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Multi-Kulti im Betrieb

Nicht erst seit der Öffnung des Arbeitmarktes nach Osteuropa ist die Integration von Ausländern für viele Unternehmen im Handwerk ein Thema. Was der Chef beachten muss.

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Werner S., Inhaber eines Gebäudereinigerbetriebs, hat viele Mitarbeiter aus der Türkei. Mehrere sprechen wenig oder fast kein Deutsch, was die Zusammenarbeit nicht leicht macht. Immer wieder kommt es auch zu Konflikten mit einem deutschen Kollegen, der im Umgang zu wenig Toleranz zeigt.

Da S. seine ausländischen Mitarbeiter schätzt, will er ihnen und sich den Betriebsalltag erleichtern. Und er möchte wissen, welche Vorschriften dabei eine Rolle spielen.01_Bannerwerbung_Lexikon_V1.1

Für jeden Unternehmer sollte es selbstverständlich sein, seine deutschen und ausländischen Mitarbeiter gleich zu behandeln. „Gesetzlich verpflichtet ist er dazu durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz", erklärt Matthias Herold, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln: Dieses schreibt vor, dass kein Beschäftigter wegen seiner Rasse, ethnischen Herkunft oder Religion benachteiligt werden darf.

Gleichbehandlung ist Pflicht

Das Gesetz verlangt vom Arbeitgeber außerdem, dass er jede Form von Fremdenfeindlichkeit im Betrieb unter seinen Angestellten unterbindet.

Werner S. sollte also seinen deutschen Mitarbeiter, der sich ausländerfeindlich gezeigt hat, entsprechend ermahnen. Ändert dieser sein Verhalten nicht, kommen Abmahnung, Versetzung und gegebenenfalls auch Kündigung des Störenfrieds in Betracht.

Wie sensibel dieses Thema für die Unternehmer ist, zeigt ein Urteil, mit dem das Arbeitsgericht Hannover für Aufsehen sorgte: Ein Bauunternehmer hatte einen Mitarbeiter gefeuert, weil dieser seine türkischen Kollegen immer wieder „Ölaugen" genannt hatte.

Das Gericht erklärte die Kündigung aber für unwirksam. Weil der Begriff „nicht allzu bekannt" sei und damit „keine grobe Beleidigung" darstelle. Das Urteil wurde in der Öffentlichkeit wiederholt angegriffen. Der Fall geht jetzt in die nächste Instanz.
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„Diese Entscheidung beruht auf einem Einzelfall und stellt nicht die Regel in der Arbeits-Rechtsprechung dar", relativiert Rechtsanwalt Herold.

Förderung ist erlaubt

Umgekehrt ist es nach dem Gleichbehandlungsgesetz aber durchaus erlaubt, die dort genannten Gruppen von Mitarbeitern zu fördern. Werner S. könnte ihnen beispielsweise die Kosten für Sprachkurse oder Schulungen zu Sozial-, Arbeits- und Ausländerrecht bezahlen oder einen Dolmetscher zur Übersetzung wichtiger Informationen hinzuziehen.

Er kann sogar verlangen, dass ein Mitarbeiter einen Deutschkurs belegt. Vorausgesetzt, dass eine neue Aufgabe bessere Sprachkenntnisse erfordert. Das ist keine Diskriminierung, stellt ein aktuelles Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) klar.

„Wie jeder Chef sollte er aber darauf achten, dass die Förderung der ausländischen Mitarbeiter keinen Unmut bei den deutschen Kollegen weckt. Hier sind Augenmaß und Ausgewogenheit gefragt", rät Herold.

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