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Warmes Wasser für Carolin

Die mobile Badewanne "Caro" erleichtert die Pflege. Das neuartige Medizinprodukt hat Maschinenschlosser Dirk Becker entwickelt.

Für Dirk und Alexandra Becker ist es nun ein Leichtes, ihre Tochter Carolin mit dem Lift vom Bett in die mobile Badewanne zu hieven. Foto: © Peter Leßmann
Für Dirk und Alexandra Becker ist es nun ein Leichtes, ihre Tochter Carolin mit dem Lift vom Bett in die mobile Badewanne zu hieven.

Schon so manche Erfindung wurde geboren, weil jemand eine Lösung zur Erleichterung seines Alltags suchte. Die Idee, etwas besser und einfacher zu machen, tauchte bei Dirk Becker bei der Pflege seiner schwerbehinderten Tochter auf. Heraus kam ein neuartiges Medizinprodukt, die mobile Badewanne – und mehr Entspannung für die ganze Familie.

Bis zu ihrem sechsten Lebensjahr war die Jüngste, Carolin, ein gesundes Mädchen. Nach der Einschulung befiel sie eine fortschreitende Nervenerkrankung. Diese dehnt sich unaufhaltsam auf den ganzen Körper aus. Heute kann Carolin ihre Glieder nicht mehr selbst bewegen, leidet unter Spasmen, ist blind und hört kaum noch. Dass sie überhaupt den 18. Geburtstag erleben würde, hatten Ärzte vor Jahren eigentlich ausgeschlossen.

Rückenschonendere Pflege

Warmes Wasser hilft Carolin, die Muskelspannungen besser zu regulieren. "Baden war aber jahrelang eine enorme Prozedur", erinnert sich Becker. "Obwohl ein Bad für die Körperhygiene und zur Lockerung der Muskulatur wichtig ist, war es früher nur zweimal in der Woche möglich. "Unsere Tochter wurde dann in den mit Handtüchern ausgelegten Rollstuhl geliftet, und wir fuhren mit ihr ins Badezimmer. Dort wurde sie wieder aus dem Rollstuhl heraus- und in die vorhandene Badewanne hineingeliftet." Die Tochter habe beim Baden festgehalten werden müssen. Das sei wegen ihrer Körpergröße schnell schwierig und belastend für den Rücken der Pflegenden geworden, erzählt der Vater.

Nach dem Bad wurde Carolin wieder aus der Wanne herausgehoben, in den Rollstuhl gehievt und in ihrem Zimmer fürs Abtrocknen herausgeliftet. Bei diesem zeitaufwendigen Vorgang kühlte sie sehr schnell ab und fühlte sich unwohl. Je schwerer Carolin wurde – sie wiegt mittlerweile 60 Kilo – desto mühsamer wurde der Akt.

Es musste eine Alternative geben! Der Maschinenschlosser tüftelte in seiner Werkstatt und entwickelte ein Gestell für eine Wanne auf vier Rädern. Das Gefährt kann selbst durch schmale Türen leicht geschoben werden. Mit einem Schlauch lässt sich die Wanne über einen normalen Wasserhahn befüllen und dann in Carolins Zimmer neben das Bett fahren.

Der Deckenlift hebt Carolin hoch, fährt sie über die Wanne und setzt sie im wohltuend warmen Wasser ab. Dort sitzt sie sicher, ohne die Gefahr des Abrutschens. Die Eltern oder die Pflegekraft können Carolin von allen Seiten rückenschonend umsorgen. Danach geht es über den Lift, der auch das Abtrocknen erleichtert, schnell zurück ins Bett. Die Wanne wird zurück ins Badezimmer geschoben und das Wasser über einen Schlauch in der Toilette, Dusche oder den Bodenablauf abgelassen.

Bei der Entwicklung der mobilen Badewanne hat Carolin entscheidend mitgewirkt. "Sie kann zwar nicht mehr sprechen, aber anhand ihrer Mimik und Gestik konnte ich erkennen, was ihr gefällt und was nicht", so Becker.

Durch die einfache und schnelle Handhabung im Pflegealltag werde Carolin nicht nur eine gute Körperpflege ermöglicht, sondern auch eine Verbesserung ihres Allgemeinzustandes, sowohl körperlich, emotional als auch geistig, hat Carolins Ergotherapie-Praxis bestätigt.

Kostenübernahme möglich

Mittlerweile ist Dirk Becker davon überzeugt, dass seine Erfindung auch anderen pflegenden Angehörigen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern die Arbeit erleichtern und damit vielen kranken, behinderten und alten Menschen mehr Lebensqualität schenken kann. Der Handwerker hat einen Betrieb gegründet, in dem er das Produkt baut. Er nahm Kontakt zur Technologieberatung der Handwerkskammer Münster auf. Hier bekam er den Rat zur Eintragung als Gebrauchsmuster.

Die Universität Münster hat über den Beraterkontakt in einer Studie wissenschaftlich festgestellt, dass die mobile Badewanne für die Pflegenden den Rücken weniger belastet. Die Wanne wurde als Medizinprodukt der Klasse eins eingestuft. Das heißt, sie kann nach ärztlicher Verordnung auf Rezept über ein Sanitätshaus bei der Krankenkasse angefragt werden. Für die Kosten können Krankenkassen aufkommen. Die Online-Vermarktung und eine Präsentation auf der internationalen Fachmesse "Rehacare" in Düsseldorf ist angelaufen. Aus Liebe zu seiner Tochter hat Becker die Erfindung "Caro" genannt.


die-mobile-badewanne.de

Text: / handwerksblatt.de
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