Mai 2012
Nach wenigen Berufsjahren sind Handwerker oft schon schwerhörig. Und nicht selten starten Jugendliche schon mit geschädigtem Gehör in den Beruf. Da ist guter Schutz angesagt.
Lärmschwerhörigkeit ist eine verbreitete Berufskrankheit. In Deutschland sind etwa vier bis fünf Millionen Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz gesundheitsgefährdenden Lärmbelastungen ausgesetzt ist aus dem Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) zu hören. Trotz erheblicher Erfolge in der Prävention ist die Lärmschwerhörigkeit nach wie vor die häufigste anerkannte Berufskrankheit. Die Unfallversicherungsträger leisten allein für die Lärmschwerhörigkeit jährlich Rentenzahlungen von mehr als 170 Millionen Euro., vor allem Bauwirtschaft.
Erschreckend ist aber auch: Viele Jugendliche starten schon mit Hörproblemen in die Berufswelt. „Ein Drittel der Jugendlichen wird nach neuesten Erkenntnissen mit 50 Jahren wahrscheinlich ein Hörgerät benötigen“, schätzt Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte und Leiterin des Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienstes der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (ASD der BG BAU). Untersuchungen zeigen, dass jeder vierte Jugendliche heute kein wirklich intaktes Gehör mehr hat. Vor allem durch das Freizeitverhalten schädigen Jugendliche ihr Hörvermögen schon vor Eintritt ins Berufsleben.
Laut ist laut - ob Musik oder Arbeitslärm
Dabei ist laut gleich laut, ob Musik oder Arbeitsgeräusche – die schädigende Wirkung für die Ohren bleibt die gleiche. Und wo Baumaschinen und Werkzeuge eingesetzt werden, entsteht Lärm. Kreissäge, Schlagbohrer oder Flex erzeugen Lärmpegel um 100 Dezibel (dB (A)). Ab einer durchschnittlichen Belastung pro Arbeitsschicht von 85 Dezibel können die Haarzellen im Innenohr ohne Schutz unheilbar geschädigt werden. Bei einem Knall von 137 Dezibel, zum Beispiel durch ein Bolzensetzwerkzeug, können Schäden sofort eintreten. Lärmspitzen dieser Stärke werden von den Fachleuten in dB (C) ausgedrückt.
Die BG Bau hat daher den jährlich stattfindenen „Tage gegen Lärm“ ins Leben gerufen. An diesem Tag führen ihre Fachleute dezentral an verschiedenen Orten in Deutschland Auszubildenden plakativ vor Augen, wie gefährlich Lärm sein kann.
Lärm verursacht Stress
Aber Lärm schädigt nicht nur das Gehör. Es steigt auch die Unfallgefahr. Wenn Betroffene Hinweise von Kollegen schlecht hören, passieren Fehler. Überhören sie Warnsignale auf der Baustelle, haben sie ein größeres Unfallrisiko. Nicht zuletzt ruft Lärm Schlafstörungen und Stressreaktionen hervor, die das Risiko für bestimmte Krankheiten erhöhen. Hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerwerte sowie verminderte Fließeigenschaften des Blutes wurden bei lärmbelasteten Personen beobachtet.
Lärm als psychosozialer Stressfaktor aktiviert auch das autonome Nervensystem und das hormonelle System – sogar im Schlaf und bei Personen, die meinen, sich an Lärm gewöhnt zu haben. Die Folge: ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Auch die Psyche kann unter Geräuschen leiden. Dabei spielt nicht nur die Lautstärke sondern auch die Tonhöhe eine Rolle.
Hohe Töne sind besonders unangenehm
So werden hohe, schrille Töne besonders unangenehmen empfunden. Anwendung finden psychoakustische Erkenntnisse etwa bei der akustischen Produktgestaltung, bei Raumplanung – auch von Autos und Flugzeugen – und Innenarchitektur. Und das gilt nicht nur für Baumaschinen. Selbst eine Büroausstattung macht Lärm, der auf die Dauer auf die Nerven geht.
Deshalb schlägt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ein System vor, das aus den drei Kenngrößen Schallleistung, Impulszuschlag und Tonzuschlag einen sogenannten „Overall Noise Level“ ermittelt und diesem sieben Geräuschklassen von A bis G zuordnet. Diese sollen unterschiedlich definiert werden, das heißt für die oft sehr leisen Laptops liegen die Geräuschgrenzen niedriger als für Drucker. Ziel ist es, dass innerhalb einer Produktgruppe Geräte miteinander verglichen werden können. Das kann helfen, die Geräuschbelastung am Arbeitsplatz zu senken.
Staub ist gesundheitsschädlich - Schutz ist wichtig
Handwerk auf dem Weg zur Stille
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| Foto: Fotolia |
Erschreckend ist aber auch: Viele Jugendliche starten schon mit Hörproblemen in die Berufswelt. „Ein Drittel der Jugendlichen wird nach neuesten Erkenntnissen mit 50 Jahren wahrscheinlich ein Hörgerät benötigen“, schätzt Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte und Leiterin des Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienstes der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (ASD der BG BAU). Untersuchungen zeigen, dass jeder vierte Jugendliche heute kein wirklich intaktes Gehör mehr hat. Vor allem durch das Freizeitverhalten schädigen Jugendliche ihr Hörvermögen schon vor Eintritt ins Berufsleben.
Laut ist laut - ob Musik oder Arbeitslärm
Dabei ist laut gleich laut, ob Musik oder Arbeitsgeräusche – die schädigende Wirkung für die Ohren bleibt die gleiche. Und wo Baumaschinen und Werkzeuge eingesetzt werden, entsteht Lärm. Kreissäge, Schlagbohrer oder Flex erzeugen Lärmpegel um 100 Dezibel (dB (A)). Ab einer durchschnittlichen Belastung pro Arbeitsschicht von 85 Dezibel können die Haarzellen im Innenohr ohne Schutz unheilbar geschädigt werden. Bei einem Knall von 137 Dezibel, zum Beispiel durch ein Bolzensetzwerkzeug, können Schäden sofort eintreten. Lärmspitzen dieser Stärke werden von den Fachleuten in dB (C) ausgedrückt.
Die BG Bau hat daher den jährlich stattfindenen „Tage gegen Lärm“ ins Leben gerufen. An diesem Tag führen ihre Fachleute dezentral an verschiedenen Orten in Deutschland Auszubildenden plakativ vor Augen, wie gefährlich Lärm sein kann.
Lärm verursacht Stress
Aber Lärm schädigt nicht nur das Gehör. Es steigt auch die Unfallgefahr. Wenn Betroffene Hinweise von Kollegen schlecht hören, passieren Fehler. Überhören sie Warnsignale auf der Baustelle, haben sie ein größeres Unfallrisiko. Nicht zuletzt ruft Lärm Schlafstörungen und Stressreaktionen hervor, die das Risiko für bestimmte Krankheiten erhöhen. Hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerwerte sowie verminderte Fließeigenschaften des Blutes wurden bei lärmbelasteten Personen beobachtet.
Lärm als psychosozialer Stressfaktor aktiviert auch das autonome Nervensystem und das hormonelle System – sogar im Schlaf und bei Personen, die meinen, sich an Lärm gewöhnt zu haben. Die Folge: ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Auch die Psyche kann unter Geräuschen leiden. Dabei spielt nicht nur die Lautstärke sondern auch die Tonhöhe eine Rolle.
Hohe Töne sind besonders unangenehm
So werden hohe, schrille Töne besonders unangenehmen empfunden. Anwendung finden psychoakustische Erkenntnisse etwa bei der akustischen Produktgestaltung, bei Raumplanung – auch von Autos und Flugzeugen – und Innenarchitektur. Und das gilt nicht nur für Baumaschinen. Selbst eine Büroausstattung macht Lärm, der auf die Dauer auf die Nerven geht.
Deshalb schlägt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ein System vor, das aus den drei Kenngrößen Schallleistung, Impulszuschlag und Tonzuschlag einen sogenannten „Overall Noise Level“ ermittelt und diesem sieben Geräuschklassen von A bis G zuordnet. Diese sollen unterschiedlich definiert werden, das heißt für die oft sehr leisen Laptops liegen die Geräuschgrenzen niedriger als für Drucker. Ziel ist es, dass innerhalb einer Produktgruppe Geräte miteinander verglichen werden können. Das kann helfen, die Geräuschbelastung am Arbeitsplatz zu senken.
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