Freitag, 26. August 2016
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Internet-Spion: Googles Browser "Chrome"

Ein kleines, kostenloses Software-Programm zur Betrachtung von Internetseiten hat innerhalb eines Tages die Web-Welt auf den Kopf gestellt: einer Vorab-Version des neuen Google Browsers "Chrome". Datenschützer warnen vor Verwendung der aktuellen Version – per Zusatz-Software lassen sich bedenkliche Funktionen ganz einfach aushebeln.

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Als Google im letzten Monat gleichzeitig in über 100 Ländern eine Vorab-Version seines neuen Browsers mit Namen „Chrome“ zum allgemeinen Herunterladen anbot, schoss der weltweite Marktanteil in nur 24 Stunden auf stattliche 3 Prozent – immerhin rund 37 Millionen Nutzer. Nur kurze Zeit später folgte der Absturz: Datenschützer warnten eindringlich vor dem Datenhunger des Google-Browsers.

Selbst das Unternehmen Google wurde vom weltweiten Medien-Echo überrollt, das zur Veröffentlichung der ersten Vorab-Version von Chrome einsetzte: Sogar die Tagesschau berichtete in den 20-Uhr-Nachrichten über die Veröffentlichung des neuen Browsers. Dabei handelte es sich eigentlich nur um eine Beta-Version, die von der Marktreife noch weit entfernt ist.

"Programm noch nicht ausgereift"


Nach anfänglicher Euphorie erntete die öffentliche Testversion bei der Fachpresse allerdings nur noch allerschärfste Kritik. Selbst das „Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik“ (BSI) warnte eindringlich vor der Nutzung: Das Programm sei noch nicht ausgereift und sammle im Hintergrund persönliche Daten über das Surfverhalten.

Die Folge: Google Chrome stürzte in der Nutzergunst schon nach einer Woche wieder ab. Aktuellen Schätzungen zufolge ist der Browser weltweit nur noch auf ca. 0,5 bis 1,5 Prozent aller PCs installiert. Dabei hätte Chrome das Zeug zu einem Überflieger-Erfolg gehabt: Aufgrund einer neuartigen Programmierung zeigt Chrome Webseiten bis zu drei Mal schneller an als der Internet Explorer oder Firefox.

Installation und Nutzung sehr benutzerfreundlich

Besonders Google-Dienste wie Google Maps, Google Mail oder Google Earth können davon profitieren. Darüber hinaus verfügt Chrome über einige echte Neuerungen, die das Internet-Surfen bequemer machen: Das Feld zum Eingeben von Internet-Adressen kann zum Beispiel gleichzeitig zur Suche mit Google genutzt werden. Praktisch: Beim Öffnen eines neuen Surf-Fensters werden im Google-Browser immer automatisch die neun am häufigsten besuchten Webseiten angezeigt.

Von der Fachpresse gelobt wurde auch die neue „Inkognito“-Funktion, mit der sich Internetseiten ansurfen lassen, ohne dass Spuren auf dem eigenen PC zurückbleiben. Insgesamt gestaltet sich die Installation und Nutzung von Google Chrome sehr benutzerfreundlich, intuitiv und ganz ohne verschachtelte Konfigurationsmenüs.

Google sammelt persönliche Daten

Die negativen Seiten wiegen aber umso schwerer: Google ordnet jedem installierten Browser eine eindeutige Identifikationsnummer zu, mit der zum Beispiel sämtliche Sucheingaben gespeichert und an Google versandt werden. Offiziell hat das Unternehmen zwar dementiert, dass Nutzer und ihre Suchanfragen über die Nummer eindeutig identifiziert werden können – doch technisch wäre dies durchaus möglich.

Da Google auch auf anderen Wegen persönliche Daten sammelt, etwa über die eigene Suchmaschine oder die Dienste Google Mail und Google Analytics, könnte das Unternehmen detaillierte Nutzerprofile erstellen, die sich mit der Zeit wie ein Mosaik zu einem Gesamtbild zusammensetzen lassen. Die gesammelten Daten haben zwei Ziele: Zum einen die Treffergenauigkeit der eigenen Suchmaschine weiter zu optimieren, zum anderen die Werbe-Einblendungen noch zielgruppenspezifischer zu gestalten.

Nutzung zusätzlicher Anonymisierungsprogramme empfohlen

Fazit: Aktuell kann von einer Nutzung von Google Chrome auf geschäftlich genutzten Computern nur abgeraten werden. Die Software befindet sich noch im Beta-Stadium, kann also Fehler und Sicherheitslücken enthalten. Um persönliche Daten zu schützen, empfiehlt sich bei einem Test von Chrome in jedem Fall die Nutzung zusätzlicher Anonymisierungsprogramme.

Die Software „UnChrome“ (www.unchrome.com) überschreibt zum Beispiel die eindeutige Identifikationsnummer mit einer Abfolge von Nullen, so dass der Browser nicht mehr identifizierbar ist. Das Programm „Kill ID“ (www.almisoft.de) geht sogar noch einen Schritt weiter: Die Software deaktiviert auf Wunsch die komplette Daten-Übermittlung an Google.

Von Thomas Busch

Die zehn nützlichsten Google-Dienste:

Google Alerts: Online-Nachrichtenbeiträge zu beliebigen Suchwörtern per Mail abonnieren.

Google Buchsuche: Stichwortsuche in Büchern.

Google Docs: Online-Software zum Erstellen von Texten, Tabellen und Präsentationen.

Google Earth: 3D-Simulation der Erde mit fotorealistischen Gebäuden und Straßen.

Google Kalender: Termine online organisieren.

Google Mail: E-Mail-Dienst mit Spam-Filter und bis zu 5 GB Speicher.

Google Maps: Routenplaner, Suche nach Adressen und Unternehmen weltweit, inkl. Satelliten-Fotos.

Google News: Stichwortsuche in Artikeln aus über 700 Nachrichtenquellen.

Google Picasa: Software zur Verwaltung und Bearbeitung von Fotos sowie zum Anlegen von Online-Alben.

Google Übersetzen: Texte oder Webseiten in 23 Sprachen online übersetzen.

Mehr dazu:
Google Chrome (BETA) für Windows

Zehn Jahre Google: Von der Suchmaschine zum Internet-Imperium

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