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Rekordwerte im Handwerk – aber nicht in allen Branchen

Das Handwerk schwingt sich von Rekordwelle zu Rekordwelle. Angetrieben wird die fast euphorische Stimmung vom Bauboom. Aber längst nicht allen Branchen geht es so glänzend.

Das Handwerk in Deutschland legt weiter zu. An der Spitze der Branchen liegt der Bau. Grafik: © Creditreform

Der Wirtschaftsboom in Deutschland geht ins neunte Jahr. Din punkto Wachstum hat die Wirtschaft  2017 noch eine Schippe gegenüber den Vorjahren draufgelegt. Die Stimmung ist vor allem im Handwerk euphorisch. Der Motor der positiven Entwicklung waren der private Konsum und Bauinvestitionen. "Kaum ein Handwerksbetrieb in Deutschland berichtet über eine negative Geschäftslage", das berichtete Volker Ulbricht, Creditreform-Hauptgeschäftsführer. Anlässlich der Internationalen Handwerksmesse in München präsentiert die Wirtschaftsauskunftei ihre Zahlen zur Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk. 

Rekordwerte bei der Umsatzentwicklung

3. Umsatzentwicklung 350dpi kopieGut drei Viertel aller befragten Handwerksbetriebe schätzen ihre aktuelle Geschäftslage sehr gut oder gut ein. "Einen solchen Wert hatten wir in den vergangenen 30 Jahren, seit Beginn der Erhebungen, noch nie", meinte Ulbricht. Bestnoten gab es, wie sollte es aktuell anders sein, im Baugewerbe, wo 84,2 Prozent (Ausbaugewerbe) beziehungsweise 82,7 Prozent (Bauhauptgewerbe) der Befragten die Geschäftslage positiv beurteilten. Deutlicher zugelegt habe die Stimmungslage im Metallhandwerk. Auch ins neue Jahr können die Betriebe optimistisch blicken: "Der Konjunkturtrend im Handwerk ist auch 2018 weiter klar ansteigend", so Creditreform-Chef Ulbricht.  

Entsprechend berichten die Bau- und Ausbaubetriebe auch von Rekordwerten bei den Umsätzen. Bei über 90 Prozent der Betriebe waren die Umsätze stabil oder sind sogar gestiegen (40,2 Prozent). Nur 6,7 Prozent mussten Umsatzeinbußen hinnehmen.

Weniger gut läuft es bei Bäckern und Metzgern sowie im Kfz-Handwerk

Es gibt aber auch Branchen, da läuft es nicht ganz so glänzend: Die Handwerke für den privaten Bedarf, also zum Beispiel die Betriebe des Nahrungsmittelhandwerks, und das Kfz-Gewerbe treten aktuell auf der Stelle. Letztere haben unter der Diesel-Thematik zu leiden. Immerhin stagnieren sie auf einem hohen Niveau, so die Creditreform. Bei den Kfz-Betrieben und Autohändlern sprechen noch 58 Prozent der Betriebe von einer positiven Geschäftslage. Auch verzeichneten diese Branchen eine weiterhin positive Umsatzentwicklung. Allerdings berichten 14,3 Prozent der befragten Kfz-Handwerker von einer Verschlechterung der Umsatzlage. Am meisten Umsatzeinbußen aller handwerklichen Branchen musste erneut das Nahrungsmittelhandwerk hinnehmen. Jeder siebte Betrieb war betroffen. Vor einem Jahr war der Anteil allerdings noch höher gewesen. 

Die Kunden müssen sich auf höhere Preise einstellen: Über 60 Prozent aller von Creditreform befragten Handwerksunternehmen wollen den Konjunkturboom nutzen, um die Angebotspreise anzuheben. Im Vorjahr haben das erst 43,2 Prozent der Unternehmen getan.

Wird der Aufschwung 

Den Auftragsboom kann das Handwerk nur mit mehr Personal bewältigen. 30,7 Prozent der Befragten haben das Personal aufgestockt. "Das ist eine beachtliche Leistung angesichts des Fachkräftemangels", sagt  Volker Ulbricht vor der Presse in München. Dazu dürfte auch das Plus bei den Lehrlingszahlen beigetragen haben. Bei gut jedem zehnten Handwerksbetrieb (10,6 Prozent) ist die Mitarbeiterzahl zurückgegangen – auch aufgrund des Renteneintritts von Mitarbeitern.

Das Handwerk plant einen weiteren Beschäftigungsaufbau. Knapp jeder dritte Betrieb will die Zahl der Mitarbeiter in den nächsten Monaten aufstocken. Vor allem das Metallhandwerk und das Baugewerbe plant neue Jobs.  Allerdings dauere es aktuell knapp ein halbes Jahr, bis eine neue besetzt werden kann. "Es bleibt abzuwarten, ob der Aufschwung durch den Fachkräftemangel gebremst wird."

Jetzt wird investiert

Auch Investitionen stehen derzeit hoch im Kurs. Sechs von zehn Befragten wollen investieren, vor allem Ersatzinvestitionen sind geplant. "Ein solch hoher Wert wurde in den letzten 20 Jahren noch nie erreicht", berichtet die Creditreform. Stärker als im Vorjahr soll aber in Rationalisierungen, etwa für Kosteneinsparungen, investiert werden. Dabei finanzieren die Handwerksbetriebe ihre Investitionen trotz historisch niedriger Zinsen vielfach und stärker als im Vorjahr mit Eigenkapital.

 Text: Kirsten Freund

Grafik: © Creditreform

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