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Berufsberatung - von der Schule bis ins Erwerbsleben

Im Rahmen eines Modellprojekts erprobt die Bundesagentur für Arbeit, wie sich die Beratung zur Berufsorientierung, Aus- und Weiterbildung sowie beruflichen Neuorientierung verbessern lässt.  

Foto: © Bundesagentur für Arbeit

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Früher Erlerntes verliert in einigen Berufen an Bedeutung. Neue Technologien verlangen nach neuen Qualifikationen. Auf diesen Wandel müssen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einstellen. Dabei will ihnen die Bundesagentur für Arbeit (BA) helfen.

In Leipzig, Kaiserslautern-Pirmasens und Düsseldorf erprobt sie ihr Modell der lebensbegleitenden Berufsberatung. Es richtet sich an alle, die vor dem Erwerbsleben stehen oder schon mittendrin sind: Schüler, Azubis, Studenten, Un- und Angelernte, Fachkräfte und Selbstständige. Um sie über Ausbildung, Weiterbildung oder berufliche Neuorientierung zu informieren, hat die BA an den drei Standorten insgesamt 140 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt.

Berater gehen an die Schulen und Berufskollegs

Handwerk"Wir werden mit unseren Beratern viel stärker an den Orten sein, wo die jungen Menschen selbst sind: an den Schulen und Berufskollegs", kündigt Christiane Schönefeld, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW, an.

Am meisten verspricht sich Detlef Scheele davon, dass man künftig schon ab der achten Klasse an die Schulen geht und mehr an der gymnasialen Oberstufe präsent sein wird. "Wir wollen den Schülern nicht das Studieren ausreden, sondern sie auch auf die duale Berufsausbildung aufmerksam machen", begründet der Vorstandsvorsitzende der BA. Die hohen Abbrecherzahlen in einigen Studiengängen erklärt er sich auch mit einer unzureichenden Berufsberatung an den Gymnasien.

An den Berufskollegs werden die BA-Mitarbeiter vor allem auf die Azubis im ersten Lehrjahr achten. "Man weiß, dass ein Viertel aller Ausbildungen in den ersten sechs Monaten abgebrochen wird", erklärt Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Düsseldorfer Arbeitsagentur. Hier wolle man vorbeugend tätig werden. Ein Online-Fragebogen soll zeigen, ob ein Ausbildungsabbruch droht.

Präventive Beratung für Un- und Angelernte

HandwerkDie zweite Zielgruppe der lebensbegleitenden Berufsberatung befindet sich bereits im Erwerbsleben oder droht, dort heraus zu kippen. Detlef Scheele denkt etwa an die Un- und Angelernten aus kleineren und mittelgroßen Betrieben, für die es keine Pläne zur Personalentwicklung gibt. "Sie können sich präventiv beraten lassen – sei es, dass sie sich einen anderen Arbeitsplatz suchen oder dass sie eine geförderte Fortbildung machen." Zudem sind Informationsveranstaltungen für Beschäftigte und Unternehmen aus Branchen geplant, die vor großen Umbrüchen stehen. Auch die Kooperation zwischen Hochschulen und Arbeitgebern soll intensiviert werden.

Beratungscenter als niedrigschwelliges Angebot

40 Mitarbeiter setzt die Düsseldorfer Arbeitsagentur für die lebensbegleitende Berufsberatung ein; die Hälfte davon an den Schulen und Hochschulen. Doch nicht nur personell hat man aufgestockt. Ergänzend zum Ausbau des Beratungsangebots wurde im Hauptsitz ein großflächiges Beratungscenter eingerichtet.

HandwerkDort können Qualifizierungsinteressierte seit Mitte Oktober vorbeischauen – ohne vorab einen Termin zu vereinbaren oder sich am Empfang registrieren zu müssen. Momentan ist es – so wie die Arbeitsagentur – montags bis freitags zwischen 7.30 und 16 Uhr, donnerstags auch bis 18 Uhr geöffnet. Um den Beschäftigten entgegen zu kommen, finden einige Infoveranstaltungen am Abend statt. Außerdem wird darüber nachgedacht, das Beratungscenter auch samstags zu öffnen.

HandwerkAls Informationsquellen stehen Terminals und Flyerwände mit Qualifizierungsangeboten zur Verfügung. Wer erste Fragen hat, kann sich direkt an einen BA-Berater vor Ort wenden. Ist ein ausführlicheres Gespräch nötig, wird ein Termin vereinbart. Externe Partner wie die Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer oder Volkshochschule können eigene Mitarbeiter ins Beratungscenter entsenden. Schüßler: "Wir wollen alle Bildungsangebote zusammenfassen, die es in Düsseldorf gibt."

Lebensbegleitende Berufsberatung wird gut angenommen

HandwerkSeit dem Start des Modellprojekts am 1. März haben die Berater der Düsseldorfer Arbeitsagentur rund 1.500 Gespräche geführt. "55 Prozent mit Arbeitnehmern und Selbstständigen, 45 Prozent mit Arbeitslosen", schlüsselt Roland Schüßler auf. Die Zahlen bestätigen, was Christiane Schönefeld bislang nur vermutet hat. "Obwohl wir kaum für die lebensbegleitende Berufsberatung geworben haben, finden die Beschäftigten den Weg in die Arbeitsagentur. Das zeigt uns: Der Bedarf ist da!" Die Erprobung an den drei Standorten wird wissenschaftlich begleitet und läuft bis zum 28. Februar 2018. "Danach wird sich entscheiden, ob die lebensbegleitende Berufsberatung flächendeckend eingeführt wird", sagt Roland Schüßler.

Text: Bernd Lorenz; Fotos: © Bundesagentur für Arbeit / Matthias Merz Fotografie; © Bundesagentur für Arbeit / Frauke Schumann Fotografie; © Agentur für Arbeit Düsseldorf

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