Donnerstag, 26. Mai 2016
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Auftragsportale im Internet

Auftragsportale im Internet versprechen neue Kunden, schnelle Umsätze und Folgeaufträge. Kritiker bemängeln vor allem Dumpingpreise und fehlende Qualitätsstandards. Die Online-Ausschreibung von Handwerksleistungen hat sich trotzdem etabliert: Anbieter wie MyHammer.de, Blauarbeit.de und Quotatis.de vermitteln zusammen rund 70.000 Aufträge pro Monat. {teaser-links}
Innovation + Produkte:
Recht:
Steuern: {/teaser-links}

Handwerk
Foto: bilderbox


Auftragsportale im Internet sind längst kein Minderheiten-Phänomen mehr: Allein bei MyHammer.de haben sich mehr als eine Million Mitglieder registriert, ein Fünftel davon sind Handwerksbetriebe und Dienstleister. Täglich stehen hier rund 35.000 Aufträge zum Abruf bereit, beim zweitgrößten Marktplatz Blauarbeit.de sind es immerhin fast 13.000.

Vom Prinzip der reinen Rückwärtsversteigerung, bei der das niedrigste Angebot automatisch den Zuschlag erhält, haben sich alle Auftragsportale mittlerweile wieder entfernt: Teilweise erfolgen Angebotsabgaben nicht-öffentlich und der Auftraggeber kann sich am Ende frei entscheiden, an wen er den Auftrag vergeben möchte. Dies kann der Günstigste sein, aber auch ein eher qualitätsorientierter Anbieter mit den meisten positiven Bewertungen. Sollte dem Kunden kein Angebot zusagen, so steht es ihm frei, auf eine Auftragsvergabe ganz zu verzichten.

Mehr Qualitätskriterien in den Vordergrund rücken

Da sich Online-Auftragsportale immer wieder der Kritik stellen müssen, dass hier nur der günstigste Preis zählt, versuchen die Plattformen mehr Qualitätskriterien in den Vordergrund zu rücken. Ein internes Bewertungssystem, mit dem Kunden den Dienstleister bewerten können, gehört bei allen Portalen zum Standard, darüber hinaus können Handwerker bei den meisten Plattformen durch das Vorlegen eines Gewerbescheine zum „geprüften Dienstleister“ aufsteigen. Weitere Informationen (als pdf-Dateien):
pdf Internet-Auftragsportale im Vergleich
pdf Auftragsportale clever nutzen


Auch der Marktführer MyHammer hat seit Anfang des Jahres einige Neuerungen eingeführt, die zum einen für verbesserte Transparenz auf dem Marktplatz sorgen sollen, zum anderen die Qualifikation der Handwerker mehr in den Vordergrund stellen. Neben den bekannten Bewertungen können Auftraggeber vor der Auftragsvergabe nun auch die Qualifikation und komplette Adressen inklusive E-Mail und Telefonnummer der Handwerker einsehen.

Über Preisversprechungen auf Kundenfang

Die Nutzung von Kontaktfunktionen wird allerdings teilweise zusätzlich berechnet. Außerdem müssen Handwerker bei der Anmeldung ihre Gesellschaftsform angeben und entsprechende Nachweise vorlegen. Solange sie dies nicht tun, werden sie mit dem Vermerk „in Prüfung“ gekennzeichnet. Das gleiche gilt für Angaben wie „Meisterbetrieb“ oder „Bauingenieur“.

Ob diese Maßnahmen wirklich zur Qualitätssteigerung beitragen, wird die Zukunft zeigen müssen. In der Zwischenzeit gehen die Portale in ihrer Werbung weiterhin über Preisversprechungen auf Kundenfang: Vollmundig werden bis zu 30 Prozent Einsparungen bei der Vermittlung von Handwerksleistungen versprochen.

Was noch fehlt!

Der Streit wird hitzig geführt. handwerk.com hatte MyHammer nachgewiesen, dass Dokumente von Anbietern nicht stimmten. Klares Plus für seriöse Handwerksbetriebe wäre es, auf einen Blick zu wissen, ob der Kunde den Auftrag an einen Meisterbetrieb gibt.

Viele Betriebe fragen: Bringt mir mein Engagement bei Auftragsportalen überhaupt was? Auch hier wäre eine persönliche Transparenz über Umsatzzahlen, Zahl der Aufträge und ähnliches nicht schlecht.

Von Thomas Busch

- pdf Internet-Auftragsportale im Vergleich (als pdf-Datei)
- pdf Auftragsportale clever nutzen (als pdf-Datei)

Diskutieren Sie mit!

Sind Auftragsportale im Internet ein Marktplatz für Niedriglohnleistungen oder ein willkommenes Akquise-Instrument zum Füllen der Auftragsbücher? Werden Handwerksbetriebe durch Auftragsportale mittelfristig in die Insolvenz getrieben, oder ermöglichen sie das Überleben in wirtschaftlich schweren Zeiten? Diskutieren Sie mit: Im Forum von Handwerksblatt.de unter www.handwerksblatt.de/handwerksblatt-forum.html. Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

Stimmen zum Thema (1):

HandwerkFast 100.000 Euro Umsatz nur über Auftragsportale


„Ich bin seit 18 Jahren selbstständig und nutze seit drei Jahren ein Handwerksportal im Internet, um Lücken in den Auftragsbüchern zu füllen. In dieser Zeit haben wir fast 100.000 Euro nur über Online-Versteigerungen verdient. Natürlich sind die Gewinnspannen etwas niedriger als bei Direkt-Aufträgen. Deshalb ist es wichtig, dass jedes Angebot vorab punktgenau durchkalkuliert wird. Oft bekommen wir sogar den Zuschlag, obwohl wir gar nicht der günstigste Anbieter sind – allein aufgrund unserer guten Bewertungen. Aktuell beschäftigen wir 14 Angestellte, die wir kontinuierlich auslasten müssen.

Wir waren sogar schon in Süddeutschland, was sich trotz einer Anfahrtsstrecke von 300 Kilometern gelohnt hat. Zurzeit bekommen wir rund zehn Prozent unserer Aufträge über das Internet, die Gewinnmargen liegen bei 5 bis 15 Prozent. Und durch Mund-zu-Mund-Propaganda unserer zufriedenen Online-Kunden steigen auch wieder die Direkt-Anfragen. Für uns sind Handwerksportale eine gute Möglichkeit, um schwache Auftragslagen zu überbrücken.“

Hugo Dähn, Geschäftsführer der Dähn Dachteam GmbH aus Bottrop
Stimmen zum Thema (2):

HandwerkErstpreise bei Auftragsportalen oft unter den reinen Materialkosten

Die Versteigerung von Dienstleistungen im Internet wird mittelfristig dazu beitragen, dass Handwerksbetriebe in die Insolvenz getrieben werden. Als kleiner Betrieb mit einem Angestellten bin ich seit Anfang 2008 selbstständig und spüre deutlich die Auswirkungen von MyHammer & Co.: Realistische Stundenlöhne, die vor einigen Jahren noch selbstverständlich waren und das Überleben der Betriebe sicherten, sind heute am Markt nicht mehr zu erzielen. Diese brauche ich aber eigentlich, um nach fairen Löhnen, Sozialabgaben und Steuern noch einen Gewinn zu erwirtschaften.

Gelegentlich schaue ich mir die ausgeschriebenen Aufträge in Internet an und muss meist feststellen, dass schon die Erstpreise unter den nötigen Materialkosten für qualitativ hochwertige Arbeitsmittel liegen. Es ist mir ein Rätsel, wie professionell arbeitende Betriebe davon leben können. Mir war es immer wichtig, meinen Kunden beste Qualitätsarbeit zu liefern – schon allein deshalb kann ich nicht mit der billigsten Farbe aus dem Baumarkt arbeiten. Die wäre aber nötig, um überhaupt noch einen winzigen Gewinn aus den Dumpingpreisen zu erzielen.

Zum Glück bin ich auf Internet-Portale nicht angewiesen: Unsere Auftragslage ist sehr gut, und Neuaufträge kommen hauptsächlich über Weiterempfehlungen von zufriedenen Kunden herein, denen Qualitätsarbeit am Herzen liegt. Ich glaube, im Internet ist eine ganz andere Kundengruppe unterwegs: Dort spielt Qualität überhaupt keine Rolle, sondern nur der günstigste Preis.“

Markus Mahlberg, Malermeister aus Bad Münstereifel
Stimmen zum Thema (3):

HandwerkQualitativ hochwertige Leistungen statt Dumpingpreise

„Die Handwerkskammer zu Köln lehnt die Versteigerung von Handwerksleistungen im Internet ab. Dieser Vertriebsweg entspricht nicht dem Leitbild des Handwerks, das sich am Markt nur mit hochqualitativen Leistungen und nicht mit Dumpingpreisen durchsetzen kann.

Gesellschaftlich verantwortlich handelnde Unternehmer, die Arbeitsplätze und insbesondere auch Ausbildungsplätze schaffen und hierbei Tariflöhne, hohe Sozialabgaben und Steuern zahlen, tragen wesentlich zum sozialen Konsens in unserer Gesellschaft bei und sichern die Soziale Marktwirtschaft. Dies ist nicht über die Versteigerung von Handwerksleistungen zu Dumpingpreisen erreichbar.

Dem widerspricht auch nicht, dass das Internet mittlerweile für viele Handwerksbetriebe ein wichtiges Marketinginstrument darstellt und auch der Wettbewerb über das Internet noch intensiver geworden ist. Ziel bleibt aber ein fairer Wettbewerb der Marktteilnehmer.“

Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer zu Köln
Stimmen zum Thema (4):

HandwerkNur 30 Prozent der Auftraggeber wählen günstigstes Angebot

„Im Internet gibt es nur Preisdumping! Das ist ein weitverbreitetes Vorurteil, das wir immer wieder hören. Richtig aber ist: Ein qualifizierter und gut arbeitender Handwerker muss das Internet nicht fürchten – im Gegenteil: Es ist bei MyHammer keineswegs so, dass der Günstigste gewinnt, denn Aufträge werden bei uns nicht per Auktion versteigert. Auftraggeber wählen den passenden Anbieter frei aus, und 70 Prozent der Auftraggeber entscheiden sich bei MyHammer nicht für das günstigste Angebot, sondern für das mit dem besten Verhältnis aus Qualifikation, Bewertung und Preis.

Das belegt nicht nur unsere Alltagserfahrung, sondern auch eine Umfrage der Berliner Humboldt-Universität unter MyHammer-Auftraggebern. Bei MyHammer angemeldet zu sein, bringt Handwerkern klare Wettbewerbsvorteile: Erstens hat MyHammer mit einer Million Nutzern und täglich rund 30.000 abrufbaren Aufträgen das mit Abstand größte Kundenpotenzial für Handwerker im Internet, zweitens werden Handwerker mit einem MyHammer-Profil und den richtig eingetragenen Stichworten besser über Google gefunden als mit einer eigenen Homepage, und drittens werden entgegen den oft angenommenen Niedriglöhnen gute Preise erzielt.

Wir kennen von Stammtischrunden zahlreiche Handwerker, die mit MyHammer Auftragslücken schließen konnten und so Arbeitsplätze erhalten, sowie solche Handwerker, die mit MyHammer ihr Geschäft auf- und ausbauen konnten und so Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen haben.“

Gerrit Müller, Vorstandsvorsitzender der MyHammer AG, Berlin
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Leserkommentare

06.09.2011 12:20:42 Uhr
Matthias

Ich bin auch als Auftragnehmer Malermeister bei my Hammer gemeldet. Was mich wirklich nervt
ist das anbieten von geschützten Gewerken!
Die Kunden hohlen sich einen Gärtner um sich die Wände tapezieren und die Türen lackieren zu lassen.
Das der Gärtner das vom Gesetz nicht darf ist unwichtig geworden.
Unwichtig für my Hammer und unwichtig für die Kunden.
Ein absoluter Werteverfall mit Folgen!!!
Geiz ist Geil!
Reichtum für my hammer!!!
Alles wird zerstört Tarife/Löhne

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