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Arbeitsunfähig: Wann Arbeitgeber zahlen müssen

Kleine Betriebe haben finanzielle probleme bei Krankheits ausfällen. Denn Arbeitgeber sind zur Entgeltfortzahlung verpflichtet – etwa bei Krankheiten, bei Unfällen oder Schwangerschaften.

Handwerk
Foto: ©pejo/123RF.com

Feiertage: Die Entgeltfortzahlung an Feiertagen ist im Entgeltfortzahlungsgesetz festgelegt. Das Arbeitsverhältnis muss bestehen und der Feiertag muss der einzige Grund für den Arbeitsausfall sein. Andere Bedingungen gibt es nicht. Der Arbeitnehmer wird so bezahlt, als hätte er an einem anderen Werktag gearbeitet. Berechnungsbasis ist die regelmäßige Vergütung oder der Durchschnittsverdienst des letzten Monats.

Krankheit: Auch der Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, bei einem Arbeits- oder sonstigen Unfall ist gesetzlich geregelt. Dafür muss ein Arzt die Arbeitsunfähigkeit feststellen. Anspruch darauf haben alle Arbeitnehmer, auch geringfügig Beschäftigte, unabhängig von der Arbeitszeit für maximal sechs Wochen (42 Tage). Vorausgesetzt wird, dass die Krankheit ohne eigenes Verschulden des Arbeitnehmers als einzige Ursache zur Arbeitsunfähigkeit führte und das Arbeitsverhältnis mindestens vier Wochen ununterbrochen bestand. Erst nach Ablauf dieser Wartezeit ist der Arbeitgeber verpflichtet, Lohn oder Gehalt weiter zu zahlen. Die Höhe der Entgeltfortzahlung richtet sich nach dem Gehalt, das der Arbeitnehmer im Vergleichszeitraum der letzten zwölf Monate erzielt hätte.

Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Dieser beginnt an dem Tag, der auf die Arbeitsunfähigkeit folgt. Um ihn einfordern zu können, muss der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber unverzüglich die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer mitteilen. Wenn er länger als drei Kalendertage krankheitsbedingt fehlen wird, muss er seinem Arbeitgeber spätestens am darauf folgenden Arbeitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen. Der Arbeitgeber kann verlangen, dass die AU früher vorzulegen ist. Er kann sich solange weigern, das Entgelt zu zahlen, bis der Arbeitnehmer diesen Pflichten nachkommt. Darüber hinaus kann er, nachdem er ihn abgemahnt hat, auch verhaltensbedingt kündigen. Ist der Arbeitnehmer länger als sechs Wochen krank, wird der Arbeitgeber von seiner Pflicht zur Entgeltfortzahlung befreit. Stattdessen erhält der Arbeitnehmer von der Krankenkasse Krankengeld.

Kinderkrankheit: Wird das Kind des Arbeitnehmers krank, ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitnehmer für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit von der Arbeit freizustellen und ihm die Bezüge während dieser Zeit fortzuzahlen. Der Freistellungsanspruch kann im Gegensatz zum Vergütungsanspruch nicht durch Tarif- oder Arbeitsvertrag eingeschränkt oder ausgeschlossen werden. Wenn ein Vergütungsanspruch besteht, muss der Arbeitgeber das Entgelt für die ersten fünf Arbeitstage fortzahlen. Kommt er dieser Pflicht nicht nach, tritt zunächst die Krankenkasse ein, fordert von ihm dann aber einen Ersatz ihrer Leistungen. Gibt es keinen Anspruch auf Entgelt, zahlt die Krankenkasse Pflegekrankengeld vom ersten Tag an. Beide Zahlungen sind an bestimmte Konditionen geknüpft:

Schwanger Arbeit Thanatip Srahongthong 123rfSchwanger- und Mutterschaft: Bei Schwanger- und Mutterschaft ist die Entgeltfortzahlung im Mutterschutzgesetz so geregelt, dass der Arbeitgeber außerhalb der Schutzfristen bei bestehenden Beschäftigungsverboten das Gehalt fortzahlt. Es wird nach dem durchschnittlichen Nettolohn der letzten 13 Wochen vor Eintritt der Schwangerschaft berechnet. Während der Schutzfrist erhält die Arbeitnehmerin ein Mutterschaftsgeld von ihrer Krankenkasse sowie einen Zuschuss des Arbeitgebers, der die Differenz zum durchschnittlichen Nettolohn der letzten 13 Wochen vor Beginn der Schutzfrist ausgleicht.

Entgeltfortzahlungsversicherung: Um den Aufwand der Unternehmen auszugleichen, gibt es die Entgeltfortzahlungsversicherung – sowohl für die Kosten im Krankheitsfall (U1) als auch bei Mutterschaft (U2). Es handelt sich um eine Pflichtversicherung; sich davon zu befreien, ist nicht möglich. Allen Betrieben werden die Fortzahlungen wegen Mutterschaft in vollem Umfang erstattet. Unternehmen, die in der Regel nicht mehr als 30 Mitarbeiter beschäftigen, erhalten die Aufwendungen wegen Krankheit von Gesetz wegen zu 80 Prozent erstattet.

Die für die Versicherung zu entrichtenden Umlagen sind ein zusätzlicher finanzieller Aufwand. Darum kommt es darauf an, klug zu planen. Die Krankenkassen bieten unterschiedliche Erstattungssätze an (70, 60 oder auch 50 Prozent). Je nach der Höhe unterscheiden sich auch die Umlagesätze. So hat das Unternehmen die Möglichkeit, abhängig vom berechneten durchschnittlichen Krankenstand der Beschäftigten, den günstigsten Erstattungssatz zu wählen. Auf diese Weise bleiben die Kosten für die Arbeitsunfähigkeit von Mitarbeitern in einem kalkulierbaren Rahmen.

Fotos: ©pejo/123RF.com; Thanatip Srahongthong/123RF.com

Text: / handwerksblatt.de

Leserkommentare

14.08.2017 02:35:38 Uhr
Ulrike Lotze

Frage wegen Krankengeld

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

da die Redaktion keine Rechtsberatung geben darf, wenden Sie sich bitte an die zuständigen Berater bei Ihrer Handwerkskammer. Dort wird man Ihnen gerne und kompetent weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen Ihre Redaktion handwerksblatt.de

PS: Unsere Redaktion können Sie auch per Telefon oder E-Mail erreichen: http://www.handwerksblatt.de/kontakt.html

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12.08.2017 02:38:01 Uhr
Yvonne Namyslo

Frage wegen Krankengeld

Sehr geehrte Damen und Herrn

Ich hatte im januar eine op da war ich 8 Wochen krankgeschrieben und bin nach diesen 8 Wochen wieder arbeiten gegangen bis zum 17.7 da hatte ich dann zwei Wochen urlaub. Bin aber bis dato mit schmerzen im arm arbeiten gegangen. Und nun hat mich er arzt wieder krankgeschrieben und hat gleich gesagt bis 8 Wochen darf der arm nicht belastet werden. Habe es auch der firma gesagt jetzt sagt die objektleiterin das ich ab den 1.8.2017 keinen Lohn bekomme. Obwohl ich gearbeitet habe.

Kann ich dagegen jetzt was unternehmen

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11.01.2016 01:28:23 Uhr
Ulrike Lotze

Sehr geehrter Herr Beute,

vielen Dank für Ihre Anfrage auf handwerksblatt.de.
Leider kann und darf die Redaktion keinen Rechtsrat geben. Wegen Ihrer Fragen sollten Sie sich an einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht wenden. Für die Kosten können Sie evtl. Prozesskostenhilfe beantragen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Prozesskostenhilfe

Mit freundlichen Grüßen

Ulrike Lotze
Redaktion
Ressort Betrieb
Deutsches Handwerksblatt

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11.01.2016 01:24:11 Uhr
Ulrike Lotze

Sehr geehrter Herr Beute,

vielen Dank für Ihre Anfrage auf handwerksblatt.de.
Leider kann und darf die Redaktion keinen Rechtsrat geben. Wegen Ihrer Fragen sollten Sie sich an einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht wenden.

Für die Kosten können Sie evtl. Prozesskostenhilfe beantragen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Prozesskostenhilfe

Mit freundlichen Grüßen

Ulrike Lotze
Redaktion
Ressort Betrieb
Deutsches Handwerksblatt

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11.01.2016 11:36:19 Uhr
René Beute

Sehr geehrter Herr/Frau,

War tätig in ein Hotel als Hausmeister und bin im Krankenstand gekommen weil meine Chefin mir mit normale schuhe im kalten Wasser van eislaufplatzt stehen lassen hat weil das Wasser aus den platz gelaufen war hat sie mir den Auftrag gegeben um das Wasser mit ein BESEN weg zu leiten habe noch gefragt um Gummistiefel aber sie ist einfach ins Hotel gegangen und hat weiter nichts gemacht. War ca. 2std im kalten Wasser und müsste danach noch ein paar stunden arbeiten in der nachfolgende Nacht ist es mir ganz schlecht geworden und bin am Nächsten tag zum Arzt gegangen und ich war knapp vor ein Lungenentzündung so er hat mich Krank gemeldet und last but not least hat meine Chefin mir ein paar tage später gekündigt. Geht das einfach so oder kann ich etwas da gegen unternehmen? Danke

Mit freundlichen Grüße,

René Beute
Rennweg 80/17
9863 Rennweg am Katschberg
0664/5290930

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