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Duales Studium bietet Perspektiven

In fünf Jahren zum Anlagenmechaniker SHK und Bachelor of Engineering. Studienmodell der HwK Trier soll auch auf das Baugewerbe ausgeweitet werden.

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Foto: Fotolia


Das Handwerk braucht jungen und qualifizierten Nachwuchs. „Dafür muss man natürlich auch etwas tun“, fordert Günther Behr, Geschäftsführer der Handwerkskammer Trier. Nur wenn man die Guten anlocken könne, würden auch die Durchschnittsschüler ihre Berufswahl im Handwerk treffen. „Wir bieten Perspektiven“, so Behr. So kann man die Ausbildung durch Auslandspraktika oder Zusatzqualifikationen anreichern, Teile der Meisterprüfung oder den Betriebsassistenten absolvieren oder auch die Fachhochschulreife nachholen.

In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule (FH) Trier hat die Handwerkskammer Trier 2004 das Pilotprojekt zum Dualen Studium im Bereich Versorgungstechnik ins Leben gerufen. Aufgrund des großen Interesses wurde das Angebot im Jahr 2008 auch auf das Elektrohandwerk übertragen, und im Bereich Bau sollen künftig ebenfalls entsprechende Angebote entwickelt werden. Dieses Projekt zeige motivierten Jugendlichen, „wie attraktiv und hochwertig das Handwerk ist“, erklärt Behr.

"Vollwertige berufliche Ausbildung“

Handwerk Dieses Modell sei eines, das „wirklich funktioniert und nicht nur auf dem Papier existiert“. Gewöhnlich schließen die Auszubildenden ihre Berufsausbildung zum Gesellen ab, absolvieren dann die Meisterprüfung, um anschließend ein mindestens dreijähriges Studium beginnen zu können. Beim dualen Studienmodell erhalten sie nach insgesamt nur fünf Jahren den Gesellenbrief als SHK-Anlagenmechaniker und den Bachelor of Engineering in technischer Gebäudeausrüstung und Versorgungstechnik.

„Das Konzept ist unter anderem eine Reaktion auf die Klage vieler Unternehmen über nicht ausreichend praxisnahe Studiengänge“, so der Leiter des ersten Studiengangs Versorgungstechnik, Professor Burkard Fromm, gegenüber der Fachzeitschrift „Sanitär+Heizungstechnik“ (SHT). Um den Teilnehmern möglichst viel Praxiserfahrung mitzugeben, erhalten sie „eine vollwertige berufliche Ausbildung“, unterstreicht Behr.

Ausbildungszeit im Betrieb beträgt zwei Jahre

Die Ausbildungszeit wurde daher in zwei Phasen geteilt. Eine 15- bis 18-monatige „ganz normale Lehrzeit mit allen Rechten und Pflichten aus einem Lehrverhältnis, an deren Ende die Zwischenprüfung steht“, und „einem anschließenden ‚ganz normalen‘ Studium mit weiteren Praktikumsphasen“ im Betrieb, erläutert er die Bestandteile. Die abschließende Gesellenprüfung findet im fünften Semester des Hochschulstudiums statt.

Insgesamt beträgt die Ausbildungszeit im Betrieb zwei Jahre, wie auch bei einer verkürzten Ausbildung. Zusätzlich ist für den Bereich Versorgungstechnik ein Praxissemester vorgesehen, das ebenfalls im Unternehmen absolviert wird. Durch den fortwährenden Praxisbezug können die Absolventen effektiver im Betrieb eingesetzt werden und schon während des Studiums ihre Kompetenzen produktiv einbringen.

Vereinbarungen regeln den Ablauf

Der Lehrvertrag gilt nur für die erste Phase und wird zum Studienbeginn einvernehmlich aufgelöst. In einer Zusatzvereinbarung wird dabei aber festgehalten, dass der künftige Student seine Praxisphasen in den Semesterferien und das Praxissemester in seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb absolviert. So ist ausnahmsweise auch eine Zulassung zur Gesellenprüfung möglich. Der Studierende erhält in den Praxisphasen keine Ausbildungs-, sondern eine Praktikantenvergütung. Während des Studiums bekommt der Teilnehmer vom Betrieb ansonsten kein Geld, lediglich die üblichen Kosten für überbetriebliche Lehrgänge und die Prüfungsgebühren werden übernommen.

Besonderheit und auch Qualitätsmerkmal sei die Einrichtung einer eigenen Berufsschulklasse, betont Behr. „Inhaltlich und organisatorisch sind Berufsausbildung und Studium aufeinander abgestimmt“, erklärt Professor Werner Ameling gegenüber der SHT. Voraussetzung ist das Abitur oder die Fachhochschulreife, nicht aber der Standort Trier für den Betrieb. Auch Unternehmen aus anderen Bundesländern oder Ländern – wie etwa aus Luxemburg – können teilnehmen.

Bisher wurden 81 Teilnehmer registriert, die in insgesamt 45 Betrieben ausgebildet wurden. Ein Betrieb gewinne „hochmotivierte, hochqualifizierte Lehrlinge“, bestätigt Günther Behr von der HwK Trier, die, auch wenn sie anschließend nicht im Unternehmen fest eingestellt werden, im späteren Berufsleben „wichtige Partner für unsere Handwerksbetriebe sind“.

Von Maren Niggemann

Angebote
Duale Studiengänge bieten neben der Handwerkskammer Trier auch andere Kammern an, darunter Leipzig, Potsdam oder Münster. Deutschlandweit einzigartig ist das Triale Studium, das die Handwerkskammer zu Köln ins Leben gerufen hat. Dabei können (Fach-) Abiturienten innerhalb von viereinhalb Jahren den Gesellenbrief, den Meisterbrief und den Bachelor in Handwerksmanagement absolvieren. Weitere Angebote finden Sie im Internet unter www.ausbildungplus.de










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