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Starthelfer: Arbeitsminister will Förderung stoppen

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann will die Förderung für ein Flüchtlingsintegrationsprogramm stoppen, an dem die Handwerkskammern beteiligt sind. Der WHKT reagiert mit Unverständnis.

Ziel des Programms Starthelfende ist die Vermittlung von Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz (Foto: © dolgachov/123RF.com)

Nachdem das "Programm Starthelfende" noch zum Januar dieses Jahres um zwei Stellen auf sieben mit dem Schwerpunkt Flüchtlingsintegration erweitert worden, will Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) das Programm nun nicht mehr weiter fördern. An dem Programm beteiligen sich die sieben Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen, 13 Industrie- und Handelskammern sowie der Bauindustrieverband NRW. Ziel ist die Vermittlung von Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz. Nun erklärte Laumann in einem Pressegespräch, das Programm nicht weiter fördern zu wollen, "da die neuen und geänderten Programme und Prioritätensetzungen wesentlich wirksamere Hilfen für Jugendliche sind, die Schwierigkeiten zum Beginn ihrer Berufslaufbahn haben."

Reiner Nolten, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) wundert sich: "Uns erschließt sich die Logik nicht: Eine Vermittlung in Ausbildung über das Programm Starthelfende kostet rund 1.200 Euro und zum Beispiel in 2017 wurden 1.650 Jugendliche vermittelt." Für das neue Ausbildungsprogramm von Minister Laumann seien 11.000 Euro je Jugendlichem und Jahr, also 33.000 Euro für drei Ausbildungsjahre vorgesehen. 1.000 Ausbildungsplätze sollen in 2018 und nochmal 1.000 in 2019 geschaffen werden. Das Gesamtfördervolumen für die beiden Jahre beliefe sich also auf 66 Millionen Euro. "Die 27-fachen Steuerausgaben je Jugendlichem und unter dem Strich 650 Ausbildungsverträge weniger – effizient ist anders", so Nolten.

Knapp 14.500 zusätzliche Ausbildungsplätze

Die Wirksamkeit des Programms Starthelfende sei kaum zu bestreiten: Im Oktober 2008 von Laumann selbst aus der Taufe gehoben, ziele es darauf ab, Jugendliche mit unterschiedlichen Vermittlungshemmnissen bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz zu unterstützen. Auf diese Weise haben bisher 14.000 Jugendliche einen Ausbildungsplatz gefunden. Daneben konnten 6.700 Jugendliche in eine Einstiegsqualifizierung vermittelt werden, die im Idealfall ebenfalls in eine duale Berufsausbildung mündet. Wesentlicher Erfolgsfaktor dabei: Die Starthelfenden sind bei den Kammern ansässig, kennen die Betriebe und sind über deren freie Ausbildungsplätze auf dem Laufenden.

Über eine halbe Million Kontakte wurden in den letzten zehn Jahren von den Starthelfenden verzeichnet – nicht nur zu Jugendlichen und Betrieben, sondern auch zu Eltern, Schulen, Agenturen für Arbeit, der Kommunalen Koordinierung, Migrantenselbstorganisationen, Moscheevereinen und vielen weiteren Institutionen. So konnten Strukturen im Rahmen eines großen Netzwerks aufgebaut werden, das heute  zum Erfolg des Programms beiträgt. Die Starthelfenden begleiten die von ihnen vermittelten Ausbildungsverhältnisse auch nach Vertragsabschluss, beraten Jugendliche im Bereich der beruflichen Orientierung und informieren an Schulen und auf Berufsmessen zur dualen Berufsausbildung. Zusätzlich akquirierten sie seit Programmstart knapp 14.500 zusätzliche Ausbildungsplätze.

Text: Rainer Fröhlich
Foto: © dolgachov/123RF.com

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