Deutsche Sprache, schwere Sprache

Mündliche Verständigung ist oft nur das kleinere Problem, wenn Mitarbeiter unterschiedlichster Herkunft zusammenarbeiten. Für den Betriebsalltag kann sie aber entscheidend sein. Worauf Unternehmer mit ausländischen Arbeitnehmern achten müssen.

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Foto: inlingua

Missverständnisse gibt es auch so schon genug. Umso wichtiger ist es, vorzusorgen, dass sprachliche Hürden die Zusammenarbeit nicht noch zusätzlich belasten. Dazu erklärt Matthias Herold, Fachanwalt für Arbeitsrecht: „Hilfreich ist beispielsweise die Übersetzung der wichtigsten Betriebs-Anweisungen." Denn schon im eigenen Interesse sollte der Chef dafür sorgen, dass seine Mitarbeiter ihn auch verstehen.

„Rechtlich ist niemand verpflichtet, zur Kommunikation mit seinen ausländischen Mitarbeitern einen Dolmetscher hinzuzuziehen", so der Experte. Allerdings ist es für einen geregelten Arbeitsablauf wichtig, dass keine sprachlichen Irrtümer aufkommen. Grundsätzlich aber dürfen Unternehmer die deutsche Sprache benutzen: für den Arbeitsvertrag, bei einer allgemeinen Arbeitsanweisung und auch für eine Abmahnung.

Abmahnung und Kündigung

„Bei einer Abmahnung ist es aber erforderlich, dass der Mitarbeiter Kenntnis vom Inhalt erlangt, da sie nur dann ihre Hinweis- und Warnfunktion erfüllen kann", weiß Herold.
Allein dadurch, dass der Mitarbeiter die Abmahnung entgegennimmt, wird sie daher nicht wirksam. Die Arbeitsgerichte verlangen deshalb, dass ihm eine angemessene Zeit zur Einholung einer Übersetzung eingeräumt wird, bevor man von einem Zugang der Abmahnung ausgehen kann.

„Damit der Mitarbeiter nicht sagen kann, er habe nicht gewusst, dass es sich um eine Abmahnung handelt, sollte man ein Begleitschreiben in seiner Heimatsprache beilegen", empfiehlt Herold. Darin sollte auf die Bedeutung der Abmahnung und die Notwendigkeit einer Übersetzung hingewiesen werden. Das ist noch immer billiger als spätere Probleme im Prozess vor dem Arbeitsgericht.

Eine Kündigung in deutscher Sprache ist nach Ansicht der Gerichte wirksam. Erkennt der Arbeitnehmer, dass er Post von seinem Chef erhalten hat, muss er sich unverzüglich um die Übersetzung kümmern. Nur wenn er hierzu eine falsche Auskunft erhält, kann er beantragen, dass seine Kündigungsschutzklage auch noch nach Ablauf der Klagefrist (3 Wochen) zugelassen wird.

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