Haftungsfalle für Handwerker

Dank der aktuellen Rechtsprechung sind Handwerker gegenüber ihren Lieferanten im Nachteil. Sie werden gezwungen, die Verantwortung für deren fehlerhaftes Material zu übernehmen und bleiben auf den Kosten für Aus- und Einbau sitzen. Ein unhaltbarer Zustand.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Recht
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Foto: Werner Gabriel
Ein Auftrag, wie er täglich vorkommt: Heinz-W. Bock, Inhaber eines Fachbetriebs für Parkett-und Bodenbeläge in Düsseldorf soll bei einem Kunden Parkett verlegen. Er bestellt beim Fachhändler Landhausdielen und verklebt sie fachgerecht über der Fußbodenheizung. Doch nach der ersten Heizperiode lösen sich die Decklamellen und ein Sachverständiger bestätigt: Die Dielen waren fehlerhaft.

Bock tauscht das Parkett aus und erlebt eine böse Überraschung: Er bleibt auf 18.000 Euro Arbeitskosten sitzen! Der Unternehmer ist erschüttert: „Der Lieferant hat mir die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder bekomme ich 3.000 Euro aus Kulanz erstattet oder gar nichts. Mein Anwalt hat mir erklärt, dass ich vor Gericht keine Chance habe, weil die Rechtsprechung gegen mich ist."

Geld Pleite Verlust Euro 123rfNach Ansicht der Gerichte kommt es nämlich entscheidend darauf an, wer das Parkett besorgt hat und ob der Käufer ein Geschäftskunde oder eine Privatperson ist. Danach richtet sich, wer die Kosten für den Ein- und Ausbau des mangelhaften Materials tragen muss. Diese knifflige und schwer nachvollziehbare Unterscheidung hat das Handwerk den Juristen zu verdanken. Um das Problem zu verstehen, muss man drei verschiedene Fall-Konstellationen unterscheiden.

Wer hat das Material gekauft?

Fall 1: Der Handwerker verbaut fehlerhaftes Material, das ein Privatkunde beim Händler besorgt hat. Genau diese Konstellation haben die „Fliesen-Urteile" behandelt: Der Händler muss dem Privatkunden nicht nur – wie bisher – das mangelhafte Material ersetzen, er muss zusätzlich auch die Kosten übernehmen, die durch den Mangel entstanden sind. Und dazu zählen auch die Arbeitskosten des Handwerkers, der das schadhafte Material aus- und neues einbaut.

Das heißt: Der Handwerker kann dem Kunden seine Arbeit ganz normal in Rechnung stellen. Und der Kunde kann sich das Geld, das er dem Handwerker für Aus- und Einbau gezahlt hat, jetzt vom Händler wiederholen. Für Handwerker gibt es in diesem Fall keine Veränderung gegenüber der bisherigen Rechtslage. Letzteres heißt übrigens auch: Der Handwerker ist wie bisher verpflichtet, das Material zu prüfen, bevor er es verbaut. Übersieht er offensichtliche Mängel, haftet er ebenso.

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