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Azubis und Betriebe aus NRW wollen ein Azubiticket

Azubis und Ausbildungsbetriebe aus dem NRW-Handwerk sprechen sich für ein landesweit gültiges Azubiticket in Höhe von 30 Euro pro Monat aus. Rheinland-Pfalz und das Saarland wären auch nicht abgeneigt. 

Viele Auszubildende müssen mobil sein, um ihre Ausbildungsstelle, die Berufsschule oder die überbetriebliche Lehrwerkstatt zu erreichen. Lehrlinge und Ausbildungsbetriebe in Nordrhein-Westfalen befürworten laut einer Umfrage deshalb ein günstiges Azubiticket, das landesweit gültig ist; Foto: © rawpixel/123RF.com

Laut einer aktuellen Umfrage der sieben Handwerkskammern in NRW begrüßen 93 Prozent der Auszubildenden und 80 Prozent der Ausbildungsbetriebe die Einführung eines Azubitickets. 86 Prozent der Lehrlinge würden es nutzen, um zum Ausbildungsplatz, zur Berufsschule und zur überbetrieblichen Lehrwerkstatt zu fahren. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) würde ein vergünstigtes Azubiticket bestimmt jeden Monat kaufen. 70 Prozent könnten sich vorstellen, dafür sogar auf einen Teil ihrer Ausbildungsvergütung zu verzichten.

Auch die Ausbildungsbetriebe stehen dem Azubiticket positiv gegenüber. Mehr als jeder Vierte (28 Prozent) würde seinem Auszubildenden ein 30 Euro-Ticket sicher zur Verfügung stellen. Knapp 41 Prozent der Befragten antworteten mit "eher ja". Für "eher nein" entschieden sich rund 26 Prozent. Nur 4,8 Prozent der Ausbildungsbetriebe würden ihrem Lehrling auf keinen Fall ein Azubiticket bereitstellen.

Die Ergebnisse der BlitzumfrageIn einer aktuellen Blitzumfrage haben die sieben Handwerkskammern in NRW Auszubildende und Ausbildungsbetriebe schriftlich befragt, was sie von einem Azubiticket halten. "835 Auszubildende und 609 Ausbildungsbetriebe haben an der Umfrage ohne Anspruch der wissenschaftlichen Repräsentativität teilgenommen", so der Westdeutsche Handwerkskammertag. Grund der Aktion ist der Plan der Landesregierung, ein Azubiticket einführen zu wollen. Die Wirtschaft sehe dies als einen Beitrag des Landes, die berufliche Bildung mit der akademischen gleich zu behandeln, denn Studierende erhalten ein Semesterticket für rund 30 Euro pro Monat, mit dem sie in ganz NRW fahren dürfen. In Hessen gibt es ein vergleichbares Azubiticket bereits seit dem Ausbildungsjahr 2017/2018.

Dringender Handlungsbedarf in Rheinland-Pfalz

Auch viele Auszubildende aus Splitterberufen in Rheinland-Pfalz müssen mittlerweile in Bezirks-, Landes- oder Bundesfachklassen unterrichtet werden. Der Grund: Vor Ort werden keine Berufsschulklasse mehr eingerichtet. "Damit verbunden sind Mehrkosten für Unterkunft und Verpflegung, die die Auszubildenden massiv belasten", erklärt Rita Petry von der Handwerkskammer der Pfalz. In der Allianz für Aus- und Weiterbildung 2015-2018 sei ein Prüfauftrag an die Länder vergeben worden, inwieweit junge Menschen finanziell dabei unterstützt werden können.

"Aufgrund des wegweisenden Urteils des baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshofs vom 28. Juni 2016 hatten wir bereits im vergangenen Herbst Einvernehmen darüber erzielt, dass die Rechtslage eigentlich so eindeutig ist, dass auch in Rheinland-Pfalz dringender Regelungs- und Handlungsbedarf besteht", führt Geschäftsbereichsleiterin Rita Petry weiter aus. Man habe diese Problematik dann sowohl über den Landesausschuss für Berufsbildung eingespielt als auch seitens der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Handwerkskammern nochmals nachdrücklich um eine rasche entsprechende Umsetzung gebeten.

Das bekommen Azubis für Fahrkarte, Unterkunft und VerpflegungZumal die neue Fachkräftestrategie von Rheinland-Pfalz (2018-2021) zurecht die Notwendigkeit hervorhebe, die Attraktivität der dualen Ausbildung zu stärken, aber auch die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung zu sichern. Hierbei sollten die Partner auch prüfen, wie Angebote des ÖPNV nicht nur für Studierende sondern auch für Auszubildende attraktiv gestaltet werden können. "Die Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz würden es von daher sehr begrüßen, wenn die Landesregierung hier mit raschen Umsetzungsvorschlägen aufwarten könnte."

ÖPNV-Angebot im Saarland muss verbessert werden

Für den Präsidenten der Handwerkskammer des Saarlandes, Bernd Wegner, könnte ein Azubiticket nicht nur zur Bildungsgerechtigkeit beitragen, sondern steigere auch die Attraktivität der dualen Ausbildung. "Wir haben uns in Gesprächen mit dem saarländischen Wirtschaftsministerium für ein Azubiticket eingesetzt."

Das Ziel sollte aber nicht nur eine Vergünstigung des Fahrpreises sein. "Genauso wichtig ist uns, dass das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs im ländlichen Raum verbessert wird." Hier erhalte die Kammer Rückmeldungen, die zeigen, dass junge Menschen ihre Ausbildungsbetriebe nicht immer gut erreichen können. Dennoch ist Wegner zuversichtlich, dass die Anregungen des Handwerks aufgegriffen werden. "Die entsprechenden Abstimmungsgespräche laufen derzeit."

Text: Bernd Lorenz

Foto: © rawpixel/123RF.com



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