Freitag, 30. September 2016
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„Wirtschaftsspione fischen alle verfügbaren Daten ab“

Datensicherheit: Totale Internetüberwachung durch internationale Geheimdienste, Wirtschaftsspionage und die ständige Bedrohung durch Hacker und Viren – wie können sich Handwerksbetriebe vor diesen Gefahren schützen?

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Foto: alphaspirit / Fotolia

Seit den Enthüllungen um das US-Geheimdienstprogramm PRISM ist das Thema Datensicherheit hochaktuell. Doch welche Maßnahmen können Handwerksbetriebe gegen die digitalen Risiken ergreifen? Wir sprachen mit Uwe Reipa, Abteilungsleiter im Bereich IT-Dienstleistungen bei der DATEV in Nürnberg.

Deutsches Handwerksblatt: Eine Befragung des Vereins „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN) hat ergeben, dass fast ein Drittel aller mittelständischen Unternehmen keine organisatorischen Maßnahmen im Bereich Datenschutz und IT-Sicherheit getroffen hat. Fühlen sich deutsche Mittelständler zu sicher?
Uwe Reipa: Das ist ein ganz normales Verhalten: Jeder Mensch macht sich erst Gedanken, wenn er selbst bedroht wird – oder einzelne Themen in den Medien überkochen. Die aktuelle Diskussion um Datensicherheit hat deshalb einen großen Vorteil: Das Bewusstsein wird gestärkt und nahezu alle Branchen denken über ihre Sicherheitsvorkehrungen nach.

mediathek-200x100-2DHB: Welche konkreten Bedrohungen gibt es für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)?
Reipa: Vor allem kleine Unternehmen sind sich oft sicher, dass gerade an ihren Daten niemand interessiert sein kann. Doch Wirtschaftsspione und Hacker gehen nicht gezielt vor, sondern fischen global alle verfügbaren Daten ab – und schauen dann, ob etwas Interessantes dabei ist. Darunter befinden sich auch sensible Informationen von kleinen Handwerksunternehmen, zum Beispiel Kunden- und Zahlungsdaten, Angebote, Verträge, aber vielleicht auch Patente und andere Betriebsgeheimisse.

DHB: Wie kann man KMU für IT-Risiken und -Bedrohungen sensibilisieren?
Reipa: Vor allem durch Informationen: Was kann mir passieren? Und welche einfachen Lösungen gibt es im Bereich Datensicherheit? Die DATEV unterstützt zusammen mit 16 anderen Unternehmen die Initiative „Deutschland sicher im Netz“, deren Ziel es ist, die Sicherheit im Internet wirksam zu verbessern. Unter www.sicher-im-netz.de und www.datev.de/sicherheitsleitfaden stehen viele Informationen und Leitfäden kostenlos zum Download bereit, zum Beispiel zu den Themen „E-Mail-Verschlüsselung“ oder „Sicheres Arbeiten von unterwegs“.

HandwerkDHB: Ganz konkret: Mit welchen grundsätzlichen Maßnahmen können Handwerksbetriebe eine bessere Datensicherheit realisieren?
Reipa: Eine gute Firewall und ein Virenschutz, der immer auf dem neuesten Stand gehalten wird, sollten zur Grundsicherheit gehören – auf allen PCs, Notebooks, Tablets und Smartphones. Bei allen darüber hinausgehenden Maßnahmen kommt es ganz auf das Geschäftsmodell des Unternehmens an, welche IT sich im Einsatz befindet und wie und von wem das Internet genutzt wird. Deshalb haben wir einen Online-Sicherheitscheck entwickelt, bei dem jeder Unternehmer kostenlos und anonym individuelle Tipps und Handlungsempfehlungen bekommt. Der Check umfasst 19 Fragen und steht unter www.datev.de/sicherheitscheck bereit.

DHB: Was halten Sie von kostenlosen Lösungen zur Steigerung der Datensicherheit, zum Beispiel Programme zur Verschlüsselung von E-Mails?
Reipa: Ich kenne keine kostenlose Lösung für den geschäftlichen Bereich, die wirklich sicher und einfach anzuwenden ist. Grundsätzlich gilt: Sicherheitslösungen sind entweder kostenlos und oftmals komplex in der Anwendung – oder aber etwas teurer, dafür aber einfach in der Nutzung, weil die Programme unbemerkt im Hintergrund laufen.

DHB: Welche Maßnahmen empfehlen Sie für kleine Betriebe, die nur ein geringes Budget haben?
Reipa: Neben der genannten Grundsicherung kann man mit konsequenten Verhaltensregeln viel erreichen, die allerdings von allen Mitarbeitern einzuhalten sind. Dazu zählt zum Beispiel, dass man in Mails von unbekannten Absendern keine verlinkten Internetadressen aufruft oder Anhänge öffnet. Darüber hinaus empfiehlt es sich, nur wirklich sichere Passwörter zu benutzen und genau zu prüfen, welche sensiblen Daten per Mail verschickt werden. Diese sollten dann entsprechend verschlüsselt werden. Denn per Briefpost würden Unternehmen diese Informationen ja auch nicht unverschlossen oder per Postkarte verschicken.

Das Interview führte Thomas Busch

Fotos: alphaspirit / Fotolia / Datev

DATEV – Das Unternehmen: Der Name DATEV stand einmal für „Datenverarbeitung“. Das 1966 gegründete Unternehmen ist eine Genossenschaft ("eG") mit mehr als 40.000 Mitgliedern, bei der rund 6.500 Mitarbeiter beschäftigt sind. Neben der Zentrale in Nürnberg verfügt das viertgrößte Softwarehaus bundesweit über 25 Niederlassungen. Das Leistungsspektrum umfasst Software für Rechnungswesen, Personalwirtschaft und betriebswirtschaftliche Beratung, aber auch für die Steuerberechnung und Organisation von Unternehmen und Kanzleien.
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