Samstag, 01. Oktober 2016
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Windows 8: Ein Betriebssystem, zwei Welten

Höhere Arbeitsgeschwindigkeiten, eine intuitive Bedienung und einfache Funktionserweiterungen über Applikationen – Microsoft verspricht bei der Nutzung des neuen Betriebssystems viele Vorteile. Doch wie nützlich sind die Neuerungen wirklich?

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Foto: Microsoft

Mit Windows 8 führt Microsoft zwei Welten zusammen, die vorher strikt getrennt waren. Das neue Betriebssystem läuft sowohl auf herkömmlichen Desktop-PCs und Notebooks als auch auf mobilen Tablets mit Touchscreen-Steuerung. Auf diese Weise sollen alle Rechner von den Windows-8-Neuerungen profitieren. Doch was bringen die Neuerungen im Arbeitsalltag? Kann man mit Windows 8 produktiver arbeiten?

Das Deutsche Handwerksblatt machte den Test und installierte die 64-Bit-Version von Windows 8 Pro auf einem fünf Jahre alten PC mit 3 GB Arbeitsspeicher und einem „Intel Core 2 Quad“-Prozessor mit 2,4 Gigahertz. Um Altlasten zu vermeiden, wurde die Festplatte zuvor frisch formatiert. Die Installation von Windows 8 Pro dauerte gerade mal 20 Minuten – danach stand das System zum ersten Start bereit. Allerdings meldete Windows sofort mehrere Online-Updates, die in mehreren Durchläufen installiert werden mussten. Zusätzlicher Zeitaufwand: über eine Stunde. Für die Installation sollte man deshalb etwas Geduld mitbringen.

Neues Kachel-Design im Vordergrund

HandwerkBeim ersten Start des neuen Betriebssystems scheint in der Windows-Welt zunächst nichts mehr, wie es war: Nachdem jahrzehntelang die berühmten Windows-Fenster das Markenzeichen von Windows waren, steht mit der Version 8 erstmals ein neues Kachel-Design im Vordergrund. Die Kacheln sind – im Gegensatz zu den bisherigen Icons und Startmenü-Leisten – auch per Fingersteuerung auf Tablet-PCs einfach zu treffen, und spezielle Wisch-Gesten erleichtern die Bedienung. Über jede Kachel kann eine Applikation oder ein Windows-Programm gestartet werden.

Besonders praktisch sind die „Live-Kacheln“: Diese zeigen bei einer bestehenden Internetverbindung direkt aktuelle Nachrichten, Wetteraussichten oder eingehende Mails an. Ebenfalls neu sind die „sensiblen“ vier Eckpunkte des Displays: Fährt man mit der Maus oder dem Finger darüber, werden weitere Optionen oder Menüpunkte eingeblendet.

Die Steuerung von Windows-8-Applikationen bei der Nutzung einer Maus erweist sich als sehr gewöhnungsbedürftig: So gibt es keinen „Schließen“-Button mehr, sondern man muss zum Beenden am oberen Bildschirmrand mit der linken Maustaste klicken, die Taste gedrückt halten und die Applikation nach unten ziehen.

Windows-Start-Button nicht mehr vorhanden

Die klassische Windows-Nutzeroberfläche mit Hintergrundbild, Task-Leiste und ablegbaren Icons gibt es unter Windows 8 aber weiterhin: Dieser lässt sich nach einem Klick auf die Kachel „Desktop“ direkt aufrufen. Hier fühlt man sich als Windows-Nutzer sofort heimisch – obwohl einiges fehlt: So hat Microsoft nicht nur die praktische Windows-Sidebar eingespart, die an der Seite mithilfe von kostenlosen Mini-Programmen nützliche Infos wie Wetter, System-Auslastung oder den aktuellen Datenverkehr anzeigen konnte, auch den Windows-Start-Button in der unteren linken Ecke werden viele Nutzer schmerzlich vermissen.

Was früher über den Windows-Startknopf mit wenigen Mausklicks zu erreichen war, zum Beispiel die Systemsteuerung oder installierte Programme, muss nun aufwendig und in Handarbeit auf anderen Wegen gesucht und gefunden werden. Allein daran dürften viele unerfahrenere Windows-Nutzer scheitern.

Windows 8 läuft schneller

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Foto: Microsoft
Positiv fielen bei unserem Test die höheren Arbeitsgeschwindigkeiten und die verkürzten Zeiten zum Starten und Beenden des Betriebssystems auf: Benötigte Windows 7 Ultimate auf unserem Test-System zum Starten mehr als eine Minute, so ist Windows 8 schon bereits nach knapp 20 Sekunden einsatzbereit. Auch die Zeiten zum Herunterfahren wurden von rund 45 Sekunden auf maximal zehn Sekunden reduziert.

Insgesamt läuft Windows 8 schneller, und selbst bei mehreren gleichzeitig geöffneten Programmen wird weniger Arbeitsspeicher benötigt. Praktisch: Windows 8 bringt erstmals einen eigenen Virenscanner mit. Gut gelungen sind auch die Multi-Monitor-Unterstützung, der erweiterte Task-Manager und die Cloud-Einbindung per SkyDrive für den Überall-Zugriff auf Daten. Außerdem lassen sich die meisten Windows-7-Programme problemlos weiter nutzen.

Windows 8 Fazit

Die zwei Welten von Windows 8 sind für Umsteiger verwirrend. In der vertrauten Fenster-Welt wird die Bedienung durch den fehlenden Start-Button erschwert. Die neue Kachel-Welt ist für Touchscreen-Tablets ideal, bei Bedienung mit der Maus aber unpraktisch: Die Mauswege sind lang, Einstellungen können nur umständlich vorgenommen werden.

Trotzdem ist Windows 8 in Sachen Geschwindigkeit ein Schritt nach vorn: Das System läuft vor allem auf älteren PC-Systemen schneller und geschmeidiger als Windows 7 oder Vista. Für ältere PC-Systeme und Tablets kann sich ein Umstieg auf Windows 8 deshalb lohnen. Für Nutzer von neueren Desktop-Systemen mit einem perfekt eingerichteten Windows 7 ist ein Umstieg zum jetzigen Zeitpunkt kein Muss.

Mit kostenlosen Programmen lassen sich einige Elemente ganz einfach nachinstallieren. So kann man ein wirklich starkes Windows-System erreichen, das Performance bietet und auch noch intuitiv bedienbar ist.

Von Thomas Busch

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