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HWK Münster: Zeit in der EU einheitlich umstellen

Unterschiedliche Stimmungsbilder zur Sommer- und Winterzeit bei den Handwerksbetrieben zeigt eine Blitzumfrage der Handwerkskammer Münster.

Wenn am Wochenende nach dem Willen der EU-Kommission in Europa die Uhren zum letzten Mal von Sommer- auf Winterzeit umgestellt werden und die Mitgliedsstaaten der EU bis Ende März entscheiden sollen, ob sie die ganzjährige Winter- oder Sommerzeit einführen, dann gibt es auch im Handwerk dazu unterschiedliche Meinungen: An einer Blitzumfrage der Handwerkskammer (HWK) Münster zur bevorzugten Zeitumstellung haben sich 279 Handwerksbetriebe beteiligt. Sie votierten mit 123 Stimmen für die Sommerzeit und 110 für die Winterzeit, nur 46 möchten lieber an der Zeitumstellung festhalten.

"Wir sind gespannt, welcher Zeit das Parlament den Vorzug geben wird, wünschen uns aber innerhalb Europas eine weitgehend einheitliche Zeitzone", betont HWK-Präsident Hans Hund. "Ein Flickenteppich, der entsteht, wenn jedes Land unabgestimmt mit den anderen über die ewige Sommer- oder Winterzeit entscheidet, würde den Außenhandel im Europäischen Binnenmarkt erschweren."

Baubetriebe wünschen sich mehrheitlich eine ewige Winterzeit

Das Meinungsbild ist in den einzelnen Gewerkegruppen uneinheitlich: Die Baubetriebe mit den meisten Umfrageteilnehmern wünschen mehrheitlich (41 Prozent) eine ewige Winterzeit, bei der es am Morgen eher hell wird als bei der Sommerzeit mit einer helleren Abendstunde. Letzteres würden 35 Prozent der befragten Baubetriebe in Kauf nehmen.

Die durchgängige Sommerzeit bedeutete, dass der Sonnenaufgang Ende Dezember in Deutschland erst um 9:15 Uhr begänne; hell wäre es erst gegen 10 Uhr. Dann brauchten alle Handwerker, die draußen arbeiten, zu den gewohnten Arbeitszeiten mehr kosten- und energieintensive Beleuchtung oder könnten bei Verschiebung des Arbeitsbeginns erst später anfangen, erklärt Hund und ergänzt: "Darauf müssten sich dann auch die Auftraggeber einstellen."

Einen Gleichstand haben beide Zeitmöglichkeiten bei den Nahrungsmittelgewerken (jeweils 47 Prozent).

Die übrigen Gewerke ziehen die ewige Sommerzeit vor: das personenbezogene Dienstleistungsgewerbe (58 Prozent Sommerzeit : 32 Prozent Winterzeit), das Kraftfahrzeuggewerbe (48:32) und die Gewerke für den gewerblichen Bedarf (46:42).

Kommentar

"Winterzeit ist mein Favorit"

Die EU-Kommission schlägt vor, dass die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bis Ende März entscheiden sollen, ob sie ständig in der Sommer- oder Winterzeit leben wollen. Vorausgegangen war im Sommer eine Online-Umfrage der Kommission. Hintergrund sind die gesundheitsschädlichen Wirkungen durch die Zeitumstellung. In der Umfrage votierten die meisten Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung mit Vorliebe für die ganzjährige Sommerzeit.

Foto: © www.die-marquardts.comDer Biorhythmus soll ja ziemlich individuell sein, wie auch Wissenschaftler festgestellt haben; die einen sind eher Morgenmuffel und die anderen Frühaufsteher – es gibt die Nachtigallen und die Lerchen, wie schon der Volksmund weiß. So unterschiedlich die Konstitution, so verschieden ist wohl auch die Vorliebe für einen hellen Morgen oder möglichst langes Tageslicht am Abend. Man wird es nicht allen recht machen können.

Was aber die Sommerzeit im Winter bedeutete, sollte man sich vergegenwärtigen: Es wäre dann bei uns in der dunkelsten Zeit nämlich erst gegen 10 Uhr hell. Das ist für viele Menschen, die morgens bei der Arbeit sein müssen, ein Horror. Darüber hinaus ist es auch insgesamt eine Stunde länger dunkel! Weniger Tageslicht beeinträchtigt die Stimmung und die Gesundheit immer.

Chronobiologen zufolge sind Schüler morgens um 8 Uhr noch nicht so leistungsfähig wie zu einem späteren Zeitpunkt – was mit der biologischen Uhr zu tun haben soll. Das Licht hat einen großen Einfluss auf das innere Zeitempfinden. Die Sommerzeit im Winter würde diese Beeinträchtigungen wohl verstärken. Wenn man den Schulbeginn deshalb generell verschöbe, hätte das wiederum Auswirkungen auf Busfahrpläne und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auf diese Weise käme die ewige Sommerzeit indirekt bei den Handwerksbetrieben an, wenn Eltern ihre Kinder morgens länger versorgen müssen.

Können zudem alle Außengewerke erst später – wenn man bei Tageslicht genügend sieht – mit der Arbeit beginnen, müssen sich auch Kunden darauf einstellen, deutlich länger zu warten, bis der Handwerker loslegt. Bei kürzeren Tagen wird er zudem auch nur kürzer arbeiten können.

Die Folgen einer ewigen Sommerzeit gehen über persönliche Vorlieben weit hinaus. Mein Favorit ist ganz klar die schon lange erprobte Winterzeit – auch wenn ich die langen Sommerabende immer sehr genossen habe und ich sie schon jetzt vermisse.

Hans Hund

Präsident der Handwerkskammer Münster

Text: / handwerksblatt.de

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