Mittwoch, 24. August 2016
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Augen auf bei der Anlageberatung!

Seit der Finanzkrise sind die Regeln für die Vermittlung von Wertpapieren, Fonds und anderen Finanzprodukten verschärft worden. Doch Experten fordern Nachbesserungen. Noch immer gibt es zu viele Fallstricke.

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Foto: 123rf


Der Handwerker Wilhelm Lenz hat aus Empörung über seinen Bankberater ein Buch geschrieben. „Verlustwarnung" heißt der 2009 erschienene Band, der Lenz' persönliche Katastrophe mit Lehman-Papieren schildert. Der Mülheimer verlor mit den Zertifikaten, die durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers praktisch über Nacht wertlos wurden, 30.600 Euro. Ähnlich erging es allein in Deutschland Tausenden weiteren Anlegern.

Als Konsequenz hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren eine Reihe neuer Regeln für Finanzberater erlassen. Doch die Reformen reichen nach Ansicht vonbeitrag-newsletter-200x100 Verbraucherschützern nicht aus.

"Blätter strotzen von juristischen Allgemeinplätzen"

Geradezu vernichtend fällt das Urteil der Stiftung Warentest über eine der jüngsten Neuerungen aus: Die vor knapp einem Jahr eingeführten Vermögensanlage-Informationsblätter (VIB) „verfehlen ihr Ziel", teilten die Tester Mitte Mai mit. In den VIB sollen Anbieter von Beteiligungsmodellen beispielsweise für Immobilien oder Windräder auf wenigen Seiten alles Wesentliche für Anleger darstellen. Von 24 untersuchten VIB bescheinigten die Finanzexperten von Warentest nur Handwerkeinem „positive Ansätze". Die meisten Blätter „strotzen vor juristischen Allgemeinplätzen, geizen aber mit Details zu den konkreten Angeboten", kritisierte die Stiftung.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) erneuerte daraufhin seine Grundsatzkritik an geschlossenen Fonds und anderen Beteiligungsmodellen, die nicht an der Börse gehandelt werden. Diese Produkte seien äußerst riskant, ihre Vermittlung sollte nach Ansicht der Verbraucherschützer „gesetzlich maximal bis zu einer Höhe von fünf Prozent des freien Vermögens eines Privatanlegers erlaubt sein".

Erhebliche Mängel des "Beipackzettels"

Während für solche Beteiligungsmodellen Kurzinformationen erst seit Juni 2012 obligatorisch sind, müssen Banken bei der Vermittlung von börsengehandelten Fondsanteilen und anderen Wertpapieren schon seit 2011 eine Art Beipackzettel zur Verfügung stellen. In diesem Fall heißen die Kurzinformationen Produktinformationsblätter (PIB). Auf maximal drei Seiten müssen sie Auskunft über Rendite, Risiko und Kosten des Wertpapiers geben.

Anders als die VIB werden PIB von der Finanzaufsicht Bafin kontrolliert. Dennoch bescheinigte eine vergangenes Jahr vom Bundesverbraucherschutzministerium veröffentlichte Studie auch vielen PIB erhebliche Mängel. Unzureichend sei vor allem die Darstellung von Gebühren und Provisionen.

Fotos: 123rf

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