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Ausbildungsmarkt zeigt sich stabil

Das Angebot an Lehrstellen ist leicht gestiegen. Die Nachfrage geht weiter zurück. Für die Jugendlichen hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt verbessert, für die Betriebe aber nicht.

Ein stabiles Ausbildungsangebot, eine leicht sinkende Nachfrage, erneut mehr unbesetzte Ausbildungsstellen und eine leicht gesunkene Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge – so fasst das Bundesinstitut für Berufsbildung die Entwicklung am Ausbildungsmarkt 2016 zusammen; Foto: © mrkornflakes/123rf.com

Mitte Dezember hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) seinen Bericht vorgelegt, wie sich der Ausbildungsmarkt bis zum Stichtag 30. September 2016 entwickelt hat. Insgesamt wurden 563.800 betriebliche und außerbetriebliche Lehrstellen angeboten. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 60 Plätzen. Dem steht eine rückläufige Nachfrage gegenüber. 600.900 junge Menschen haben sich um eine Lehrstelle beworben – 2.300 weniger als 2015. Das Fazit des BIBB: "Da das Ausbildungsangebot bundesweit stabil blieb, die Nachfrage aber leicht zurückging, verbesserte sich die Ausbildungsmarktlage aus Sicht der Jugendlichen."

insgesamt                     Veränderung zu 2015 nominell Veränderung zu 2015 prozentual
angebotene Ausbildungsstellen 563.800 +60 +/-0 Prozent
- betriebliche 546.300 +1.400 +0,3 Prozent
- außerbetriebliche 17.500 -1.300 -7,0 Prozent
nachgefragte Ausbildungsstellen      
600.900 -2.300 -0,4 Prozent

 

                      
                               
                              

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist zum fünften Mal in Folge zurückgegangen. In diesem Jahr verringerte sie sich um 1.800 auf insgesamt 520.300. Das Minus geht vor allem darauf zurück, dass weniger außerbetriebliche Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden sind.

Zur Stabilisierung der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hat für Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) auch das gestiegene Interesse von Abiturientinnen und Abiturienten beigetragen. Im Jahr 2015 hätten die Betriebe erstmals mehr Ausbildungsverträge mit Studienberechtigten (142.200) abgeschlossen als mit Hauptschulabsolventen (137.000). Der kontinuierlich wachsende Anteil der Studienberechtigten belege die hohe Attraktivität der dualen Berufsausbildung und die mit ihr verbundenen beruflichen Perspektiven.

insgesamt                     Veränderung zu 2015 nominell Veränderung zu 2015 prozentual
neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 520.300 -1.800 -0,4 Prozent
- betriebliche 502.800 -500 -0,1 Prozent
- außerbetriebliche 17.600 -1.300 -7,0 Prozent

 

               
                                                           

Erneut konnten viele Ausbildungsstellen nicht besetzt werden. Ihre Zahl nahm um 1.900 auf insgesamt 43.500 zu. "Damit fiel die Zahl der noch freien Ausbildungsstellen das siebte Jahr in Folge höher aus als im vorangegangenen Jahr", so das Bundesbildungsministerium (BMBF). Für die Ausbildungsbetriebe werde es zunehmend schwieriger, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Dies betreffe besonders kleine und mittlere Unternehmen. "Deshalb wird das Bundesbildungsministerium diese Unternehmen mit dem Programm Jobstarter plus verstärkt bei der Bewerbung und Besetzung ihres Ausbildungsangebots unterstützen."

Angebot und Nachfrage zusammenzubringen, wird immer problematischer. "Regionen mit vielen unbesetzten Ausbildungsstellen stehen Regionen gegenüber, in denen es Jugendliche besonders schwer haben, einen Ausbildungsplatz zu finden", erklärt das Bundesbildungsministerium (BMBF) die Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt.

insgesamt                    Veränderung zu 2015 nominell Veränderung zu 2015 prozentual
unbesetzte Ausbildungsstellen                  43.500 +1.900 +4,5 Prozent
unversorgte Bewerber 20.600 -200 -1,1 Prozent
versorgt, aber weiter suchend 60.100 -200 -0,3 Prozent

 

                          
                                                       

Mit Sorge beobachtet das BIBB die Entwicklung, dass immer weniger junge Frauen sich für eine duale Ausbildung entscheiden. 2016 wurden 3.500 Lehrverträge weniger neu abgeschlossen als im Vorjahr. Insgesamt sinkt die Zahl der Interessierten. "Lag sie 2009 noch bei 381.800, fiel sie im Jahr 2016 mit 322.800 um insgesamt 59.000 beziehungsweise 15,5 Prozent niedriger aus", erklärt das BIBB.

Dagegen sei das Interesse bei den jungen Männern nahezu unverändert geblieben: Den 484.700 registrierten männlichen Ausbildungsinteressenten aus dem Jahr 2009 stünden 480.800 im Jahr 2016 gegenüber (-3.900 beziehungsweise -0,8 Prozent).

insgesamt                    Veränderung zu 2015 nominell Veränderung zu 2015 prozentual
neu abgeschlossene Ausbildungsverträge  520.300 -1.800 -0,4 Prozent
- junge Frauen 204.100 -3.500 -1,7 Prozent
- junge Männer 316.200 +1.700 +0,5 Prozent

 


                                                            

Das insgesamt niedrigere Interesse junger Frauen an einer dualen Berufsausbildung ist nach Ansicht der BIBB-Forscherinnen und -Forscher unter anderem darauf zurückzuführen, dass viele junge Frauen eine Studienberechtigung erreichen und dann auch studieren beziehungsweise sich für andere vollqualifizierende Ausbildungsgänge entscheiden – zum Beispiel im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen.

Die BIBB-Erhebung über die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge wird jährlich in Zusammenarbeit mit den für die Berufsbildung zuständigen Stellen durchgeführt, erklärt das BMBF. Dabei werden die Ausbildungsverträge berücksichtigt, die in der Zeit vom 1. Oktober des Vorjahres bis zum 30. September des Erhebungsjahres neu abgeschlossen wurden.

Mit Blick auf die Sicherung des Fachkräftenachwuchses und des sinkenden Ausbildungsinteresses junger Frauen betont BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser: "Wir benötigen dringend eine Trendumkehr. Dies gelingt, wenn wir es schaffen, das Interesse von Studienberechtigten an einer dualen Berufsausbildung weiter zu steigern und zugleich noch mehr Frauen für gewerblich-technische Berufe zu interessieren." Inzwischen fänden zwar schon deutlich mehr Studienberechtigte den Weg in eine duale Berufsausbildung, doch sei ihr Anteil an den neuen Ausbildungsverträgen immer noch steigerungsfähig.

Ähnliches gelte für die Bemühungen, mehr junge Frauen für bislang typische Männerberufe zu interessieren. "Auch hier zeichnen sich erste Erfolge für einzelne Berufe ab, mit denen wir uns aber keineswegs zufrieden geben dürfen. Die duale Berufsausbildung, die traditionell nicht nur im Dienstleistungssektor, sondern auch in Handwerk und Industrie verankert ist, muss Motor sein für eine moderne Berufsorientierung, in der traditionelle Geschlechterklischees keine Bedeutung mehr haben."

Text: Bernd Lorenz, Foto: © mrkornflakes/123rf.com

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