Handwerksblatt Logo

Anzeige

Fachkräftemangel: Risiko für Wohnungsneubau

Die Zahl neuer Wohnungen dürfte im Jahr 2018 auf 300.000 ansteigen. Dennoch gibt es nicht genug neue Wohnungen. Grund dafür ist der Fachkräftemangel. Vor allem Meister sind schwer zu bekommen.

Foto: © Andreas Buck

Der Wohnungsneubau in Deutschland boomt weiter. Nach 285.000 neuen Wohnungen 2017 dürften im laufenden Jahr bis zu 300.000 Wohnungen fertiggestellt werden, schätzt KfW Research in einer aktuellen Analyse zum deutschen Immobilienmarkt. Das sind so viele wie seit der Jahrtausendwende nicht. Doch der Bedarf ist durch den anhaltenden Trend zur Urbanisierung und der Zuwanderung damit noch lange nicht gedeckt. Um Engpässe zu beheben, wären bis 2020 jährlich 350.000 bis 400.000 Baufertigstellungen nötig, so die KfW.

Immer weniger Fachkräfte

Die Ursache ist jedoch nicht an zu wenigen Bauwilligen oder gar an zu langsamen Genehmigungsprozessen der Kommunen zu finden. Im Gegenteil: Die Zahl der Baugenehmigungen steigt angesichts des günstigen Finanzierungsumfelds weiter. Die Verzögerung bewilligter Bauvorhaben sieht die KfW in dem immer stärker werdenden Fachkräftemangel. Vor allem im Bauhandwerk.

Zwei bis drei Jahre Bauzeit

"In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Schere zwischen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen im Wohnungssektor immer weiter geöffnet. Aktuell warten in Deutschland 653.000 genehmigte Wohnungsneubauten auf Umsetzung. Ich erwarte, dass die Zahl bis Jahresende weiter steigt", sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Gerade im Mietswohnungsbau dauert etwa die Fertigstellung oftmals länger als 2-3 Jahre. Auch ist davon auszugehen, dass einige Bauherren den Baubeginn nach Genehmigung verzögern, weil sie auf steigende Mieten und Immobilienpreise in der Zukunft oder auf künftig wieder niedrige Baukosten setzen.

Meister sind schwer zu bekommen

Konnte das Bauhauptgewerbe (z.B. Hochbauunternehmen) die Baunachfrage bisher aufgrund der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte befriedigen, bestehen vor allem im Ausbaugewerbe Engpässe hinsichtlich qualifizierter Mitarbeiter. "Im Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk hat sich das Fachkräfteangebot im vergangenen Jahr weiter verknappt, wie die hohe Zahl und die lange Dauer offen gemeldeter Stellen bei der Bundesarbeitsagentur zeigt. Vor allem Meister sind schwer zu bekommen, aber zunehmend auch andere Fachkräfte des Bauhandwerks", sagt. Dr. Jörg Zeuner. "Der Fachkräftemangel wird allmählich zum größten Risiko für eine Ausweitung der Bautätigkeit in Deutschland."

Die aktuelle Analyse "Fachkräfteengpässe im Bauhandwerk beeinträchtigen zunehmend den Wohnungsbau" ist kostenfrei abrufbar unter kfw.de/fokus

Text: / handwerksblatt.de
Was Sie sonst noch interessieren könnte
Foto: © Tatiana Gladskikh/123RF.com
Unternehmensführung 
In Zukunft knapp und teuer?
Das Mineral Gips lässt sich aus natürlichen Vorkommen abbauen oder auch chemisch gewinnen. In Zukunft könnten sich aber Engpässe ergeben, berichtet der Spiegel.
Foto: © kuzma/123RF.com
Unternehmensführung 
Wohnungsgipfel: Beschlüsse zügig umsetzen
Das Baugewerbe begrüßt die Beschlüsse, die beim Wohnungsgipfel gefasst wurden. Nun gehe es darum, sie schnell umzusetzen.
Foto: © yuttana jeenamool/123RF.com
Unternehmensführung 
Auch das Handwerk braucht bezahlbare Wohnungen
Der ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke betont anlässlich des im Kanzleramt stattfindenden Wohngipfels, wie wichtig es für das Handwerk sei, die Wohnungsbauzahlen zu steigern.
Foto: © ZDB/Becker
Unternehmensführung 
Bau-Nationalteam trainierte im Hause Seehofer
Zur Vorbereitung auf die EM hat das Nationalteam des deutschen Baugewerbes sein Können beim Tag der offenen Tür im Bundesinnen- und Bundesbauministerium gezeigt.
Foto: © Andreas Buck
Unternehmensführung 
Das NRW-Baugewerbe will mit einer Stimme sprechen
Die sieben Verbände des nordrhein-westfälischen Baugewerbes formieren sich unter der Dachorganisation Bauverbände.NRW neu.
Foto: © ginasanders/123RF.com
Unternehmensführung 
"Dorn im Auge des Handwerks"
Die fiktiven Schadenskosten bei Baumängeln sind Geschichte. Kammerjuristin Sabine Schönewald begrüßt die neue Rechtsprechung: "Die Methode war dem Handwerk schon längst ein Dorn im Auge."

Leserkommentare

nach oben