Samstag, 27. August 2016
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IT-Kosten und Ressourcen sparen mit Cloud Computing

Einige Tausend Euro IT-Kosten für Hardware und Netzwerk? Mehrere Hundert Euro Anschaffungskosten für Office- und Buchhaltungssoftware? Das war einmal. Im Büro der Zukunft entfallen diese Ausgaben komplett. Das Prinzip „Cloud Computing“ wird in den nächsten Monaten in vielen Unternehmen und Handwerksbetrieben die Arbeit mit dem PC gründlich umkrempeln — und bares Geld sparen.

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Foto: Fotolia


Cloud Computing ist der IT-Trend des Jahres 2010: Investitionen in teure Hard- und Software gehören ebenso der Vergangenheit an wie langwierige Installationen oder Updates. Die zentrale Idee: Der herkömmliche Highend-Büro-PC und eine Netzwerk-Infrastruktur mit eigenen Servern und lokalem Speicherplatz sind überholt.

Alle benötigten Software-Programme werden gemietet und befinden sich ebenso wie die eigenen zu bearbeiteten Daten nicht mehr auf einem lokalen Rechner, sondern auf zentralen Internet-Servern – der „Cloud“, zu Deutsch: Wolke. Das englische Wort Cloud ist in diesem Fall eine Metapher für das Internet.

Flexibel und sparsam

Zur Nutzung von Cloud-Services genügt ein leistungsschwacher Computer mit einem beliebigen Webbrowser wie Internet Explorer, Firefox oder Google Chrome. Eine eigene Netzwerk-Infrastruktur wird damit – bis auf den Internetzugang für den PC – ebenso überflüssig wie eigene Server, Speicherplatz und Software-Anschaffungen. Die benötigten Programme werden direkt über das Internet gestartet, genutzt und automatisch aktualisiert.

Dieses Geschäftsmodell wird auch als „Software as a Service“ (SaaS) bezeichnet. Eigene Daten lassen sich dabei meist auf Online-Festplatten speichern. Auf diese Weise ist ein weltweiter Zugriff von jedem PC oder Smartphone aus jederzeit möglich. Die Kosten für die meisten Cloud-Services sind abhängig von der Anzahl der Nutzer und der vereinbarten Verfügbarkeit der Software-Lösung.

Vorteile der neuen Technologie


Doch was genau sind die Vorteile der neuen Technologie? „Cloud Computing ist kostengünstiger, weil Unternehmen nicht sämtliche IT-Ressourcen vorhaltenmüssen, sondern je nach Bedarf online darauf zugreifen können“, erklärt Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, Präsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM). Kunden zahlen nicht wie bisher für Programmlizenzen oder eigene Server-Hardware, sondern nur für tatsächlich in Anspruch genommene Cloud-Leistungen.

Bei Bedarf kann weitere Rechenpower oder Online-Speicherplatz ganz einfach hinzugebucht werden. So sind Betriebe flexibler und sparen Investitionskosten. Eine weitere Zeit- und Kostenersparnis: Software-Installationen oder Updates entfallen komplett, denn durch den Zugriff über das Internet arbeitet man jederzeit mit der aktuellsten Software-Version.

Schon heute nutzen einer aktuellen Studie von Microsoft zufolge weltweit rund ein Fünftel aller kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) das Modell Cloud-Computing, um über das Internet auf externen Speicherplatz, Rechenkapazitäten und auf einzelne Anwendungen zuzugreifen. Offenbarmit Erfolg: Laut Studie erzielten mehr als 40 Prozent dieser Unternehmen innerhalb eines Jahres Umsatzsteigerungen von mindestens 30 Prozent. 90 Prozent der Cloud-Computing-Verweigerer mussten hingegen Umsatzeinbußen hinnehmen.

Angst vor Datenklau

Doch noch sind nicht alle Unternehmen vom Prinzip Cloud Computing restlos überzeugt: Einer Umfrage von Forrester Research zufolge nutzen 51 Prozent aller KMUs keine entsprechenden Internet-Dienste, vor allem aufgrund von Sicherheitsbedenken. Denn immerhin werden bei vielen Cloud-Computing-Anwendungen sensible Firmendaten per Internet übertragen oder online gespeichert. Damit sind sie eine potenzielle Zielscheibe für kriminelle Hacker. Befürworter der neuen Technik halten allerdings entgegen, dass die Daten in einem professionellen Rechenzentrum sehr viel besser geschützt sind als auf eigenen Firmen-Servern.

Ein weiterer Pferdefuß von Cloud Computing: Wenn der Internetzugang gestört ist, kann auf sämtliche Programme und Daten im Internet nicht mehr zugegriffen werden. Damit diese Fälle möglichst selten bleiben, ist es empfehlenswert, einen speziellen DSL-Zugang für Geschäftskunden abzuschließen, der im Notfall kurze Reaktionszeiten zur Entstörung vertraglich festlegt. Um eventuelle Störungen zu überbrücken, leistet darüber hinaus ein UMTS-Modem gute Dienste, das einen Online-Zugang per Handy-SIM-Karte ermöglicht.

Gratis-Angebote nutzen

Bei der Übertragung großer Datenmengen auf Online-Festplatten, z.B. bei Backups, sollte man außerdem bedenken, dass etwas mehr Zeit zur Datensicherung benötigt wird als bei der Speicherung auf einem lokalen Datenträger. Bei DSL 6.000 steht zum Beispiel meist nur eine Upload-Geschwindigkeit von 640 Kilobit pro Sekunde bereit. Das Hochladen von 50 MB Daten dauert damit länger als zehn Minuten. Das Herunterladen derselben Datenmenge funktioniert hingegen sehr viel schneller: Mit DSL 6000 ist dies in rund einer Minute erledigt.

Vor dem Abschluss eines kostenpflichtigen Vertrags für Cloud-Computing-Anwendungen empfiehlt es sich in jedem Fall, eventuell verfügbare Gratis-Angebote zu nutzen. Auf diese Weise lassen sich Geschwindigkeit, Komfort und Alltagstauglichkeit vorab ausführlich testen.

„Cloud Computing wird die Informationswirtschaft, ihre Technologien und ihre Geschäftsmodelle nachhaltig verändern“, blickt BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer in die Zukunft. „In weniger als zehn Jahren werden viele Unternehmen ohne hausinterne IT und Rechenzentren auskommen. Dann werden fast alle Unternehmen Cloud Computing nutzen – zumindest ergänzend.“

Von Thomas Busch

Nützliche Cloud-Computing-Anwendungen (Teil 1) (als pdf-Datei)
Nützliche Cloud-Computing-Anwendungen (Teil 2) (als pdf-Datei)
Checkliste Cloud Computing (als pdf-Datei)
Wichtige Fachbegriffe schnell erklärt (als pdf-Datei)

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