Montag, 30. Mai 2016
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Alles nur geklaut: Vorsicht Online-Piraten!

Manchmal erfreuen sich Texte und Bilder der eigenen Unternehmenswebsite sehr  viel größerer Beliebtheit, als gewünscht: Nämlich dann, wenn Wettbewerber die vorhandenen Inhalte ungefragt kopieren und auf den eigenen Internetauftritten online stellen.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Informationstechnologie
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Foto. Fotolia


Um Zeit und eigene Kreativität zu sparen, ist einigen Unternehmen jedes Mittel recht: Internet-Texte werden abgeschrieben, Bilder ungefragt kopiert und auf dem eigenen Internetauftritt veröffentlicht.

Dass dies einen klaren Verstoß gegen das Urheberrecht darstellt, ist ihnen entweder nicht bekannt, oder sie haken den Inhalte-Klau als Kavaliersdelikt ab.

Doch der Nutzen bleibt begrenzt: Zwar können Websites auf diese Weise illegal mit Texten oder Bildern gefüllt werden, doch die Auffindbarkeit der eigenen Website über Suchmaschinen wird erschwert – denn Google bewertet Internetseiten höher, wenn die Inhalte exklusiv und einmalig sind.

Schlechterer Platz bei Google
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Foto: Handwerksblatt

Gerade deshalb stecken in vielen Original-Webseiten nicht nur viele Stunden Arbeit, sondern oft auch jede Menge Geld in Form von professionellen Fotos und Texten, die extra für hohe Platzierungen in Suchmaschinen optimiert wurden.

„Vor allem Betreiber von Shopsystemen machen sich über Alleinstellungsmerkmale am wenigsten Gedanken und kopieren oft Produktbeschreibungen", so die Erfahrungen von Uwe Mosgallik, Leiter der Abteilung Suchmaschinenoptimierung bei Fairrank.

Bis heute hat das Unternehmen die Webseiten von mehreren Tausend kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz für Suchmaschinen optimiert. „Man kann es schwer über einen Kamm scheren, aber gefühlt schreiben Anwälte, Unternehmensberater und auch Versicherungsvertreter gerne die ohnehin inhaltsleeren Worthülsen voneinander ab."

Kopien sind Gift für alle

Die Folge: Sowohl die Original-Website als auch die Seite mit den Plagiaten werden von Google schlechter bewertet und rutschen bei wichtigen Suchwörtern auf hintere Plätze.

Uwe Mosgallik: „Kopierte Texte sind Gift für alle Seiten, auf denen der Text erscheint. Also auch für den Urheber. Denn die Suchmaschine kann den Urheber nicht erkennen – und somit werden alle betroffenen Seiten qualitativ abgestuft." Spätestens wenn ein Unternehmen aus diesem Grund Website-Klicks und damit Kunden verliert, haben Plagiatoren den wirtschaftlichen Schaden zu verantworten.

<hrdata-mce-alt="Was man dagegen tun kann" class="system-pagebreak" title="2" /> Was man dagegen tun kann

Doch kann man sich gegen den Internet-Klau überhaupt schützen? „Leider nicht", erklärt Uwe Mosgallik, „denn jeder Surfer kann mit einem einfachen Klick auf die rechte Maustaste den Quellcode einer Seite einsehen und kopieren. Alle Versuche, den Rechtsklick per Javascript zu unterbinden, scheitern – denn ein Plagiator kann Javascript einfach ausschalten."

Wer sicher gehen will, dass seine eigenen Texte und Bilder nicht ungefragt von Wettbewerbern genutzt werden, sollte das Internet deshalb regelmäßig nach Plagiaten durchforsten. Uwe Mosgallik empfiehlt dazu Online-Tools wie Copyscape.com

Das Internet regelmäßig durchsuchen

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Foto: Archiv

„Am sichersten ist es aber immer noch, ganze Sätze oder sogar Absätze der eigenen Texte in die Suchmaske von Google zu kopieren", so der Suchmaschinen-Experte von Fairrank. „Am besten setzt man die Suchanfrage in Anführungszeichen – damit sucht man exakt nach dieser Zeichenfolge."

Im Idealfall sollte nur die eigene Website als Treffer gefunden werden. Wenn der eigene Text auch auf anderen Seiten angezeigt wird, kann man sicher sein, dass hier Website-Piraten am Werk waren.

Uwe Mosgallik: „Wenn es mehrere Suchergebnisse für eigene Inhalte gibt und die eigene Seite an erster Position gelistet wird, ist es noch in Ordnung. Sobald das eigene Suchergebnis allerdings auf die hinteren Plätze rutscht, hat man ein Problem."

Online-Katalogeinträge löschen

Doch es gibt auch Fälle, in denen sich Unternehmen durch Text-Plagiate selbst um gute Suchmaschinen-Platzierungen bringen: „Oft sind Webseitenbetreiber selbst für doppelten Inhalt verantwortlich, denn sie verwenden den Inhalt der eigenen Seiten auch für Einträge in Online-Katalogen", erläutert Mosgallik. „Manche Kataloge ziehen sich die Texte auch automatisch von den Seiten und sorgen auf diese Weise für Doppelungen."

Hier hilft es nur, die Katalog-Einträge selbst abzuändern oder – falls dies nicht möglich ist – ganz zu löschen.

Vom Kopieren im Internet rät Suchmaschinen-Experte Uwe Mosgallik in jedem Fall ab – und das nicht nur aus urheberrechtlichen Gründen: „Eine Internetseite sollte eigene Inhalte transportieren, die dem Besucher einen Mehrwert bieten. Denn was hat der Besucher davon, wenn er denselben Text auf mehreren Seiten lesen kann?"

<hrdata-mce-alt="Kostenlos: Website-Kopien schnell aufspüren " class="system-pagebreak" title="3" /> Kostenlos: Online Plagiate schnell aufspüren

Plagiate der eigenen Website lassen sich im Internet schnell entdecken.

Dazu stehen im Internet mehrere kostenlose Programme und Online-Services zur Verfügung: Mit dem Tool UN.CO.VER (www.freeware.de/download/uncover_35985.html) kann man mehrere Milliarden Websites komfortabel nach Plagiaten durchsuchen.

Dazu genügt z.B. die Eingabe der eigenen Internet-Adresse, wonach sämtliche Texte eingelesen werden. Werden Plagiatsseiten gefunden, so lassen sich die Ergebnisse geordnet nach der prozentualen Übereinstimmung anzeigen.01_Bannerwerbung_Lexikon_V1.1

Ein kleiner Nachteil: Das Programm muss erst heruntergeladen und installiert werden. Komfortabler ist die Suche nach geklauten Texten mit dem Online-Service Copyscape (www.copyscape.com): Hier kann man bequem die Haupt- oder beliebige Unterseiten des eigenen Internetauftritts einlesen und anschließend das Internet nach Kopien durchsuchen.

Eigene Bilder, Grafiken und Fotos auf fremdem Websites findet der kostenfreie Online-Service PhotoSpy (www.photospy.de): Mit diesem lassen sich sämtliche Bild-Plagiaten im Internet aufspüren. Um eine gute Trefferquote zu erzielen, werden bei der Suche verschiedene Algorithmen und Bildmerkmale berücksichtigt.

Thomas Busch

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