Hoppe, kurz vor dem Wochenende an eine Nagerinvasion zu denken. „Die letzte Maus hatten wir vor ein paar Jahren“, versichert er.

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| Foto: Biotec-Klute |
Aktiviert werden die sensiblen Geräte nämlich auch, wenn ein Mitarbeiter sie versehentlich mit dem Dampfstrahler trifft. Doch Vorsicht ist für den jungen Fleischermeister besser als Nachsicht. Genau wie Oliver Klute geht sein Blick schon in die Zukunft. „Standards wie die der AIB werden auch in Deutschland kommen“, ist er überzeugt. Wie gut, dass beide darauf vorbereitet sind.
Von Bernd Lorenz Weitere Informationen unter:
www.biotec-klute.de.
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