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Konjunktur im Handwerk: Motor läuft hochtourig

Goldene Zeiten im Handwerk: Die Geschäftslage und die Umsätze entwickeln sich in diesem Frühjahr besser als je zuvor. Kehrseite der Medaille: Kunden warten immer länger auf Handwerker.

Foto: © auremar/123RF.com

Die Konjunktur wird gerne mit einem Motor verglichen. Und der läuft im Handwerk im Frühjahr 2019 auf Hochtouren. Auch im Jahresverlauf wird das Handwerk wohl nicht ausgebremst. Kunden werden sich wohl weiterhin gedulden müssen, wenn sie einen Termin mit einem Handwerker vor allem aus den Bau- und Ausbaugewerken benötigen.  

"Besser als jemals zuvor in einem ersten Quartal beurteilen die Betriebe in der Frühjahrsbefragung ihre aktuelle Geschäftslage und Umsatzentwicklung", berichtet ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke über die erste Konjunkturumfrage 2019. "Auf neue Höchststände steigen Kapazitätsauslastung und Auftragsreichweiten der Betriebe. Die Investitionsausgaben erhöhen sich abermals. Die Beschäftigung nimmt kontinuierlich zu."

Der Motor wird nicht abgewürgt

Foto: © ZDH/Schuerring Foto: © ZDH/Schuerring Um im Bild zu bleiben: Während sich in anderen Bereichen der Wirtschaft schon Bremsspuren abzeichnen, ist laut ZDH in absehbarer Zeit nicht damit zu rechnen, "dass der Konjunkturmotor im Handwerk ins Stocken gerät oder gar abgewürgt wird".

Und der Motor läuft weiter rund. Auch für die nächsten Monate erwarten die Handwerksbetriebe ganz überwiegend "weiter brummende Handwerkskonjunktur". Lediglich bei den industrienahen Zulieferern zeichne sich eine Eintrübung ab. Die Nachfrage nach handwerklichen Vorleistungsgütern entwickele sich derzeit nur verhalten.

Zu den Details der Konjunkturumfrage

So viel Zufriedenheit über die aktuelle Geschäftslage gab es noch nie zu Beginn eines Jahres: 57 Prozent der Betriebsinhaber halten sie für gut, nur acht Prozent für schlecht.

Besonders gut läuft es am Bau und beim Ausbau: 95 Prozent der Betriebsinhaber dieser Gewerke sprechen von einer guten bis befriedigenden Geschäftslage, wobei das Urteil "gut" überwiegt und im Bau bei 64 Prozent / im Ausbau bei 67 Prozent liegt.

Bei den Handwerkern für den gewerblichen Bedarf erreicht die Geschäftslage mit 92  Prozent zumindest zufriedenen Betrieben das gute Vorjahresniveau.

Hohe Zufriedenheitswerte mit Blick auf die aktuelle Geschäftslage finden sich auch bei den Lebensmittelhandwerken (90 Prozent melden gute bis zufriedenstellende Geschäfte) und bei den konsumnahen privaten Dienstleistern (87 Prozentgut bis zufriedenstellend).

Im Kfz-Bereich hat sich die Lage wieder etwas entspannt, 87 Prozent sehen ihre Geschäfte als zumindest befriedigend an – das vor dem Hintergrund, dass sich der Neuwagenabsatz zuletzt wieder erholt hat und zudem das Werkstattgeschäft nach wie vor gut läuft.

Nie bessere Werte bei den Umsätzen

"Bei der Bewertung der Umsätze gab es in einem ersten Quartal noch nie bessere Werte", erklärt ZDH-Generalsekretär Schwannecke. Im Vergleich zum letzten Frühjahr haben sich die Umsätze in allen Gewerken (außer den Handwerken für den gewerblichen Bedarf) besser entwickelt.

Gegenüber dem letzten Quartal in 2018 konnten die Betriebe der Bau- und Ausbaugewerke sowie der handwerklichen Zulieferer ihre Umsätze sogar steigern, die der übrigen Gewerkegruppen waren leicht rückläufig. Die Rückgänge waren aber kleiner als ein Jahr zuvor.

Auslastung: Enorm hohe Auftragsbestände

Die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten von 81 Prozent war in den ersten drei Monaten 2019 besser als im Vorjahresquartal. Höchstwerte erreicht die Auslastung im Bau mit 84 Prozent und im Ausbau mit 86 Prozent. Schwannecke: "Es gibt also besonders in diesen Gewerken kaum noch freie Kapazitäten. Das wird auch in den kommenden Monaten so bleiben, da die Auftragsbestände hoch sind."

Wartezeit auf Handwerker. Im Schnitt zehn Wochen

Die Wartezeiten auf Handwerker haben sich nochmals erhöht. Im Gesamthandwerk dauert es inzwischen im Durchschnitt fast zehn Wochen, bis ein Auftrag erfüllt werden kann. In den Bauhandwerken müssen die Kunden sogar 14,5 Wochen, in den Ausbaugewerken elf Wochen und bei den gewerblichen Zuliefererbetrieben elfeinhalb Wochen bis zur Auftragsrealisierung warten.

30.000 neue Mitarbeiter gesucht

Auch 2019 stellen die Betriebe weiter zusätzliche neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, voraussichtlich rund 30.000. Gerne würden die Betriebe ihr Personal noch stärker aufstocken, aber leider findet sich nicht für alle offenen Stellen geeignetes Personal.

Das realisierte Stellenplus wird wohl auch 2019 hinter den eigentlichen Einstellungsplänen und -wünschen der Betriebe zurückbleiben. "Geschuldet ist das dem fortgesetzten Fachkräftemangel."

Die Betriebe investieren

Auf einem bisherigen Höchststand in einem ersten Quartal liegt das Investitionsklima im Handwerk. Abermals haben die Betriebe ihre Investitionen erhöht. Fast jeder vierte Betrieb hat mehr Mittel in Investitionen gesteckt.

Preisanpassungen notwendig

Höhere Löhne und Lohnzusatzkosten sowie gestiegene Einkaufspreise für Rohstoffe, Material und Energie lassen die Verkaufspreise nochmal deutlich ansteigen. "Die Spielräume für Preisanpassungen sind größer als in den Vorjahren, sodass sich die höheren Kosten auf die Abnehmer umlegen lassen", heißt es.

37 Prozent der Betriebe geben an, im ersten Quartal 2019 ihre Absatzpreise erhöht zu haben. "Alle Gewerkegruppen rechnen fest mit weiter steigenden Absatzpreisen im Frühjahr."

Ausblick

Der ZDH erwartet für das laufende Jahr 2019 einen Umsatzanstieg von bis zu vier Prozent. Es würden jedoch "erkennbar hohe exogene Wachstumsrisiken" bestehen, die auf das Handwerk durchschlagen könnten.

Schwannecke: "Noch jedoch ist im Handwerk von einer Wachstumsschwäche wie in der Gesamtwirtschaft keine Spur, sondern es bleibt ein Wirtschaftsbereich mit weiter hohen Umsatzzuwächsen. Das unterstreicht eindrucksvoll die stabilisierende Funktion des Handwerks für die deutsche Wirtschaft insgesamt."

Quelle: ZDH

 

Text: / handwerksblatt.de
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