Februar 2010
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Kranke Mitarbeiter sind teuer

Handwerk
Schätzungen zufolge kosten Langzeiterkrankte den Arbeitgeber durchschnittlich 400 Euro pro Tag – kleine und mittlere  Unternehmen zum Beispiel aus dem Handwerk immerhin noch 250 Euro. Aber gerade sie betrachten die betriebliche Eingliederung mit Skepsis.


Sollte ein Mitarbeiter mehr als 42 Tage im Jahr – egal ob hintereinander oder auf das Jahr verteilt – krankheitsbedingt ausfallen, muss der Betrieb ein Eingliederungsmanagement anbieten. Alle Unternehmen sind vom Gesetzgeber seit Mai 2004 in einem solchen Fall verpflichtet worden, betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten. So soll vermieden werden, dass die Beschäftigten durch eine Behinderung oder eine chronische Erkrankung ihren Arbeitsplatz verlieren.

Für die Arbeitgeber ist das eine Chance, viel Geld zu sparen. Fallen Mitarbeiter langfristig aus, entstehen oft Lücken, die nicht ohne weiteres zu füllen sind. Der Erkrankte kann seine Erfahrung im Umgang mit Stamm- und Neukunden und seine Kompetenz im Hinblick auf die Arbeitsabläufe nicht mehr in die Firma einbringen.

Viele Handwerksbetriebe wissen noch nichts über BEM

Neben den direkten Kosten durch Lohnfortzahlung, Bezahlung von Aushilfen oder der Vergütung von Überstunden entstehen verdeckte Kosten – etwa für Personalsuche, Vorstellungsgespräche, Einarbeitung und Ausbildung neuer Mitarbeiter.

Viele Handwerksbetriebe wissen immer noch weder etwas über BEM noch über die gesetzliche Pflicht. „Die Nachfrage ist mäßig. Allerdings bewerben wir das BEM nicht stark; das beschränkt sich auf Mund-zu-Mund-Propaganda“, berichtet Gabriele Opitz. Die Geschäftsführerin der Gen Re Rehabilitations-Dienst GmbH in Köln ergänzt: „Zudem fällt es kleinen Betrieben schwer, solche Prozesse umzusetzen, weil sie kein strukturiertes Personalmanagement haben; das Know-How fehlt in vielen Fällen ebenfalls.“ Die Gen Re Rehabilitations-Dienst GmbH ist ein Tochterunternehmen eines global tätigen Rückversicherers, das BEM als Dienstleistung anbietet.

Steuerliche Vorteile für betriebliche Gesundheitsförderung

Neben den fehlenden Ressourcen ist der Vorrang des Tagesgeschäfts oft ein Grund, auf BEM zu verzichten, da es zunächst ein Zeit- und Kostenfaktor ist. Gerade auch für Handwerksunternehmen ist das ein Anlass, BEM zu vernachlässigen. „Wenn sie nachfragen, ist die Lage in der Regel akut.“ Dabei lassen sich auch durch präventive Maßnahmen Kosten durch Personalausfälle senken.

Außerdem bieten sich steuerliche Vorteile für betriebliche Gesundheitsförderung. Seit 2008 bleiben Arbeitgeberleistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und der betrieblichen Gesundheitsförderung bis zu 500 Euro je Mitarbeiter im Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei. Hinzu kommt, dass die Sozialversicherungsträger einen Bonus zahlen können, wenn ein Unternehmen BEM anbietet.

Bis zu fünf Prozent Rückerstattung vom Sozialversicherungsträger
Handwerk


Die Fleischerei-Berufsgenossenschaft (FBG) etwa gewähre bis zu fünf Prozent an Rückerstattung vom Beitrag für das Prämienverfahren, erklärt Stefan Höppner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der FBG. „Die Höhe der Prämie richtet sich nach der Anzahl der Maßnahmen, die der Arbeitgeber im Hinblick auf Prävention und Integration getroffen hat.“

Stimmt der Erkrankte dem BEM zu, können vielfältige Maßnahmen ergriffen werden. Zunächst führt der Certified Disability Manager Professional (CDMP) ein persönliches Gespräch mit dem Betroffenen und plant eventuelle Vorkehrungen. Das kann in eine medizinische Therapie münden; den Arbeitsplatz an die Bedürfnisse des Betroffenen anzupassen, kann aber unter Umständen schon ausreichen, die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen oder zu sichern.

Schwerpunkt Rücken- und psychische Leiden

„Welche Maßnahmen ergriffen werden, hängt von der Krankheit des Betroffenen ab. Der Schwerpunkt der Erkrankungen sind Rücken- und psychische Leiden“, sagt Opitz. Bei der Umsetzung geeigneter Schritte sowohl bei der Integration als auch bei der Prävention arbeite die Gen Re Rehabilitations-Dienst GmbH mit Arbeitsmedizinern,  Psychologen und Reha-Einrichtungen zusammen. Damit sichere man die Behandlung nach neuesten Erkenntnissen.

Der demografische Wandel wird die Relevanz des Themas in Zukunft sicherlich verstärken. Noch sei aber kein Effekt zu spüren, so Optiz. Bei drohendem Fachkräftemangel wiegt der Ausfall eines erfahrenen Mitarbeiters umso schwerer. Dann kann BEM ein wirksames Instrument sein, damit zumindest die vorhandenen Fachkräfte so lange wie möglich arbeitsfähig bleiben.

Lars Otten

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