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Ohne Gold zurück aus dem Morgenland

Bei der Wüsten-WM in Abu Dhabi holt das deutsche WorldSkills-Team drei Medaillen und zahlreiche Auszeichnungen für exzellente Leistungen.

Gänsehaut pur: Das deutsche WorldSkills-Team zieht in die vollbesetzte "du Arena" von Yas Island ein; Foto: © WorldSkills Germany/Frank Erpinar

Mit einmal Silber, zweimal Bronze und vielen Exzellenzauszeichnungen ist das deutsche WorldSkills-Team aus Abu Dhabi zurückgekehrt. Nach vier intensiven Wettkampftagen konnten sich die Stahlbetonbauer Medin Murati und Timo Schön über den zweiten Platz freuen. Den dritten Platz holten Jonas Wanke im Skill "IT Software Solutions for Business" und Autolackierer Jonas Heinze, der zusätzlich als Punktbester der deutschen Mannschaft mit dem Titel "Best of Nation" geehrt wurde.

HandwerkVom Demonstrationswettbewerb "Water Technology", der nicht in der Nationenwertung berücksichtigt wurde, kehrt Patrick Gundert mit einer Silbermedaille heim. Hinzu kommen knapp 20 Exzellenzauszeichnungen für besondere Leistungen.

Alles in allem reichten die Leistungen für den zwölften Platz im Medaillenspiegel. Zwei Jahre zuvor in São Paulo konnten die deutschen WorldSkills-Teilnehmer mit zweimal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze und 16 "Medallions for Excellence" sich noch den zehnten Rang sichern.

Medaillenspiegel der WorldSkills 2017

Platz   Land Punkte   
Gold   
Silber   
Bronze   
MoE   
1 China 109 15 7 8 12
2 Südkorea 88 8 8 8 16
3 Schweiz 81 11 6 3 13
4 Brasilien 75 7 5 3 26
5 Russland 59 6 4 1 21
6 Taiwan 56 4 1 5 27
7 Frankreich 52 5 3 4 15
8 Österreich 49 4 3 4 16
9 Japan 43 3 2 4 17
10 Großbritannien    32 1 3 3 13
11 Südtirol 26 2 1 2 11
12 Deutschland 24 0 1 2 17
12 Finnland 24 3 1 0 9
14 Singapur 22 2 0 3 8
15 Australien 20 0 2 2 10
Wertung: 4 Pkt. Gold, 3 Pkt. Silber, 2 Pkt. Bronze, 1 Pkt. Medal of Excellence

 

Handwerks"WorldSkills Abu Dhabi 2017 – das bedeutete für unser Team, eine neue Kultur kennenzulernen, sich an klimatische Bedingungen anzupassen und mit teilweise fremden Materialien umzugehen", bilanziert Hubert Romer. "Das alles haben unsere Champions hervorragend gemeistert." Für den Geschäftsführer von WorldSkills Germany und Official Delegate sind die 42 deutschen Fachkräfte gut und schnell in die Wettbewerbe gekommen und hätten eine starke Leistung abgeliefert. In nahezu allen Skills konnten sie beachtliche Positionen erreichen und hervorragende Leistungen zeigen – immer mit Blick auf die sehr stark gewordene Konkurrenz.

Äußert beeindruckt hat Hubert Romer das innige Miteinander im Team der Teilnehmer und auch bei den Experten. Über alle Generationen hinweg habe man zusammengefunden und gemeinsam unglaublich viel voneinander gelernt. "Alle haben Großes geleistet, unabhängig von den Medaillen oder Platzierungen. Besonders war auch in diesem Jahr die hohe Anerkennung durch die Politik und die Medien."

Abschneiden analysieren und bewerten

Natürlich könne man sich immer mehr Medaillen wünschen. Dennoch sehen der Geschäftsführer von WorldSkills Germany und sein Team einen großen Fortschritt bei der Ausarbeitung und Weiterentwicklung der Trainingskonzepte. Diese seien auf einen längeren Zeitraum hin ausgelegt. "Jetzt gilt es, das Abschneiden in Abu Dhabi genau zu analysieren und zu bewerten und die richtigen Schlüsse für die nächsten WorldSkills-Höhepunkte zu ziehen." Denn die Termine für die nächsten internationalen Wettkämpfe stehen schon fest. Vom 26. bis 28. September kommen die besten jungen Fachkräfte in Budapest (Ungarn) zu den EuroSkills 2018 zusammen. Ein Jahr darauf richtet Russland in Kasan vom 29. August bis 3. September die WorldSkills 2019 aus.

"Ein unvergessliches Erlebnis, ein richtiges Highlight"

HandwerkRiesig. Dieses Wort verwendet Sebastian Knopf oft, wenn er über seine Erlebnisse in Abu Dhabi berichtet. Die Atmosphäre im Land – riesig. Sein Gefühl bei der Eröffnungsfeier, als er mit seinem Team in die vollbesetzte Halle einzieht – riesig. Der freundschaftliche Austausch mit den anderen Teilnehmern – riesig. Auch vier Tage, nachdem der Kfz-Mechatroniker wieder in Frankfurt gelandet ist, spürt man seine Begeisterung. "Die WorldSkills waren ein unvergessliches Erlebnis für mich, ein richtiges Highlight", schwärmt der 22-jährige Rheinland-Pfälzer.

Einen Platz im vorderen Mittelfeld hatte er anvisiert. Es ist eine Punktlandung geworden. Mit 713 Punkten belegte er Rang 14. "Das Niveau war absolut weltmeisterlich", sagt Sebastian Knopf. Das belegt die Zahl der Exzellenzauszeichnungen. Für ihre herausragenden Leistungen wurden 14 Kfz-Mechatroniker mit einer "Medallion for Excellence" geehrt. Dass er mit dazugehört, macht ihn stolz. "Ich bin absolut zufrieden mit meiner Leistung."

Doch der Erfolg ist nicht alles. Die WorldSkills sind ein großes Hallo der besten jungen Fachkräfte aus aller Welt. 77 Nationen waren in Abu Dhabi vertreten. Sebastian Knopf hat viele neue Leute kennengelernt. Die beste Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, ergibt sich beim Austausch von Ansteckern. Mindestens 40 Pins hat er gesammelt. Hinzu kommen mehrere neue Freundschaften auf Facebook. Ein weiteres schönes Andenken hat er von seinem kanadischen Konkurrenten Aaron Taves bekommen. "Er hatte die Idee, dass wir doch unsere T-Shirts tauschen könnten."

Altersbedingt waren es die letzten internationalen Wettkämpfe für Sebastian Knopf. Doch ihn hat der WorldSkills-Virus gepackt. Er freut sich darauf, den nächsten deutschen Teilnehmer zu unterstützen. Vielleicht ergibt sich langfristig sogar die Chance, als Trainer und Experte aktiv zu werden. Sein Tipp an alle, die sich gerne dem Wettkampf stellen wollen: "Jeder, der die Chance hat, an den Euro- oder WorldSkills teilzunehmen, sollte sie nutzen. Es geht ja nicht nur um die Competition, sondern auch darum, Spaß zu haben, neue Leute und andere Kulturen kennenzulernen."

24 Punkte fehlten zur Exzellenzauszeichnung

HandwerkTim Schuster hatte in Abu Dhabi noch etwas gutzumachen. Im vorigen Jahr ist der Kälte- und Klimatechniker mit dem achten Platz bei den EuroSkills unter seinen Möglichkeiten geblieben. Gestärkt durch ein Mentalcoaching und mit den Erfahrungen aus Göteborg im Gepäck sollte es nun besser werden. 676 Punkte reichten aber nur zum 19. Platz. Für eine Exzellenzauszeichnung fehlten ihm 24 Punkte.

"Der erste Tag begann bereits schlecht", fasst sein Trainer Karsten Beermann zusammen. "Tim hatte sich beim Rohrbiegen vertan und musste korrigieren, dabei zu viel Zeit verloren und die erste Aufgabe nicht fertiggestellt." Die hierdurch verpasste Druckprobe kostete die ersten Punkte. Weitere Fehler häuften sich. Und dann noch das: "Zum guten Abschluss erkrankte Tim noch mit einer leichten Lebensmittelvergiftung", so der Geschäftsführer der IKKE gGmbH. Trotz dieser widrigen Umstände habe Tim Schuster den letzten Tag gut bewältigt, eigentlich alle Aufgaben gelöst und seine Kälteanlage funktionstüchtig fertiggestellt. Beermanns Fazit: "Wir sind zwar enttäuscht, aber es war eine gute Erfahrung, die Tim mit in die Zukunft nimmt."

"Marcel hat sein Bestes gegeben"

HandwerkMit organisatorischen Schwierigkeiten hatten allen Prototypenbauer zu kämpfen. "Auf die neue Situation haben sich vor allem die starken asiatischen Teilnehmer anscheinend problemlos eingestellt", fasst der deutsche Trainer Peter Habich zusammen. Sein Schützling Marcel Swierczok leider nicht. Mit 429 Punkten belegte der Modellbauer-Azubi im dritten Lehrjahr den elften Platz. Dennoch ist der 21-Jährige zufrieden. "Für mich gilt der Olympische Gedanke: Dabei sein ist alles. Das Ergebnis ist dabei eher zweitrangig."

Er kehrt mit unglaublichen Eindrücken zurück. "Nicht nur über das Land und die Menschen, die immer freundlich und zuvorkommend waren. Auch dass ich die einmalige Chance bekommen haben, bei so einer Weltmeisterschaft mitmachen zu dürfen." Vor allem das Finale ist ihm nachdrücklich in Erinnerung geblieben. "Wenn man hört, wie alle Zuschauer den Countdown runterzählen und du bei Null einfach alles fallen lässt und zum ersten Mal realisierst, wie viele Menschen dir bei der Arbeit zuschauen. Vor allem aber wie ein großer Stein vom Herzen fällt, dass man es am Ende doch geschafft hat."

Für seinen Trainer Peter Habich steht fest: "Marcel hatte sein Bestes und alles gegeben, was möglich war." Von den WorldSkills nimmt der Unternehmer aus Bayern mehrere Erkenntnisse mit: Die Ausbildung in China, Südkorea, Indien und Indonesien hat sich erheblich verbessert. Das deutsche Ausbildungssystem muss schleunigst angepasst, optimiert und zukunftsfähig gemacht werden. Außerdem ist ihm der Stellenwert der WorldSkills in Deutschland zu gering. "Um eine leistungsgerechte Vorbereitung durchführen zu können, sind wir auf Verbände, Sponsoren und Firmeninhaber angewiesen, die selbstlos Mittel und Personal zur Verfügung stellen."

Text: WorldSkills Germany/Bernd Lorenz / Fotos: © WorldSkills Germany/Frank Erpinar

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