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Soziale Verantwortung: Ausbilden, auch wenn´s Mühe macht

Er hatte es selbst nicht leicht. Deshalb nimmt der Düsseldorfer Fleischermeister Frank Richartz am gemeinsamen Projekt von Justiz, Handwerk und Sepp-Herberger-Stiftung „Anstoß für ein neues Leben“ teil. Sepp Herbergers Anliegen „Wer oben ist, muss an die denken, die unten sind“ kann der Metzgermeister aus seiner eigenen Lebensgeschichte heraus unterschreiben.

Handwerk

„Manchmal denke ich, das halte ich nicht aus“, sagt Frank Richartz und zieht an seiner Zigarette. Das macht er wahrscheinlich auch, wenn er sich mal wieder über einen vom Arbeitsamt geschickten Lehrstellenbewerber ärgert, der aber „gar keinen Bock“ auf eine Metzgerlehre hat. Dabei vermittelt der Fleischermeister den Eindruck, als ob ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann. Denn dafür hat er selbst schon zu viel aushalten müssen.

Das Fleischerhandwerk hat in seiner Familie Tradition. Der Großvater hatte eine Fleischerei in der Eifel, der Vater bewirtschaftet erfolgreich die Fleischtheke eines Supermarktes in Ratingen. In dieses gut gehende Geschäft soll der Sohn nach der Meisterprüfung einsteigen. Aber der damals 24-Jährige hat andere Pläne. Dort, wo der Großvater 1948 seine Existenz gründete, will der Enkel die Tradition weiterführen. Das Ladengeschäft ist seit einiger Zeit geschlossen, weil schon ein anderer Metzger dort Pleite gemacht hat. „Das konnte nicht gut gehen“ weiß Richartz heute.

Eine Chance geben


Hoch verschuldet kommt er nach Düsseldorf, fängt wieder ganz von vorne an – und ist erfolgreich. Heute beschäftigt der 40-Jährige sechs Verkäuferinnen und hat zwei Auszubildende. Neben seinem Geschäft im Stadtteil Derendorf betreibt er eine Kantine und hat sich auch als Caterer einen Namen gemacht.

Für ihn ist es selbstverständlich, auszubilden und Praktikumsplätze anzubieten: „Wenn sie gewillt sind, muss man ihnen eine Chance geben. Sonst liegen sie der Gesellschaft ihr Leben lang auf der Tasche.“ Im Moment ist ein Dauerpraktikant Richartz’ Sorgenkind. Der junge Mann hat keinen Schulabschluss und die Schule nur unregelmäßig besucht. „Er ist willig, aber er braucht vielleicht noch Zeit“, zeigt sich der Chef geduldig.

Ausbildung zum Fleischerei-Fachverkäufer


Aus einem öffentlichen Förderprogramm erhält der 17-Jährige ein Taschengeld unter der Bedingung, dass er parallel an einer schulischen Qualifizierungsmaßnahme teilnimmt. „Ihm fehlen schon die Grundrechenarten“, bedauert Richartz und betont, dass er so einen Problemfall zusätzlich nicht gebrauchen kann. Aber ein pfiffiges Mädchen, das während der Haftzeit einen Schulabschluss geschafft hat, würde er gerne zur Fleischerei-Fachverkäuferin ausbilden. Jetzt wartet er darauf, dass „die Richtige“ aus der JVA Köln entlassen wird.

Wer wie Frank Richartz jugendlichen Haftentlassenen einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz anbieten kann, wendet sich an die DHB-Redaktion, Telefon: (0211) 39 09 856, E-Mail: basdorf@handwerksblatt.de.

Alles über das Projekt "Anstoß für ein neues Leben"


Frühere Berichte über das Projekt:

Jugendliche Straftäter brauchen Berufsperspektiven
Anstoß für ein neues Leben
Projekt: Handwerk trifft Politik und Fußball in JVA Iserlohn
Sepp Herbergers großes Anliegen
Fußballprojekt: Anstoß für ein neues Leben

Fotogalerie:

Im vergangenen Juni fand in der JVA Iserlohn ein besonderes Fußballturnier statt. Rund 80 Jugendliche aus den nordrhein-westfälischen Haftanstalten nahmen an dem Projekt "Anstoß für ein neues Leben" der Sepp-Herberger-Stiftung teil. Hier sind 78 Bilder vom Turnier:
Anstoß für ein neues Leben - Das Turnier


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