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Sonnenstrom sicher zu den Ugandern bringen

Strom aus Sonnenenergie zu gewinnen, dürfte in Afrika kein Problem sein. Ist es aber, denn das handwerkliche Basiswissen fehlt. Manfred Becker vermittelt es an einem Bildungsinstitut in Uganda.

Elektromeister Manfred Becker (knieend, links) bringt Lehrern und Schüler am Nakawa Vocational Training Institute in Kampala bei, was sie bei der Installation einer Solaranlage zu beachten haben. Foto: © privat
Elektromeister Manfred Becker (knieend, links) bringt Lehrern und Schüler am Nakawa Vocational Training Institute in Kampala bei, was sie bei der Installation einer Solaranlage zu beachten haben.

Manfred Becker klickt durch seine zahlreichen Fotos aus Uganda. "Das ist Fred. Er leitet das Solarlabor des Nakawa Vocational Training Institutes in Kampala. Er hat eine unglaubliche Entwicklung gemacht." Auf einem der nächsten Bilder ist eine schick gekleidete Afrikanerin zu sehen. "Janat unterrichtet am Bildungsinstitut. Sie ist richtig aufgeblüht, hat endlich ihren Weg gefunden."

Foto: © privat Foto: © privat Seit 2011 engagiert sich Manfred Becker für die Berufsbildungspartnerschaft der Handwerkskammer zu Köln in Ostafrika. Als Kurzzeitexperte ist er zwei bis drei Wochen pro Jahr im Einsatz am Äquator – inzwischen auch für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. In Uganda vermittelt der dreifache Elektromeister sein Fachwissen an Lehrkräfte, Studierende und Weiterbildungsinteressierte, denn eine fundierte berufliche Ausbildung gibt es dort nicht. "Die Leute kaufen sich einen Spannungsprüfer und sind Elektriker. Der Rest ist Learning by Doing." Der eher entspannte Umgang mit Elektrizität macht sich im täglichen Leben fatal bemerkbar. "2014 sind alleine in der Hauptstadt Kampala 863 Menschen an einem Stromschlag gestorben. In ganz Deutschland waren es weniger als 50", verdeutlicht Becker.

Jeder Ugander trägt rund 700 US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt bei. In einer Übersicht des Internationalen Währungsfonds belegt der ostafrikanische Staat damit Platz 173 von 187. Doch Uganda birgt auch großes Potenzial. "An 300 Tagen im Jahr scheint mindestens sieben Stunden die Sonne – ideale Voraussetzungen dafür, um das Land mit Solarenergie zu versorgen", sagt Manfred Becker. Das Basiswissen dafür – wie auch schon vorher das Einrichten einer Satellitenanlage – vermittelt er in seinen Kursen.

Lehrer werden als Experten angefordert

Foto: © privat Foto: © privat Das beginnt bei Lehrkräften wie Fred und Janat. Sie und 14 weitere Kollegen geben es dann an die Schüler des Nakawa Vocational Training Institutes weiter. Inzwischen haben sich die Pädagogen mit ihrem Know-how sogar über das Bildungsinstitut hinaus einen Namen gemacht. "Der Besitzer einer Ferienanlage für alternativen Urlaub auf einer Insel im Victoriasee hat unser Team angefordert, die Probleme mit seiner Solaranlage zu analysieren und zu beheben." Manfred Becker konnte den Einsatz ebenfalls dafür nutzen, die Lehrkräfte mit einer Planungssoftware und dem Thema Wirtschaftlichkeitsrechnung vertraut zu machen. "Das erhöht ihr fachliches Standing. Kurz darauf sind sie mit der Planung eines neuen Projekts betraut worden."

Internationale Partner der HWK zu KölnOstafrika lässt Manfred Becker einfach nicht mehr los. "Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage sind die Menschen so unfassbar positiv eingestellt", schwärmt er. Als nächstes steht der Bau einer 10-Kilowatt-Peak-Schulungsanlage in Kampala an. Außerdem ist der Unternehmer aus Kerpen seit vorigem Jahr in Malawi aktiv. Indem der Elektromeister berufliche Qualifikationen vermittelt, ermöglicht er seinen Kursteilnehmern, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. "Das ist ein guter Ansatz, um jungen Menschen eine Perspektive in ihrem Heimatland zu geben." Manche reisen über 250 Kilometer an, um an einem oder mehreren seiner Seminare teilzunehmen. "Das schönste Kompliment, das ich je bekommen habe, lautet: Herr Becker, Sie haben mein Leben verändert!" Auch Fred und Janat dürften dazugehören.

Text: / handwerksblatt.de

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