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Steigt die Grenze für Sofortabschreibungen?

Bayern und NRW wollen die Unternehmensbesteuerung reformieren. Die Grenze für Sofortabschreibungen könnte auf 1.000 Euro steigen!

Foto: © VIKTOR Zadorozhniy/123RF.com

Die Länder Bayern und Nordrhein-Westfalens sind für einen Bürokratieabbau beim Unternehmenssteuerrecht. Der Bundesrat hat jetzt zugestimmt, dass deren Anträge den Fachausschüssen zur Beratung zugewiesen werden. Viele Vorschläge darin sind langjährige Forderungen des Handwerks.  

Hier die Vorschläge:

  • Neu gegründete Unternehmen sollten von der Pflicht zur Abgabe monatlicher Umsatzsteuer-Voranmeldungen befreit werden.
  • Die Wertgrenze für die Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter sollte von derzeit 800 Euro auf 1.000 Euro angehoben werden.
  • Die Sammelpostenregelung, nach der die Anschaffungs- und Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern bis 1.000 Euro gleichmäßig über fünf Jahre steuerlich geltend gemacht werden können, könnte folglich entfallen, heißt es in dem Antrag des Freistaates Bayern. "Dadurch werden nicht nur die Investitionsbedingungen gerade für mittelständische Handwerksbetriebe weiter verbessert."
  • Handels- und steuerrechtliche Aufbewahrungsfristen für Buchführungsunterlagen sollten von zehn auf acht Jahre reduziert werden.
  • Bei Wechseln der Buchführungssoftware sollten die alten Systeme nicht mehr weiterhin betriebsbereit gehalten werden, sondern lediglich der Datenzugriff mittels Datenträgerüberlassung ermöglicht werden müssen. 
  • Die Regelungen zur Festlegung des Wirtschaftsjahres für land- und forstwirtschaftliche Betriebe sollten flexibler gestaltet werden.
  • Ein Freibetrag für Gewinne aus forstwirtschaftlicher Nutzung sollte wiedereingeführt werden.
  • Mehr Rechtssicherheit fordert Nordrhein-Westfalen bei der steuerlichen Entlastung von Sanierungsgewinnen und beim Verlustabzug im Fall des Anteilseignerwechsels.
  • Darüber hinaus möchtedas Land NRW den Paragrafen 35 Einkommensteuergesetz an gestiegene Gewerbesteuer-Hebesätze anpassen sowie einige gewerbesteuerliche Regelungen ändern.
  • Zur Stärkung der Attraktivität von Start-ups schlägt das Land einen einmaligen Freibetrag für Mitarbeiterbeteiligungen vor.

Würde Handwerksbetriebe erheblich entlasten

"Bayern und Nordrhein-Westfalen haben die Notwendigkeit einer Reform der Unternehmensbesteuerung erkannt und entsprechende Entschließungsanträge in den Bundesrat eingebracht", sagt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. Vor allem die Anhebung der Wertgrenze für die Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter von derzeit 800 Euro auf 1.000 Euro sei seit Jahren eine Kernforderung des Handwerks, "da gleichzeitig die sogenannte Poolabschreibung entfallen und die Betriebe von erheblichem bürokratischen Aufwand entlastet würden".

Aktuell nutzt die Thesaurierungsrücklage kaum jemand

Außerdem plädiert der Verband dafür, die Thesaurierungsbegünstigung bei Personenunternehmen zu modernisieren und die Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer anzupassen, "um deutschen Betrieben im internationalen Wettbewerb wieder mehr Luft für notwendige Investitionen zu lassen". So wie die Thesaurierungsbegünstigung derzeit ausgestaltet ist, nutze sie den bisher kaum. Dadurch laufe das Ziel, die Bildung von Eigenkapital bei Personenunternehmen zu erleichtern und so Zukunftsinvestitionen zu stärken, bislang ins Leere.

"Auch die Belastung mit Gewerbesteuer ist in den vergangenen Jahren aufgrund gestiegener Gewerbesteuer-Hebesätze der Kommunen und eine Erweiterung der Hinzurechnungen stetig gestiegen. Hier bedarf es dringend einer Korrektur."

Ab September werden die Vorschläge in den Ausschüssen beraten

Im September werden sich die Fachpolitiker in den Ausschüssen mit den Vorschlägen beschäftigen. Sobald diese ihre Beratungen abgeschlossen haben, kommt die Vorlage zur Abstimmung wieder auf die Tagesordnung des Bundesrates.

Text: / handwerksblatt.de

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