Montag, 30. Mai 2016
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Flatrates für Unternehmen: Harter Kampf um Kunden

Der DSL-Markt im Geschäftskundenbereich ist fast gesättigt: Aktuellen Studien zufolge verfügen bereits 95 Prozent aller Unternehmen in Deutschland über einen Breitband-Zugang ins Internet. Um wechselwillige Kunden zu mobilisieren, unterbieten sich viele Provider bei den Flatrate-Tarifen – zur Freude der Geschäftskunden. Ein DSL-Wechsel ist aber nicht immer so einfach und unproblematisch, wie die Werbung glauben machen will.{teaser-links}
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Die DSL-Provider müssen handeln, denn der Umsatz mit Datendiensten für Geschäftskunden geht ab 2009 in den Sinkflug über: Ein Minus von 1,2 Prozent prognostizierte vor kurzem der „Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.“ (BITKOM). Um auf dem hart umkämpften Markt zu überleben, haben die DSL-Provider nur eine Chance: der ungeliebten Konkurrenz die Kunden abzuwerben – mit aggressiver Preispolitik.

Wechselwilligen Kunden werden besonders günstige Flatrate-Verträge angeboten, die allerdings häufig eine sehr lange Mindestlaufzeit von zwei bis drei Jahren mitbringen – im schnelllebigen DSL-Geschäft eine kleine Ewigkeit. Denn eines ist klar: Die Internetzugänge der Zukunft werden nicht nur schneller, sondern auch immer günstiger.

Harter Preiskampf


Wer sich lange bindet, spart deshalb meist nur mittelfristig – und zahlt über die Länge der gesamten Vertragslaufzeit drauf, wenn die Provider jährlich neue und noch günstigere Flatrate-Pakete an den Start schicken. Schon jetzt unterbieten sich die DSL-Anbieter in einem harten Preiskampf. Eine echte Flatrate gibt es schon ab 4 Euro monatlich. Dies ist aber nicht der Endpreis: Hinzu kommt noch die monatliche Grundgebühr für den DSL-Anschluss, bei der Deutschen Telekom zum Beispiel je nach Geschwindigkeit zwischen 15 und 26 Euro netto.

Welche Geschwindigkeit für den eigenen Betrieb sinnvoll ist, hängt von den täglichen Bedürfnissen ab. Die meisten DSL-Anbieter haben verschiedene Geschwindigkeitsvarianten im Programm. Zum Surfen, Mails abrufen und zur Online-Beschaffung von Arbeitsmaterial genügt schon DSL 1000. Damit sind Download-Geschwindigkeiten von bis 1.000 Kilobit pro Sekunden möglich, eine 10 MB große Datei lässt sich so in knapp 1,5 Minuten herunterladen. Bei vielen Providern ist DSL 2000 bereits das Standard-Angebot. Grundsätzlich gilt: Je schneller der DSL-Zugang, desto höher sind die monatlichen Grundgebühren.

Schneller Download, langsamer Upload

Wenn häufig Fotos oder andere große Dateien verschickt werden müssen, ist DSL 1000 allerdings deutlich zu langsam. Denn die kostengünstigen Standard-DSL-Angebote liefern nur ADSL (A = asymmetrisch), so dass die Up- und Download-Geschwindigkeit unterschiedlich schnell sind.

Mit DSL 1000 sind Daten-Uploads maximal mit 128 Kilobit pro Sekunde möglich, so dass der Versand einer 1 MB großen Datei deutlich länger dauert als eine Minute. DSL 6000 bietet typischerweise bereits Upload-Geschwindigkeiten bis zu 576 Kbit, mit DSL 16000 kann man Dateien mit sehr schnellen 1 Megabit pro Sekunde versenden.

Komplett-Pakete ab 25 Euro

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Foto: T-Online
Vollanschluss-Anbieter wie Vodafone oder die Deutsche Telekom vermarkten für Geschäftskunden vorrangig Komplett-Angebote, die aus einem DSL- und ISDN-Telefonanschluss inklusive Internet- und/oder einer Telefon-Flatrate ins deutsche Festnetz bestehen. Bei Vodafone gibt es Komplett-Pakete ab 25 Euro, bei der Deutschen Telekom ab 34 Euro netto monatlich. Beim Preisvergleich empfiehlt es sich, vor allem die in den Paketen enthaltene DSL-Geschwindigkeit zu beachten.

Außerdem steckt nicht in jedem Angebot, das mit „ISDN“ beworben wird, auch wirklich ISDN drin: Je nach Verfügbarkeit stellen manche Provider nur einen Telefonanschluss per Voice-over-IP zur Verfügung.

Dieser beinhaltet zwar alle ISDN-Merkmale, häufig ist damit aber eine deutlich schlechtere Sprachqualität verbunden, da alle Telefon-Gespräche über das Internet realisiert werden. Deshalb sollte man vor der Bestellung konkret nachfragen, welche Art von ISDN-Anschluss zur Verfügung gestellt wird.

Stolpersteine bei der DSL-Bestellung

Die DSL-Bestellung bietet immer wieder einige Stolpersteine, die in der Werbung oft verschwiegen werden oder nur im Kleingedruckten zu finden sind. So fallen für Neukunden oft einmalige Bereitstellungsgebühren von bis zu 100 Euro an, die einen Anbieter-Wechsel häufig wenig attraktiv machen. Denn wenn man bei einem neuen Provider beispielsweise 5 Euro monatlich sparen würde, amortisieren sich diese erst nach 20 Monaten. In solchen Fällen sind gelegentliche Sonderaktionen empfehlenswert, bei denen die Bereitstellungsgebühr erlassen wird.

Einige Provider sind auch dazu übergegangen, die Höhe der Bereitstellungsgebühr an die Vertragslaufzeit zu koppeln: Je länger sich der Kunde bindet, desto weniger muss er zahlen. Bei solchen Angeboten sollte jeder Betrieb in Ruhe nachrechnen, ob das Angebot attraktiv genug ist – denn der Wechsel zu einem anderen, günstigeren Provider wird dann für einige Jahre erst einmal unmöglich. Bei einem Provider-Wechsel sollte sich jeder Betrieb außerdem darauf einstellen, einige Tage auf DSL ganz zu verzichten.

Im Regelfall funktioniert eine Neu-Schaltung zwar innerhalb weniger Tage, aber nur selten unterbrechungsfrei. Immer wieder gibt es auch Kunden, die aus den verschiedensten Gründen bis zu mehrere Wochen ganz ohne DSL dastehen. In solchen Fällen hilft es nur, dem neuen Provider zeitnahe Fristen zu setzen – und bei Nicht-Erfüllung vom Vertrag zurückzutreten. Für kurzzeitige oder ungeplante DSL-Unterbrechungen kann auch ein UMTS-Modem gute Dienste leisten: Dies ist ein kleiner USB-Stick, in den eine Handy-SIM-Karte eingelegt wird, über die ein Notebook oder PC dann online gehen kann.

Einige Tarife nur regional verfügbar

HandwerkDie Anbieter Fonic und Blau.de bieten z.B. eine UMTS-Tagesflatrate ohne Vertragsbindung für 2,50 Euro pro Kalendertag, viele andere Prepaid-Mobilfunk-Discounter rechnen die Daten-Übertragung mit 24 bis 35 Cent pro Megabyte ab. So bleibt zumindest das Abholen von Mails auch ohne DSL einigermaßen kostengünstig möglich.

Vor einer Bestellung eines neuen DSL-Anschlusses sollte man sich auch erkundigen, ob der Tarif und vor allem die bezahlte DSL-Geschwindigkeit am eigenen Anschluss auch wirklich verfügbar ist – denn abhängig vom Standort des Betriebs kann beides stark eingeschränkt sein. So gibt es immer wieder Fälle, in denen Kunden Komplett-Pakete mit DSL 16000 buchen und zahlen, der Provider aber technisch beipielsweise nur DSL 2000 realisieren kann. Einige Tarife sind zudem nur regional verfügbar.

Von Thomas Busch

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