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Projekt: Mehr Mädchen ins Handwerk!

Die Frauen vom Handwerkerinnenhaus in Köln wollen den weiblichen Nachwuchs öfter in „typisch männliche“ Berufe locken. Dafür setzen sie sich seit mehr als 20 Jahren ein. Jetzt haben sie mehr Raum für ihre Arbeit bekommen.

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Foto: Monika Nonnenmacher


Betriebe sind vermehrt bereit, Mädchen auszubilden, weil sie deren Fähigkeiten zu schätzen gelernt haben“, erklärt Christiane Lehmann vom Handwerkerinnenhaus. „Mädchen sind freundlicher und verbindlicher im Umgang mit Kunden und räumen ihren Arbeitsplatz besser auf“, zählt sie weitere Vorteile auf. So spielen Mädchen und Frauen denn auch eine immer größere Rolle im deutschen Handwerk.

Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist der Anteil von Frauen bei den Meisterprüfungen seit 1991 von elf Prozent auf über 20 Prozent gestiegen, 27 Prozent der Schulabgänger, die eine Handwerkslehre beginnen, sind weiblich. In den gewerblich-technischen Handwerksberufen herrscht jedoch weiterhin ein deutlicher Männerüberschuss. Dem versuchen die Frauen vom Handwerkerinnenhaus entgegenzuwirken, indem sie Frauen und Mädchen die Möglichkeit bieten, „typisch männliche“ Handwerksberufe praxisnah kennenzulernen – und das mit wachsendem Zulauf.

„Allein für das Projekt ,Holly Wood’ haben wir im Jahr 1.500 Mädchen hier“, so Christiane Lehmann. Die Konsequenz: „Wir brauchten dringend mehr Platz.“ Aus diesem Grund wurde 2010 angebaut: Auf den zusätzlichen 150 Quadratmetern befinden sich ein Unterrichtsraum, ein Büro, zwei Sanitärräume und ein Beratungsraum. Für die nahe Zukunft ist noch ein Aufenthaltsraum für die Mädchen geplant, um Wartezeiten überbrücken zu können.

HandwerkAller guten Dinge sind drei

Drei große Projektbereiche bietet das Handwerkerinnenhaus. Da ist zum einen „Holly Wood – Berufsorientierung für Mädchen“: In Kooperationen mit Schulen können Schülerinnen ab der 5. Klasse in Schnupperkursen oder an Projekttagen einen Einblick in verschiedene Handwerksberufe gewinnen. Bei Interesse können sie weitere Kurse zur vertieften Berufsorientierung oder Fortgeschrittenenkurse belegen.

Wer bei einer Projektwoche mitmacht, kann sich bei der Renovierung eines Raumes an der eigenen Schule als Malerin oder Tischlerin ausprobieren. „Eine Gruppe hat einen Disko-Raum renoviert. Sie haben Rigipsplatten verklebt, bespachtelt und verschliffen. Und sogar eine Getränketheke selbst gebaut“, erzählt Christiane Lehmann.

In solchen Projekten lernten die Schülerinnen den Arbeitsalltag von der Planung bis zur Umsetzung wirklich kennen. In einer weiteren fortlaufenden Kursreihe mit Schülerinnen von Förderschulen geht es darum, dass die Mädchen sich Schlüsselqualifikationen für eine spätere Ausbildung aneignen. Für das Ferienkursprogramm kann sich jedes Mädchen ab zehn Jahren anmelden, um einen Tiffanyspiegel zu löten oder ein Kunstwerk aus Schrott zu schweißen. Neben all der Praxis gibt es Berufsinformationsveranstaltungen, in denen Gesellinnen oder weibliche Azubis ihren Arbeitsalltag schildern.

Handwerkskammer unterstützt

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Foto: Monika Nonnenmacher
Auch Beratung und die Vermittlung von Praktika und Ausbildungsplätzen bieten die elf Mitarbeiterinnen des Handwerkerinnenhauses an. Dazu pflegen sie Kontakt mit Betrieben, der Handwerkskammer und den Innungen. Dr. Markus Eickhoff, Abteilungsleiter Bildungspolitik in der Handwerkskammer zu Köln: „Wir unterstützen den Vereinunter anderem bei Ausbildungsvermittlungen und -beratung.“ Zuletzt habe man bei einer Ausbildungsbörse für Eltern und Jugendliche mit Migrationshintergrund kooperiert.

„Die Mitarbeiterinnen vom Handwerkerinnenhaus bieten Mädchen einen guten Einblick darin, was es heute bedeutet, Tischlerin oder Elektronikerin zu sein. Sie eröffnen Zugänge, damit die Quote an Frauen und Mädchen im Handwerk weiter steigt.“ Dieses Ziel verfolge die Handwerkskammer auch beim alljährlichen Girls Day. „Es ist wichtig, jungen Menschen bei der Vielzahl von Lehrberufen heute eine Orientierung zu bieten“, betont Dr. Eickhoff.

Um Orientierung geht es auch im „Mädchenprojekt Zukunft“ vom Handwerkerinnenhaus in Köln: Schulmüde oder schulverweigernde Mädchen sollen in  werkpädagogischen Kursen oder in einer Mischung aus Unterricht und Werkstattarbeit auf diese Weise wieder Spaß am Lernen finden und dabei gleich berufliche Perspektiven entwickeln. Seit 1991 veranstalten die „Handwerkerinnen“ zudem Kurse für Frauen. Geführt werden sie natürlich ausschließlich von echten Fachfrauen.

Von Melanie Dorda

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