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ÜLU macht Lehrlinge kompetenter

Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) schließt Ausbildungslücken. Gut für Unternehmen, weil die betriebliche Ausbildung sonst nicht zu stemmen wäre. 

Foto: © Nicole Wollscheid
Neben der ÜLU Zahntechnik finden in den BTZ Unterweisungen statt für Anlagenmechaniker SHK, Kaufleute für Büromanagement, Elektroniker, Fahrzeuglackierer, Feinwerkmechaniker, Friseure, Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker, Kfz-Mechatroniker, Maler und Lackierer, Maßschneider, Metallbauer, Raumausstatter, Tischler sowie in Stufenausbildung (Bau) Maurer, Betonbauer, Stuckateure, Fliesenleger, Straßenbauer und Zimmerer.

Referatsleiter Stefan Burg von der Handwerkskammer Trier erklärt, warum die ÜLU ein wichtiger Baustein für eine qualifizierte Ausbildung ist. Sie ergänzt und unterstützt die betriebliche Ausbildung vom ersten bis zum vierten Lehrjahr. Sie ist berufsspezifisch und praktisch ausgerichtet.

DHB: In den HWK-Bildungszentren unterrichten 25 Ausbilder in 620 ÜLU-Lehrgängen etwa 6.200 Lehrlinge pro Jahr. Ist die Ausbildung im Betrieb nicht ausreichend?
Burg: Durch die rasante technische Entwicklung wird die Ausbildung immer anspruchsvoller. Der Lernstoff wird umfangreicher und komplizierter. Es gibt immer mehr Spezialisierung. Besonders kleine und mittlere Betriebe können nicht mehr alle Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die das Berufsbild erfordert. Viele Betriebe sind nicht in der Lage, an High-Tech-Arbeitsplätzen auszubilden oder die gesamte Markenvielfalt des Handwerks aufzuzeigen.

Foto: © Tri-sign Foto: © Tri-sign DHB: Wo ist das zum Beispiel der Fall?
Burg: Nehmen wir etwa den Kfz-Azubi aus einer BMW-Vertragswerkstatt. Der lernt in der ÜLU auch die Besonderheiten von Renault, VW und anderen Fahrzeugherstellern kennen. Oder den Azubi aus einem SHK-Betrieb, der sich nur auf die Installation von Lüftungs- oder Sanitäranlagen spezialisiert hat. Dieser Azubi wird in der ÜLU in Sachen Brenner- und Heizungstechnik qualifiziert. Denn betrieblich bedingte Ausbildungslücken dürfen nicht auf Kosten der Lehrlinge und des Ausbildungsniveaus gehen. Und Betrieben kann man nicht zumuten, in leistungsfremden Bereichen auszubilden. Daher führen wir die ÜLU durch.

DHB: Sind Auszubildende also zur ÜLU-Teilnahme verpflichtet?
Burg: Ja. Die obligatorischen Kurse sind mit den jeweiligen Handwerksinnungen abgestimmt und vom zuständigen Berufsbildungsausschuss und der Vollversammlung der HWK als verbindlich beschlossen worden. Damit sollen über die Ausbildungszeit ein möglichst einheitlicher Wissenstand sichergestellt und die gleichen Prüfungsvoraussetzungen für alle Auszubildenden gewährleistet werden. Neben obligatorischen Lehrgängen bieten wir zusätzliche, freiwillige ÜLU-Kurse an. So hat die HWK beispielsweise seit mehreren Jahren die ÜLU "IH8A/08 – Fachbezogenes Gasschweißen" im SHK-Handwerk im Programm, da das Schweißen in der Ausbildung zum Anlagenmechaniker in vielen Betrieben häufig zu kurz kommt.

DHB: Während der ÜLU-Kurse fehlen die Lehrlinge ja in den Betrieben. Welche Vorteile überwiegen diese Tatsache?
Burg: In der ÜLU lernt der Lehrling, Arbeitsschritte, Techniken und Prozesse besser zu verstehen – und zwar produktionsunabhängig. So kann er sich das nötige Hintergrundwissen einfacher und verständlicher aneignen. Es fällt ihm leichter, sich selbstständig in betriebliche Produktionsprozesse zu integrieren. Die ÜLU trägt also dazu bei, dass die Ausbildung effizienter wird, denn der Lehrling wird insgesamt kompetenter. Das verringert wiederum den Ausbildungsaufwand im Betrieb.

DHB: Muss der Ausbildungsbetrieb die ÜLU-Gebühren alleine tragen?
Burg: Nein, die Lehrgänge werden durch Bund und Land bezuschusst, sodass der Eigenanteil des Ausbildungsbetriebes relativ gering bleibt. Insbesondere dann, wenn man die technisch hochstehenden Lehrgänge wie zum Beispiel "K4/15 Hochvolttechnik im Kfz-Handwerk" berücksichtigt. Hier lernen die Auszubildenden modernste Technologien kennen und werden an modernen Schulungsständen unterwiesen.

DHB: Wie erfolgt die Terminfindung?
Burg: Ausbildungsbetriebe und Auszubildende sollen die ÜLU ja als Bereicherung empfinden. Deshalb versuchen wir, bei der Terminplanung so weit wie möglich Rücksicht auf betriebliche Abläufe zu nehmen. So tauschen wir uns mit den regionalen Fachinnungen, den Kreishandwerkerschaften und den Berufsschulen aus. Wir haben aber natürlich nicht auf alle äußeren Umstände Einfluss. Deshalb kann die ÜLU nie zur hundertprozentigen Zufriedenheit aller Beteiligten organisiert werden. Aber wir arbeiten daran – jeden Tag! Wenn ein Lehrgang einmal ungünstig fällt und es ausnahmsweise gar nicht gehen sollte, sprechen Sie uns einfach direkt an. Wir finden eine Lösung!

Kontakt:

Stefan Burg
Tel. 0651/207-135
sburg@hwk-trier.de

Text: / handwerksblatt.de

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