Freitag, 29. Juli 2016
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Navigationsysteme I: Multimediale Pfadfinder

Navigationssysteme gehören fast schon zur Standard-Ausstattung für Handwerker im Außendienst. Kein Wunder: Die zuverlässigen Pfadfinder haben in den letzten Monaten einen gewaltigen Preissturz erlebt. Lagen die Preise vor wenigen Jahren noch deutlich im vierstelligen Bereich, gibt es gute Navigationssysteme heute bereits für weniger als 250 Euro.

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Foto: irisblende / Text: Thomas Busch

Die elektronischen Fährtensucher sind mittlerweile eine interessante Alternative zum gedruckten Straßenatlas. Mit dem weltweit ersten Hybrid-Navigationssystem wird in Kürze außerdem das erste Gerät einer ganz neuen Generation in die Läden kommen. Doch was leisten die neuen Modelle, welche Funktionen sind sinnvoll und worauf muss man beim Kauf achten?

Vorne eine kilometerlange Autoschlange, auf der rechten Spur drängen sich Lastwagen – nichts geht mehr. Auf dem Weg zum Kunden kommt der sehnsüchtig erwartete Verkehrshinweis meist genau eine Ausfahrt zu spät. Trotzdem ist pünktliches Ankommen beim Kunden heute kein Glücksspiel mehr: Aktuelle Navigationssysteme empfangen per Traffic Message Channel (TMC) automatisch die aktuellsten Verkehrsstörungen und berechnen in Sekundenschnelle – im Idealfall vor der letzten Ausfahrt – eine neue staufreie Route. Selbst im dichtesten Verkehrsgewühl sorgt der elektronische Beifahrer so für ein gehöriges Stück Gelassenheit im Arbeitsalltag.

Mobile Navigationsgeräte sind günstiger

Zwei verschiedene Geräte-Typen haben sich bislang am Markt etabliert: So gibt es zum einen Radio-Navigationsgeräte, die sich mit wenigen Handgriffen fest in einen vorhandenen DIN-Radio-Schacht installieren lassen. Ihr größter Nachteil: Sie sind relativ teuer. Dafür können die Radio-Systeme aber auch perfekt ins Wagen-Innere integriert werden und bieten ein deutliches Plus an Komfort: Musik wird bei Navigationshinweisen automatisch heruntergedimmt, zudem ist die Sprachqualität der Navigationsansagen über die Radio-Anlage deutlich besser.

Die weitaus günstigeren und deshalb beliebteren Geräte zum Nachrüsten sind mobile Navigationssysteme. Diese werden zusätzlich im Cockpit angebracht, etwa mit einem Saugnapf an der Windschutzscheibe. Der Vorteil: Diese Geräte sind auch mobil einsetzbar, etwa auf Zweirädern, in mehreren Fahrzeugen oder für Fußgänger. Aber es gibt auch Nachteile: So ist die Saugnapf-Befestigung nicht immer besonders dekorativ, zudem sind zumindest gelegentlich störende Kabel zu sehen – beispielsweise zwecks Akku-Ladung über den Zigaretten-Anzünder oder durch eine zusätzliche TMC-Antennenverkabelung.

Weltweit erstes Hybrid-System in Kürze erhältlich

Eine ganz neue Navigationslösung gibt es ab dem 2. Quartal 2008: Dann bringt Pioneer das weltweit erste Hybrid-System in die Läden. Das NAVGATE AVIC-F500BT mit 14,7 cm großem Touchscreen-Monitor verfügt über eine Bluetooth-Freisprech-Einrichtung und ist jederzeit auch mobil nutzbar.

Trotzdem bietet das AVIC-F500BT alle Vorteile eines fest installierten Systems, denn es lässt sich in jedes vorhandene Audio-System einfügen: Im Hauptfahrzeug wird eine kleine Blackbox mit einem 4 x 50 Watt starken Verstärker fest installiert, über den alle Audiosignale der portablen Einheit zu den Autolautsprechern übertragen werden. Bei Navigationsansagen oder Telefongesprächen wird das vorhandene Audio-System dann automatisch stumm geschaltet. Darüber hinaus bringt das Gerät viele Multimedia-Funktionen mit.

Navigationssysteme als Multifunktionstalente


Dies ist zurzeit ein allgemeiner Trend bei Navigationssystemen: Die nützlichen Fährtensucher bieten immer mehr Entertainment und entpuppen sich als kleine Multifunktionstalente. Einige Geräte bieten integrierte MP3- und Video-Player oder sind gleichzeitig als Bluetooth-Freisprecheinrichtung für kompatible Handys nutzbar. Auf bis zu 18 cm großen Displays lassen sich unterwegs DVD-Filme ansehen, man kann optional einen TV-Tuner anschließen und je nach Modell auch iPods, externe MP3-Player oder eine Rückfahr-Kamera anschließen.

Damit sind die elektronischen Lotsen gerade für Vielfahrer nützliche Begleiter, die Funktionen von mehreren Geräten in einem Gehäuse vereinen. Die Bedienung aller Navigationssysteme ist kinderleicht: Bei Fahrtantritt muss lediglich das gewünschte Fahrtziel eingegeben werden. Über einen GPS-Empfänger („Global Positioning System“) berechnet das System dann mittels Satelliten-Hilfe den aktuellen Standort und findet per digitalem Kartenmaterial wahlweise den schnellsten oder kürzesten Weg zum Ziel. Die Positionsbestimmung funktioniert mittlerweile auf bis zu 10 Meter genau, einige Systeme arbeiten zusätzlich mit einem elektronischen Kompass und Informationen zur aktuellen Geschwindigkeit.

Der Vorteil: So kann die Position auch bei kurzzeitigem Kontaktabbruch zum Satelliten-System (etwa in einem Tunnel) relativ genau bestimmt werden. Sollte der Fahrer von der berechneten Route abweichen, unterbreitet das Navigationsgerät in wenigen Sekunden automatisch einen aktualisierten Streckenvorschlag. Alle Fahranweisungen werden sowohl auf dem Geräte-Dis-play sowie akustisch ausgegeben.

Abrufbare Datenbank ist Standard

Während die eher kleinen Radio-Displays meist nicht mehr als kleine Pfeile zur optischen Navigationsanzeige zulassen, punkten größere Bildschirme mit einer dreidimensionalen Kartendarstellung und Zoom-Funktionen: So kann man sich auch unübersichtliche Autobahnkreuze mit mehreren Fahrspuren vorab in Ruhe ansehen. Am besten zu bedienen sind Systeme mit Touchscreen oder Sprachsteuerung. Die neueste Generation der Navigationssysteme kann aber weitaus mehr, als den Fahrer nur auf den rechten Weg zu bringen: Standard ist eine abrufbare Datenbank mit „Points of Interest“ (POI), mit der nahe gelegene Tankstellen, Restaurants, Hotels oder Sehenswürdigkeiten schnell angewählt werden können.

Ein „Fahrspurassistent“ zeigt auch bei mehrspurigen Straßen zweifelsfrei die optimale Spur an und die ersten Systeme geben auf dem Display sogar Informationen zu Beschilderungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Radar-Fallen. Ganz neu sind Navigationsgeräte, bei denen das Fahrtziel nicht mehr umständlich eingetippt werden muss, sondern per Spracheingabe funktioniert: Der Fahrer muss nur Stadt, Straße und Hausnummer deutlich nennen – und schon erkennen die Geräte mit einer erstaunlich hohen Trefferquote das korrekte Ziel.

Auch Ausverkauf-Schnäppchen leisten gute Dienste

Trotz dieser vielen Neuerungen ist es nicht erforderlich, eines der neuesten Geräte anzuschaffen: Die Navigationsqualität ist bei allen am Markt erhältlichen Systemen mittlerweile sehr zuverlässig. Deshalb leistet ein Ausverkauf-Schnäppchen gute Dienste. Lediglich bei Zusatzfunktionen und Komfort muss man bei älteren Geräten Abstriche machen.

Es kommen aber auch immer wieder neue Einsteiger-Modelle in den Handel, die bewusst auf zusätzlichen Schnickschnack verzichten und nur Navigation pur anbieten. Gerade im Außendienst sparen die nützlichen Pfadfinder eine Menge Zeit und Nerven: Denn bei täglich hohem Termindruck ist es äußerst entspannend, zuverlässig an jeder Verkehrsstörung vorbeizugleiten.

Mehr dazu:
Sechs Navigationssysteme im Überblick (als pdf-Datei)
Navigationssysteme II: Karten-Updates regelmäßig nötig

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