Sonntag, 28. August 2016
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Spam-Mails verursachen hohe Verluste


Unerwünschte Werbe-Mails sind nicht nur lästig, sie kosten auch richtig Geld: Nach einer aktuellen Studie der Universität Münster verlieren Unternehmen jährlich 500 Euro pro Mitarbeiter und PC-Arbeitsplatz, weil der Aufwand zur Aussortierung der Spam-Nachrichten immer weiter steigt.

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Text: Thomas Busch / Foto: bilderbox


Experten schätzen den Spam-Anteil im täglichen Mail-Eingang mittlerweile auf 80 bis 90 Prozent. Dies führt dazu, dass Mitarbeiter an PCs ihre Postfächer immer öfter überprüfen, unerwünschte Mails müssen regelmäßig aussortiert und gelöscht werden.

Dadurch sinkt automatisch die Produktivität, Mitarbeiter fühlen sich durch den virtuellen Posteingang gestresst. Eine Umfrage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen ergab, dass die meisten Internetnutzer in Deutschland bis zu 100 Spam-Mails pro Woche erhalten. Die weltweiten Schäden durch Spam werden auf mehr als zehn Milliarden Euro geschätzt.

Attraktive Einnahmequelle bei geringen Kosten

Für die Spammer sind die unerwünschten Werbenachrichten allerdings ein Riesen-Geschäft: Das Versenden von Spam-Mails verursacht so gut wie keine Kosten. Einer Studie  von Mirapoint und dem Marktforschungsunternehmen Radicati Group zufolge klicken fast ein Drittel aller PC-Nutzer die Links in den Werbemails an, zehn Prozent der Empfänger haben sogar schon einmal in Spam beworbene Produkte gekauft.

Ein weiteres Ergebnis: Etwa 18 Prozent der Umfrage-Teilnehmer versuchen, sich per „Unsubscribe“-Link von Spam-Listen abzumelden – nicht ahnend, dass sie damit nur ihre Mail-Adresse als „aktiv“ kennzeichnen und daraufhin erst recht viel Werbe-Post bekommen. Denn Listen mit aktiven Mail-Adressen sind für Spammer eine attraktive Einnahmequelle.

Neuer Trend: Manipulation von Aktienkursen

Der neueste Spam-Trend ist die Manipulation von Aktienkursen: „Die Urheber kaufen schwach notierte Aktien und verschicken anschließend falsche Prognosen als Spam-E-Mails – der Aktienkurs steigt und sie können ihre Papiere mit Gewinn verkaufen", erklärt der Symantec-Sicherheitsexperte Candid Wüest das große Spam-Geschäft mit den Wertpapieren. Dabei machen sich die Nachrichten nur selten vom PC des eigentlichen Absenders auf den Weg: Ein gängiges Verbreitungsmittel von Spam sind sogenannte „Bot-Netze“, also PCs, die ohne Wissen der Betroffenen ferngelenkt werden können.

Eine große Gefahr von Spam-Mails: Wer beworbene Waren bestellt, kann sich nicht sicher sein, dass diese jemals ankommen. Oft haben es die Versender nur auf Kreditkarten-Nummern abgesehen, die zur angeblichen Bezahlung benötigt werden. Diese Kreditkarten-Daten werden dann missbräuchlich genutzt oder weiterverkauft.

Candid Wüest: „Gehandelt werden unter anderem Kreditkartennummern, PINs und E-Mail-Adressen – eine regelrechte Schattenwirtschaft auf speziellen Servern, von denen 51 Prozent in den USA stehen. Eine Kreditkarte einschließlich Authentizitäts-Nachweisnummer kostet dort maximal sechs Dollar, eine komplette Identität einschließlich aller relevanten Daten wie der Ausweisnummer ist für 18 Dollar und weniger zu haben.“

Neue Mail-Programme haben Spam-Filter integriert

Mit gesetzlichen Mitteln ist den Spammern nur schwer beizukommen. Im März 2007 trat in Deutschland das Telemediengesetz in Kraft, in dem Spam-Versendern Bußgelder in Höhe von bis zu 50.000 Euro auferlegt werden können.

Wird der kommerzielle Anlass verschleiert, können sogar bis zu 500.000 Euro fällig werden. Das einzige Problem: Der weitaus meiste Werbe-Müll kommt aus dem Ausland, so dass hier kein deutsches Recht angewandt werden kann. Auch so genannte „Robinson-Listen“ bringen meist gar nichts: Wer sich in diese Listen einträgt, um zu signalisieren, dass Werbenachrichten unerwünscht sind, erzielt damit häufig erst recht eine Mail-Flut – denn Spammer halten sich nicht an die Listen bzw. versuchen alles, um in den Besitz der wertvollen Mail-Adressen zu kommen.

Doch es gibt trotzdem Mittel und Wege, die Spam-Flut zu bannen: Wer die wichtigsten Verhaltensregeln im Umgang mit der eigenen Mail-Adresse und Spam-Post beachtet, kann seinen Posteingang leicht sauber halten. Neue Mail-Programme wie Microsoft Outlook 2007 oder „Windows Mail“ von Windows Vista haben zudem bereits einen Spam-Filter integriert. Wer ältere Mail-Programme nutzt, kann auf leistungsstarke kostenlose Filter-Lösungen zurückgreifen.


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