"Projekt Titelverteidigung" kann beginnen

Die Erwartungen sind groß: Zweimal hintereinander wurden die deutschen Kälteanlagenbauer zuletzt Sieger bei den EuroSkills. Trainer Karsten Beermann arbeitet mit Tim Schuster auf das Triple hin.

Trainer Karsten ­Beermann macht Tim Schuster fit, damit er im Skill Refrigeration & Air Conditioning bestmöglich ­abschneidet; Foto: Andreas Buck

Es sind Details, die über das Podest, eine Exzellenzauszeichnung oder einen Platz unter ferner liefen entscheiden. "Mangelnde Genauigkeit hat uns bei den WorldSkills 2013 eine Medaille gekostet", erinnert sich Karsten Beermann. Das will der Trainer und Experte des Kälte­technikhandwerks bei den kommenden EuroSkills nicht noch einmal erleben. Bis Dezember wird er den deutschen Teilnehmer Tim Schuster fit für Göteborg machen. "Wir werden die Testaufgabe – auch unter scharfen Bedingungen – mehrmals durchspielen, so dass er die Arbeitsabläufe verinnerlicht und mit dem Zeitdruck zurechtkommt", so der Geschäftsführer des Informationszentrums für Kälte-, Klima- und Energietechnik (IKKE) in Duisburg-Rheinhausen.

Für die Kältetechniker fährt in der Regel der Sieger des Bundesleistungswettbewerbs zu den Euro- und WorldSkills. "Wenn er aber ungeeignet oder beruflich verhindert ist, wird ein Ersatzkandidat nominiert." Erfolg bei einem internationalen Wettbewerb zu haben, setzt vor allem voraus, dass der Teilnehmer hochmotiviert ist und ihn sein Betrieb für die drei bis fünf einwöchigen Trainingsblöcke problemlos freistellt. "Die Vorbereitung und Teilnahme an den Euro- und WorldSkills wird mit öffentlichen Mitteln unterstützt. Wir sind es unseren Förder­gebern schuldig, dass wir bestens trainiert zu den Wettkämpfen fahren", pocht der Diplom-Ingenieur auf eine reibungslose und systematische Vorbereitung.

Die Erwartungen sind hoch. Zuletzt wurden die deutschen Kälteanlagenbauer zweimal hintereinander Europameister. "Wir sind also im Titelverteidigungsmodus", fasst Karsten Beermann knapp zusammen. In der Vorbereitung muss er die richtige Balance zwischen Belastung und Entspannung finden. Eine Exzellenzauszeichnung sollte am Ende schon mindestens dabei herauskommen. "Wir arbeiten darauf hin, dass wir mit Gold liebäugeln können."

Die Bedingungen dafür sind ideal. "Auf 7.000 Quadratmetern überdachter Fläche haben wir ein Internat, eine Kantine sowie moderne Werkstätten für Elektro, Metallbau und Kälteanlagenbau", zählt Beermann stolz auf. In allen drei Gewerken können Ausbildungsmeister den EuroSkills-Teilnehmer unterstützen. Der Bundesinnungsverband steht zu 100 Prozent hinter diesem Engagement. Das weiß der Dachverband WorldSkills Germany zu würdigen. Im April hat er das IKKE offiziell zum Bundesleistungszentrum zertifiziert. Im Tagesgeschäft ist es überbetriebliche Unterweisung und Meisterschule für Kälte­techniker.

Bei den EuroSkills werden vom 1. bis ­ 4. Dezember in Göteborg die Sieger in 35 Wettbewerben gesucht. Darüber hinaus gibt es neun Demonstrations-Skills. Aus Deutschland gehen 22 junge Fachkräfte auf die Jagd nach Medaillen. Elf davon kommen aus dem Handwerk. Die ­Berufseuropameisterschaft findet alle zwei Jahre – im Wechsel mit den WorldSkills – statt. Bei den EuroSkills 2014 in Lille war die deutsche Mannschaft sehr erfolgreich. Sie hat fünf Gold-, vier Silber- und zwei ­Bronze­medaillen sowie zwei "Medallion for ­Excellence" errungen. Karsten Beermann hat viel erreicht, aber auch viel investiert. In erster Linie ist er Geschäftsführer einer Bildungseinrichtung, an der fast 600 Auszubildende und 70 angehende Meister unterrichtet werden. Den Job als Trainer und Experte macht der 58-Jährige ehrenamtlich. "Was meine Frau davon hält, fragen Sie besser nicht", sagt er lachend. Ganz so arg scheint es aber nicht zu sein. Die beiden sind seit 40 Jahren zusammen. "Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich." Genauso wie sein Einsatz, junge Handwerker zu Spitzenleistungen zu bringen. Irgendwann tritt auch der "Jogi Löw der Kältetechnik" zurück. Ein Nachfolger fehlt momentan noch. "Es ist nicht immer einfach, so verrückte Leute wie den Herrn Beermann zu finden."

Text: Bernd Lorenz / Foto: Andreas Buck

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