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Bereit für den Titel bei den EuroSkills in Göteborg

Schon seit Wochen bereitet sich Stuckateur David Reingen akribisch auf die EuroSkills 2016 in Schweden vor. Sein Ziel ist es, mit einer Medaille nach Hause zurück zu kommen – wenn möglich mit der goldenen.

Stuckateurmeister David ­Reingen bereitet sich akribisch auf die EuroSkills in Göteborg vor, verliert dabei aber nicht die gute Laune; Foto: Uwe Schaffmeister

Die Vorbereitungen für die EuroSkills laufen auf vollen Touren. Arnsberg, Düsseldorf, Nürnberg, Leonberg – bis Ende November trainiert ­David Reingen fast jede Woche in einem anderen Ausbildungszentrum. "Danach geht’s auch schon nach Göteborg", erklärt der junge Stuckateurmeister, der bei der Berufseuropameisterschaft in der Kategorie Plasterer/Dry Wall antreten wird.

Bis dahin muss die nötige Wettkampfhärte her. Alle Teilnehmer wissen, wie das Werkstück aussehen wird. Die Pläne liegen ihnen vor. In Göteborg können die Maße von der Jury aber noch um bis zu 30 Prozent verändert werden. David Reingen hat das Testprojekt vor einigen Wochen mit seinem Kollegen aus der Stuckateur-Nationa­lmannschaft, Maik Bielefeld, aufgebaut. "Zu zweit haben wir eine Woche dafür gebraucht."

Das Nationalteam der Stuckateure auf FacebookDie wird für die Titelverteidigung nicht reichen. Das Zeitkorsett in Göteborg ist sportlich: zehn Stunden für die Konstruktion aus Ständern und Beplankung, vier Stunden fürs Spachteln – außen vollflächig, innen Fugen und Schrauben –, zwei Stunden für das sogenannte Freestyleelement, zwei Stunden fürs Stuckziehen. Nach 18 Stunden muss das Werkstück in der Halle der Svenska Mässa stehen – lot-und fluchtgerecht, möglichst maßgenau, erlaubte Toleranz: zwei Millimeter. "Mein Anspruch ist 0,0 Millimeter", hat sich der gebürtige Düsseldorfer vorgenommen.

Tatkräftige Unterstützung von allen Seiten

Genauigkeit rechnet David Reingen zu seinen Stärken. An der Schnelligkeit wird der 22-Jährige noch arbeiten. "An den drei Wettkampftagen muss ich das Werkstück aus dem Effeff aufbauen können." Im Vorfeld bekommt er Hilfe von vielen Seiten. Nationalmannschaftstrainer Jochen Drescher unterstützt ihn bei allen Trainingscamps. In Arnsberg kann David Reingen auf Oliver Hartmann bauen. Von ihm hat er auch Anregungen für das Freestyleelement bekommen. Josef Gruber, Dieter Stempel und Teamchef Frank Schweizer stehen ihm in Nürnberg, Düsseldorf und Leonberg zur Seite. Hinzu kommen die Medaillengewinner der Vorjahre. "Andreas Schenk, Lukas Prell, Mark Armbrüster und Valmir Dobruna geben mir super Tipps und helfen mir dabei, die Arbeitsabläufe zu verbessern", bedankt sich der Stuckateurmeister.

Bei den EuroSkills werden vom 1. bis ­ 4. Dezember in Göteborg die Sieger in 35 Wettbewerben gesucht. Darüber hinaus gibt es neun Demonstrations-Skills. Aus Deutschland gehen 22 junge Fachkräfte auf die Jagd nach Medaillen. Elf davon kommen aus dem Handwerk. Die ­Berufseuropameisterschaft findet alle zwei Jahre – im Wechsel mit den WorldSkills – statt. Bei den EuroSkills 2014 in Lille war die deutsche Mannschaft sehr erfolgreich. Sie hat fünf Gold-, vier Silber- und zwei ­Bronze­medaillen sowie zwei "Medallion for ­Excellence" errungen. Neben handwerklichen Fähigkeiten wird auch Kaltblütigkeit gefragt sein. "Ich kann mich gut konzentrieren und äußere Einflüsse ausblenden. Wenn ich arbeite, bin ich im Tunnel." Seitenblicke auf die Konkurrenz wird er sich während des Wettbewerbs verkneifen. "Wenn ich sehe, was die anderen machen, beunruhigt mich das nur." Auch in Krisensituationen gelassen zu reagieren, wird ihm Mentaltrainer Christoph Paul zeigen, den die Nationalmannschaft der Stuckateure für das Teambuilding und für die Vorbereitung auf große Wettkämpfe hinzuzieht. "Er hat super Tricks auf Lager und hilft mir dabei, die Ruhe zu bewahren und mit dem Druck umzugehen."

Die Latte liegt hoch für David Reingen. Seine Vorgänger sind mit Silber von den WorldSkills und mit Gold von den EuroSkills nach Hause gekommen. "Natürlich möchte ich auch eine Medaille holen", hat er sich vorgenommen. Und welche Farbe soll sie haben? David Reingen überlegt kurz. Dann lächelt er verschmitzt. "Bleibt ja nur eine: Gold."

Text: Bernd Lorenz / Foto: Uwe Schaffmeister

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