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Der mobile Änderungsschreiner

Tischlermeister Joachim Hoff von der Meistermeile baut nicht nur Möbel, Empfangstheken und Treppen, er repariert auch alte Stücke – für mehr Nachhaltigkeit.

Änderungsschreiner Joachim Hoff
Mit seiner mobilen Änderungsschreinerei ist Joachim Hoff gern gesehener Gast auf Wochenmärkten. Foto: © Costas Belibasakis


"Ich habe mich entschlossen, auch mit 50 noch an der Hobelbank zu stehen und nicht administrativ zu arbeiten", sagt Joachim Hoff. Dabei ist das mal anders gewesen. Nach dem Fall der Mauer hat es einen großen Boom in der Branche gegeben – vor allem in den neuen Bundesländern. Damals hat Hoff bis zu 16 Mitarbeiter beschäftigt, ist hauptsächlich im Objekt- und Ladenbau tätig gewesen, meist große Aufträge. Und die Kunden kamen nicht nur aus Deutschland. "Doch im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt, dass ich lieber kleinere, feinere Sachen mache: Möbelbau, Sanierung, Reparatur", erklärt der Tischlermeister aus Köln-Ehrenfeld.


Doch selbst mit bis zu sechs Mitarbeitern sei er mehr damit beschäftigt gewesen, Aufträge he-reinzuholen und zu organisieren, als handwerklich zu arbeiten. Das habe er ändern wollen, und als die Kinder kamen, habe er das zum Anlass genommen, sich weiter zu verkleinern. Heute hat Hoff seine weitläufige Werkstatthalle in Köln-Ehrenfeld untervermietet. Er beschäftigt zwar eine Malerin, um für die Renovierung von Treppenhäusern die Malerarbeiten mit anbieten zu können, die meisten Aufträge erledigt er jedoch allein. Er habe wieder mehr Kontakt zu den Kunden haben wollen, mehr Zeit für die persönliche Beratung, sagt er.

Neue Vertriebsidee für mehr Kundennähe

Geholfen hat zudem eine neue Vertriebsidee, die ihm einen zusätzlichen Kundenstamm erschlossen hat: Hoff startete eine Änderungsschreinerei. Damit ist er Dauergast auf den Wochenmärkten in den Kölner Stadtteilen Ehrenfeld und Riehl. Schon als er zum ersten Mal seinen Stand aufgebaut habe, hätten die Marktbesucher ihm zu seiner Idee gratuliert. "Viele Schreinereien haben keine Lust zu reparieren, weil es nicht lohnt", weiß Hoff. Doch wenn man sich alle zwei Wochen auf den Marktplatz stelle, sehe das anders aus. "Für viele sinkt damit die Hemmschwelle, einen Tischler zu engagieren", so Hoff.


Für ihn spiele dabei auch der Nachhaltigkeitsgedanke eine große Rolle, wie er betont: Möbel zu erhalten, damit sie nicht auf dem Müll landen. Wichtig sei ihm dabei auch, in der eigenen Nachbarschaft zu arbeiten. Anfangs sei er noch mit dem Auto zu den Märkten gefahren, doch das widersprach seiner Vorstellung von Nachhaltigkeit. Also hat er sich von Zweiradmechanikermeister Uwe-Jens Spielmann ein Lastenfahrrad anfertigen lassen, das seinen Bedürfnissen entspricht, und mit dem er seine mobile Werkstatt und sogar ganze Schränke transportieren kann. Umweltfreundlicher geht es kaum.

Gemeinsamer Auftritt – gegenseitige Empfehlung

Zusammen mit Spielmann, Raumausstattermeisterin Sarah Tiefenberg und Schuhmachermeister Philipp Stallmann hat Hoff im Sommer 2016 in Ehrenfeld die "Meistermeile" gegründet. "Die Idee ist, dass man sich zusammen zeigt und selbstbewusst als Handwerksmeisterinnen und -meister auftritt." Das Handwerk habe einen guten Ruf, den müsse man auf zeitgemäße Weise pflegen. Mittlerweile haben sich eine Schneidermeisterin und zwei Augenoptikermeister angeschlossen.


Hoff findet gut, dass jeder vom anderen lernen kann – von der Kundengewinnung bis zum Marketing. Außerdem sei klar, dass man sich gegenseitig empfehle: "Wenn jemand mit einem kaputten Stuhl zu mir kommt, der auch gepolstert werden muss, schicke ich ihn natürlich zu Sarah Tiefenberg." Ebenso selbstverständlich findet es Hoff, sich gegenseitig zu engagieren. Er lasse sich Maß-Schuhe von Philipp Stallmann anfertigen, dafür kaufe der nicht im Möbelhaus. "Auch so funktioniert Wirtschaft: lokal", sagt Hoff. Auch das sei nachhaltig. Zudem bekäme man gute, langlebige Qualität. Er selbst ist seit 26 Jahren Meister und sich sicher, dass die Meisterausbildung im Handwerk zur Qualitätssicherung beiträgt.

Treppen: von Hand gemacht

Auch heute ist Hoff noch ab und zu im Ladenbau tätig oder übernimmt größere Aufträge, dann tut er sich mit anderen Schreinern zusammen. "In Köln klappt das hervorragend. Es gibt kein Konkurrenzdenken", sagt er. Er baut Theken für Geschäftskunden, Küchen, Fenster und Möbel für Privatkunden. Besonders gerne kümmert er sich um Treppen, weil die großes Können erfordern. "Man muss viel berechnen, und die Erfahrung spielt eine große Rolle." Außerdem könne man sehen, ob eine Treppe Stück für Stück von Hand gemacht sei oder von einer CNC-Maschine vorgefertigt.


"Ich will meine Kunden glücklich machen und bin froh, dass ich das auch kann", sagt Hoff. Vom einfachen Bilderrahmen bis zur kunstvoll geschwungenen Theke aus Kirschbaumholz oder der filigranen Wendeltreppe – der Tischlermeister freut sich über die Abwechslung, die ihm sein Beruf bringt.


Meistermeile: Raumausstattermeisterin Sarah ­Tiefenberg, Schuhmachermeister Philipp Stallmann, Schreinermeister Joachim Hoff, Zweiradmechanikermeister Uwe-Jens Spielmann, Maß- und Kostümschneiderin Wiebke Tirrel sowie die Augenoptikermeister Sebastian Boschhuys und Marco Eimer aus Köln-Ehrenfeld treten zusammen als "Meistermeile" bei Straßenfesten, lokalen Messen und anderen Veranstaltungen auf. Mit gemeinsamen Aktionen wollen sie Kunden auf sich aufmerksam machen und für meisterliche Handwerksqualität werben.


Foto: © Costas Belibasakis

Text: / handwerksblatt.de
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