Donnerstag, 25. August 2016
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Die Zinstricks der Banken

Zins- und Kontenprüfer entdecken immer wieder, dass Banken variable Zinssätze nicht den Marktveränderungen anpassen. Handwerker sind davon besonders stark betroffen. Vor allem bei Kontokorrentkrediten kassieren die Kreditinstitute zu hohe Zinsen.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Banken und Kredite: Was Handwerker wissen müssen
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Foto: 123rf
"Die Bank hat nicht nur viel zu hohe Zinsen kassiert – sie hat auch mein Geschäft gehemmt“, sagt Hans Lohmühlen* verbittert und wütend. Es war vor gut fünf Jahren. Die dort jahrzehntelang stationierten amerikanischen Soldaten waren gerade aus Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz abgezogen – und mit ihnen viel Kaufkraft. Viele von ihnen waren Kunden im Brillengeschäft von Optikermeister Lohmühlen gewesen. Am Stadtrand hatte ein neues, großes und modernes Einkaufszentrum eröffnet. "Und in der Innenstadt wurde ich umzingelt von zwei neuen Billig-Optikerketten“, erzählt der Geschäftsinhaber.

Die Folge: Sein Kontokorrentkredit mit variablem Zinssatz rutschte ins Minus. Mit rund 25.000 Euro stand er nun im Soll – bei einer Kreditlinie von 10.000 Euro. "Das war kritisch“, sagt Lohmühlen, "die Bank verlangte für die Überziehung jetzt insgesamt 19,1 Prozent Zinsen.“ Der heute 65-Jährige wollte Unsere Serie zum Thema "Zinstricks":
„Systematisch und mit Vorsatz falsch“
Zinstricks: Bessere Chancen mit Gutachten
daraufhin umschulden. "Aber das hat sich dermaßen verzögert. Und die Bank hat fast zwei Jahre lang diese hohen Zinsen kassiert.“ Und das, obwohl das Zinsniveau in Deutschland seit Ende 2008 stark gesunken war.

Für den Optiker war das eine "wirtschaftlich sehr schwierige“ Situation: „Ich konnte keine wichtigen Brillenfassungen mehr bestellen – und keine Werbung mehr machen“, sagt Lohmühlen. "Meinem Geschäft ist dadurch ein sehr großer Schaden entstanden.“ Zumal er gerade in dieser Zeit angesichts der Rahmenbedingungen dringend hätte investieren müssen.

Zu viel an Sollzinsen gezahlt

Diese Geschäftspolitik der Bank wollte Lohmühlen nicht länger hinnehmen. In diesem Frühjahr wandte er sich an den Kreditsachverständigen Ralph Hans Zinsen Kontrolle 123rf KopieBrendel vom Berliner Unternehmen Zinspruef. Das Ergebnis des von dem Experten erstellten Gutachtens: Der Optikermeister hatte insgesamt 4.004,42 Euro zu viel an Sollzinsen bezahlt – bei einer Kreditlinie von zuletzt 10.000 Euro. Die Bank hatte laut Gutachten über Jahre hinweg höhere Zinsen abgerechnet als erlaubt.

Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (u. a. Aktenzeichen XI ZR 78/08) muss die Bank den Zinssatz bei variablen Krediten ständig an einen Marktzins anpassen und die Voraussetzungen dafür "weitestmöglich präzisieren“. "Die Bank darf die Zinsen demnach nicht nur nach oben, sondern muss sie auch nach unten anpassen. Das wird gern vergessen“, sagt Ralph Hans Brendel, fachlicher Leiter bei Zinspruef und Vorsitzender des Bundesverbandes Kreditsachverständige und Kontenprüfer e. V. Dies sei rechtswidrig.

Verena Bast/Fotos: 123rf
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Leserkommentare

20.08.2016 06:07:36 Uhr
lIQUIKON

Zinsklau

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei der Link zum Aufklärungsfilm mit dem Titel:

Zinsklau der Banken und Sparkassen einfach erklärt.

Zur Veröffentlichung freigegeben

https://youtu.be/v4PVFOjjNCg

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