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Azubi-Ticket: Kostengünstig durchs ganze Bundesland

Ab dem 1. August 2019 werden sechs Bundesländer ein günstiges Ticket anbieten, mit dem Azubis landesweit Busse und Bahnen nutzen können. Die Spanne reicht von 365 bis 984 Euro pro Jahr.

Viele Auszubildende sind für ihren Weg zur Berufsschule, ÜLU oder Ausbildungsbetrieb auf Bus und Bahn angewiesen. In einigen Bundesländern gibt es für sie schon ein spezielles Azubi-Ticket, mit dem sie günstig durchs ganze Land fahren können. Foto: © rawpixel/123RF.com
Viele Auszubildende sind für ihren Weg zur Berufsschule, ÜLU oder Ausbildungsbetrieb auf Bus und Bahn angewiesen. In einigen Bundesländern gibt es für sie schon ein spezielles Azubi-Ticket, mit dem sie günstig durchs ganze Land fahren können.

Hessen hat vor zwei Jahren den Anfang gemacht. Dort gibt es für Auszubildende seit dem 1. August 2017 das Schülerticket Hessen. Es kostet jährlich 365 Euro – also einen Euro pro Tag. Voraussetzung ist allerdings, dass man den kompletten Betrag im Voraus bezahlt. Wem das zu viel ist, der kann das Geld auch in zwölf Raten vom Konto abbuchen lassen. In diesem Fall werden allerdings 372 Euro pro Jahr – also 31 Euro monatlich – fällig. Das Schülerticket Hessen ist landesweit sowie einige Halte über die Landesgrenze hinaus gültig, etwa an den Grenzen zu Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen.

In Thüringen befindet sich das Azubi-Ticket Thüringen in der Testphase. Der Freistaat hat das Pilotprojekt am 1. Oktober 2018 begonnen. Enden wird es am 31. Dezember 2019. Eigentlich kostet das Azubi-Ticket Thüringen monatlich 153,89 Euro. Aber die Auszubildende zahlen nur 50 Euro – also maximal 600 Euro im Jahr. Den Rest übernimmt während der Pilotphase das Land. Die Fahrkarte ist nahezu in ganz Thüringen gültig. Einzige Ausnahme ist laut dem Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) der Landkreis Greiz.  

Foto: © Thomas Fehr/123RF.com Foto: © Thomas Fehr/123RF.com Im Sommer 2019 werden vier weitere Bundesländer eine landesweit gültige Fahrkarte gezielt für Auszubildende anbieten. Ab dem 1. August können Lehrlinge aus Berlin und Brandenburg das VBB-Abo Azubi nutzen. Es kostet sie jährlich 365 Euro und ist im gesamten Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) gültig.

Nordrhein-Westfalen setzt ab dem 1. August 2019 auf ein modulares Modell. Grundlage ist dort ein regional gültiges Azubiticket des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS), der WestfalenTarif GmbH und des Aachener Verkehrsverbundes (AVV), das zu einer landesweit gültigen Fahrkarte ausgebaut werden kann. Der Preis für das regionale Azubiticket liegt je nach Verkehrsverbund zwischen 60,70 Euro und 62 Euro im Monat. Mit dem NRWupgrade, das monatlich 20 Euro kostet, lässt sich der Geltungsbereich auf ganz Nordrhein-Westfalen ausdehnen; macht 984 Euro pro Jahr oder 82 Euro im Monat. Das Angebot richtet sich neben Auszubildenden unter anderem auch an Meisterschüler.

Azubi-Ticket: Die Bundesländer im Überblick

 Bundesland  Bezeichnung  Kosten für Auszubildende  gültig seit
 Baden-Württemberg      
 Bayern      
 Berlin/Brandenburg  VBB-Abo Azubi  365 Euro pro Jahr  01.08.2019 
 Bremen      
 Hamburg      
 Hessen  Schülerticket Hessen  365 Euro pro Jahr bei Einmalzahlung / 372 Euro pro Jahr (31 Euro pro Monat) bei 
 Ratenzahlung
 01.08.2017
 Mecklenburg-Vorpommern      
 Nordrhein-Westfalen  Azubiticket + NRWupgrade   984 Euro pro Jahr (82 Euro pro Monat)  01.08.2019
 Niedersachsen      
 Rheinland-Pfalz      
 Saarland      
 Sachsen  AzubiTicket Sachsen  816 Euro pro Jahr (68 Euro pro Monat)  01.08.2019
 Sachsen-Anhalt      
 Thüringen  Azubi-Ticket Thüringen  600 Euro pro Jahr (50 Euro pro Monat)  01.10.2018
 Quelle: eigene Recherche; Stand: Juli 2019         


In Sachsen können Auszubildende ab dem 1. August 2019 mit dem AzubiTicket Sachsen günstig mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch den gesamten Freistaat fahren. Grundlage ist ein regional gültiges Azubiticket des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV), des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS), des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), des Verkehrsverbundes Vogtland (VVV) und des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON). Pro Verbund kostet es 48 Euro. Wer in mehreren Verbünde mobil sein möchte, kann für je zusätzliche fünf Euro die anderen sächsischen Verbünde zukaufen. Unterm Strich ist eine landesweit gültige Fahrkarte damit für 68 Euro im Monat oder 816 Euro im Jahr erhältlich. Der vergünstigte Preis ist möglich, weil der Freistaat Sachsen dieses Angebot bezuschusst.

Ticket für Betriebe steuerlich absetzbar

Für Ausbildungsbetriebe, die sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren möchten, hat mobil.nrw – die Gemeinschaftskampagne des NRW-Verkehrsministeriums sowie der Verkehrsunternehmen, Zweckverbände, Verkehrsverbünde und -gemeinschaften – einen guten Tipp parat: Sie können das Azubiticket und das NRWupgrade zu 100 Prozent steuerlich geltend machen – egal, ob sie die Kosten dafür anteilig oder ganz übernehmen.

Semester-Ticket ist gängige Praxis

Auszubildende anderer Bundesländer müssen sich wohl noch gedulden. Dabei wäre die Einführung eines günstigen und landesweit gültigen Tickets für die berufliche Bildung extrem wichtig. Zum einen als bildungspolitisches Signal, dass die akademische und die berufliche Bildung nicht nur auf dem Papier gleichgestellt sind. "Schließlich ist das ,Semester-Ticket‘ für Studierende schon lange gängige Praxis", argumentiert Jens Christopher Ulrich vom Bayerischen Handwerkstag (BHT).

Urbane Zentren werden bevorzugt

Foto: © saksit kuson/123RF.com Foto: © saksit kuson/123RF.com Doch es geht auch darum, den ländlichen Raum nicht weiter zu schwächen. Beispiel Mecklenburg-Vorpommern. "Weite Wege zu den zentralisierten Berufsschulen oder Ausbildungsbetrieben führen oft dazu, dass sich Jugendliche eher für eine handwerkliche Ausbildung in urbanen Zentren entscheiden", erklärt Jens-Uwe Hopf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Auszubildende in ländlich geprägten Regionen von Meck-Pom würden durchschnittlich 51 Kilometer bis zu ihrem Ausbildungsort zurücklegen. Deshalb habe man die neue Bildungsministerin Bettina Martin bei ihrem Amtsantritt im Mai darum gebeten, kurzfristig die Einführung eines landesweiten Azubi-Tickets auf die Agenda zu setzen.

ÖPNV-Angebot muss ausgebaut werden

Positionspapier der LHN zur Stärkung der Mobilität von AuszubildendenFür die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) wäre die Förderung der Mobilität der Auszubildenden ein entscheidender Schritt, die Attraktivität der dualen Berufsausbildung zu steigern. Dabei sind auch die Teile des Landes zu berücksichtigen, die noch nicht vollständig vom Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) versorgt sind. "Die Ausweitung des ÖPNV und dessen Nutzung zu fördern ist aber von zentraler Bedeutung", meint Bildungsreferent Dr. Tobias Roeder. Dies gelte nicht zuletzt in Anbetracht des Anspruchs einer ortsnahen, erreichbaren Beschulung von Auszubildenden in einem Flächenland wie Niedersachsen. Die LHN fordert deshalb von der niedersächsischen Landesregierung ein Ticket nach hessischem Modell in Höhe von 365 Euro pro Jahr und gleichzeitig eine Bezuschussung von Fahrten in noch nicht vom ÖPNV abgedeckten Räumen.

Azubis müssen immer weiter fahren

Analyse und Forderungen zu Berufsschulstandorten in Sachsen-AnhaltIn Sachsen-Anhalt hat es die Prüfung eines landeseinheitlichen Azubi-Tickets bereits 2016 in den Koalitionsvertrag geschafft. Passiert ist seitdem aber nicht viel. "Die SPD und die Grünen machen sich für das Azubi-Ticket stark. Der zuständige Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) hat vor Kurzem zumindest gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung vorgeschlagen, 2020 ein Azubi-Ticket für rund 65 Euro im Monat einzuführen. Allerdings ist die Finanzierung noch nicht gesichert", erklärt Romy Meseberg, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Magdeburg.

Dabei wäre ein Azubi-Ticket nahezu ein Muss. Denn eine 2018 von den Handwerkskammern sowie den Industrie- und Handelskammern des Landes veröffentlichte Berufsschulstandortanalyse belegt, dass die Auszubildenden auf Grund der veränderten Berufsschullandschaft in Sachsen-Anhalt immer weitere Wege zurücklegen müssen. "Auszubildende, die nicht wohnortnah, aber immerhin in Sachsen-Anhalt beschult werden, legen im Schnitt fast 100 Kilometer je Schultag zurück. Insofern wäre ein günstigeres Azubi-Ticket in Höhe von 365 Euro pro Jahr wünschenswert."

Wohnort- und betriebsnahe Berufsschulklassen

Im Vorfeld der Kommunalwahlen 2019 hat der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) einen Forderungskatalog für handwerksfreundliche Städte und Gemeinden vorgelegt. Zu einer "Kommune der kurzen Wege" gehört für BWHT-Präsident Rainer Reichhold auch, dass Auszubildende möglichst schnell und unkompliziert ihre Berufsschule erreichen können. "Wo immer möglich, müssen Berufsschulklassen wohnort- und betriebsnah erhalten bleiben. Die Einführung eines verbundübergreifenden Azubi-Tickets ist darüber hinaus ebenfalls erforderlich, wie es das bereits für Studierende gibt."

Handwerk im Gespräch mit der Politik

In einigen Ländern ist das Handwerk im engen Dialog mit der jeweiligen Regierung oder den zuständigen Ministerien. "Staatssekretär Barke aus dem Wirtschaftsministerium hat mir im persönlichen Gespräch seine Bereitschaft versichert, das Thema Azubi-Ticket anzugehen", erklärt Dr. Arnd Klein-Zirbes, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes. Auch die Kammern in Rheinland-Pfalz hoffen auf eine baldige Lösung. "Wir werden uns weiter für die Einführung eines Azubi-Tickets einsetzen und hoffen dann auch auf Erfolg", so Anja Obermann von der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammer Rheinland-Pfalz. In Hamburg hat die Bürgerschaft den Senat ersucht, die Einführung eines Azubi-Tickets zu prüfen. "Wir sind in die Erarbeitung eines Lösungsmodells eingebunden", sagt Ute Kretschmann, Pressesprecherin der Handwerkskammer Hamburg.

Text: / handwerksblatt.de
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