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Acht Podiumsplätze bei den EuroSkills in Göteborg

Das deutsche EuroSkills-Team ist mit dreimal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze sowie acht Exzellenzauszeichnungen zurückgekehrt. Hinzu kommt ein weiterer EM-Titel in einer Präsentationsdisziplin.

Schwarz-rot-goldener Jubel: Das deutsche Team hat bei den EuroSkills 2016 in Göteborg (Schweden) insgesamt acht Medaillen gewonnen; Foto: WorldSkills Germany / Marcus Mötz

HandwerkFliesenleger Tim Welberg ist Europameister. In einem 18-stündigen Wettbewerb hat er sich bei den EuroSkills in Göteborg (Schweden) gegen dreizehn Berufskollegen aus anderen europäischen Ländern durchgesetzt, so der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Der 21-jährige Fliesenlegermeister aus Ahaus (Nordrhein-Westfalen) war nach seinem Erfolg überwältigt. "Das war großartig. Ich wusste, dass ich ein gutes Werkstück abgeliefert hatte, aber die anderen waren auch gut. Umso mehr freue ich mich über den Titel." Auf den Wettkampf vorbereitet wurde er von Fliesenlegermeister Günther Kropf, der als deutscher Experte der Fliesenleger mit seinen Schützlingen schon eine Vielzahl von Medaillen erreicht hat.

Die Fliesenleger mussten in achtzehn Zeitstunden an den drei Wettbewerbstagen zwei Wandflächen mauern und mit Fliesen belegen. Eine Seite enthielt eine 3-D-Vormauerung. Mit den Fliesen mussten zwei schwedische Gebäudemotive mit Spitzbögen hergestellt werden. Dazu mussten die Teilnehmer viele Rund-, Schräg- und Diagonalschnitte ausführen. Zum Abschluss war eine Bodenfläche herzustellen und mit Fliesen zu belegen. Abgebildet wurden die Endziffern der Jahreszahl.

HandwerkMit Julian Lüdke waren sieben Kandidaten in der Disziplin Heavy Truck Maintenance angetreten, so der Zentralverband des Deutschen Kfz-Gewerbes. Die Aufgabenkomplexe aus den Bereichen Motormechanik, Elektrik oder Hydraulik löste der 22-Jährige aus Emmendingen in Baden-Württemberg mit Bravour und holte den Europameistertitel. Als Punktbester des deutschen Teams – er sammelte 553 von 600 möglichen Punkten – wurde er zusätzlich als "Best of Nation" ausgezeichnet. Gold im Wettbewerb Mobile Robotik holten die beiden Mechatroniker Christoph Berling und Steffen Ellerbrake aus Osnabrück (Niedersachsen). In der noch jungen Präsentationsdisziplin Aquatronics gewannen die Abwassertechniker Gianluca Cardia und Maik Edel aus Stuttgart (Baden-Württemberg) den EM-Titel.

Deutschland würdig vertreten

HandwerkDavid Reingen aus Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) landete bei den EuroSkills in der Disziplin Plastering and Dry Wall Systems auf dem zweiten Platz. Schon vor dem Wettbewerb hatte sich der Rheinländer einen Platz auf dem Treppchen zum Ziel gesetzt, umso mehr freute sich der 23-Jährige über seinen Erfolg. "Ich wollte Deutschland und mein Handwerk in Göteborg würdig vertreten. Das ist mir mit der Silbermedaille gelungen. Das ist super!", zitiert ihn der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Deutscher Experte bei den Stuckateuren war Stuckateurmeister Josef Gruber, Ausbildungsmeister für Stuckateure und Trockenbaumonteure bei der Handwerkskammer für Mittelfranken in Nürnberg. Für ihn war es der erste Wettbewerb als deutscher Experte.

Die Wettbewerbsteilnehmer der Stuckateure hatten eine Aufgabe, die aus vier Modulen bestand und in achtzehn Zeitstunden an drei Wettbewerbstagen herzustellen war. Für das erste Modul musste eine Trockenbaukonstruktion mit verschiedenen Öffnungen hergestellt werden. Modul zwei umfasste das Verspachteln der Trockenbaukonstruktion. Im dritten Modul (Stuck) mussten Stuckprofile hergestellt und präzise an verschiedenen Öffnungen versetzt werden. Bei Modul vier, dem "Free Style Modul", konnten die Teilnehmer ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Der deutsche Stuckateur David Reingen fertigte einen Flaggenmast aus einem selbstgezogenen Stuckprofil. Die schwedische Flagge stellte er aus Stuckteilen her, die dann entsprechend blau und gelb eingefärbt wurden.

Weitere Podiumsplätze für das Team Deutschland

HandwerkNeben Stuckateur David Reingen können sich auch Zerspanungsmechaniker Patrick Aiple aus Weilheim in Baden-Württemberg und der Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik Christian Hilpert aus Geiselwind (Bayern) künftig Vize-Europameister nennen. Den dritten Platz in der Disziplin Automobile Technology belegte Kfz-Mechatroniker Sebastian Knopf aus Rodalben (Rheinland-Pfalz). der mit 14 Konkurrenten anspruchsvolle Aufgaben zu Motormanagement, Bremssystem, Komfortsystem, Getriebe, Motormechanik und Lenkung zu lösen hatte. Ebenfalls Bronze gewann die examinierte Altenpflegerin Sophia Warneke aus Bremen.

Für ihre hervorragenden Leistungen haben zehn weitere Mitglieder des Teams Germany eine Medaillon for Excellence verliehen bekommen, so WorldSkills Germany. Dazu gehört auch Maurer Jannes Wulf aus Harsum (Niedersachsen). In einem – wie der ZDB mitteilt – "engen Teilnehmerfeld" erreichte der 20-Jährige einen "hervorragenden sechsten Platz". Jannes Wulf bedauert es, dass es nicht zu einer Medaille gereicht hat. Er sei im Vorfeld und auch während des Wettbewerbs aufgeregt gewesen. Dennoch: "Es war ein hammergeiles Gefühl, als der Wettbewerb abgepfiffen wurde. Wir haben hart und intensiv gearbeitet." Deutscher Experte und Chefexperte im Wettbewerb der Maurer war Kai-Uwe Holtschmidt, Leiter der Ausbildungsstätte der Bauinnung München.

HandwerkDie Maurer mussten in achtzehn Zeitstunden an den drei Wettbewerbstagen zwei Mauerwerksmodule mit schwedischen Motiven errichten. Dabei wurden verschiedene Klinkerformate und Klinkerfarben verwendet. Beim ersten Modul handelte es sich um die Göteborger Fischhalle "Feskekörka". Die Konstruktion war fast zwei Meter hoch und umfasste drei Spitzbögen, dazu musste vor dem Wettbewerb die Schalung gebaut werden. Beim zweiten Modul wurde das rotweißgestreifte Hochhaus "Skanskaskrapan" am Fluss Göta nachgebildet, hierbei gab es viele Vor- und Rücksprünge im Mauerwerk. Insgesamt waren rund 450 Steine zu versetzen, die zuvor von den Teilnehmern selbst geschnitten werden mussten. "Es kam wie immer auf Präzision und Maßgenauigkeit an. Die Teilnehmer erfuhren die genaue Aufgabe erst zum Beginn des Wettbewerbs", erklärt der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.

HandwerkJeweils eine Medallion for Excellence konnten Klempner Julian Emmert aus Grenzach-Wyhlen (Baden-Württemberg) sowie Lukas Bauer, Anlagenmmechaniker SHK aus Hardegsen (Niedersachsen), für ihre Leistungen bei den Europameisterschaften der Berufe in Göteborg erringen. Für das Siegertreppchen reichte es in der Punktewertung nach Angaben des Zentralverbands Sanitär, Heizung, Klima leider (ZVSHK) leider nicht: In der Disziplin Metal Roofing erkämpfte Julian den vierten Rang und Lukas kam bei Plumbing & Heating auf Platz fünf. "Unsere beiden SHK-Talente haben überdurchschnittliche Leistungen gezeigt", stellten die Bundestrainer Josef Bock und André Schnabel nach drei spannenden Wettkampftagen fest. "Die Konkurrenz war extrem stark und wie die Punktewertungen zeigen, liegen die Top-Talente nur knapp auseinander."

Hervorragende Bilanz für das Bauhandwerk

Drei Teilnehmer hat das Nationalteam des deutschen Baugewerbes nach Schweden geschickt. Zwei sind mit einer Medaille, einer mit einer Exzellenzauszeichnung nach Deutschland zurückgekehrt. Grund zur Freude für Hans Hartwig Loewenstein. "Das war phantastisch. Wir beglückwünschen unser Team zu diesem Erfolg. Die intensive Arbeit und das viele Training haben sich ausgezahlt", so der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes. Auch der Delegationsleiter des deutschen Bau-Teams ist voll des Lobes. "Der Erfolg unseres Nationalteams ist ein Abbild unserer qualifizierten Ausbildung", so Klaus-Dieter Fromm. Qualität komme von Qualifikation – dies habe man an den dreitägigen Wettbewerben einmal mehr gezeigt. "An der deutschen dualen Ausbildung sollten sich unsere europäischen Partner als Benchmark orientieren. Nicht umsonst hat Deutschland die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in ganz Europa."

Erneut Rang vier in der Nationenwertung

In der offiziellen Nationenwertung belegte das deutsche EuroSkills-Team mit 33 Punkten den vierten Platz. Die Plätze auf dem Treppchen sicherten sich Österreich mit 50, Finnland mit 45 und Frankreich mit 39 Punkten. Für eine Goldmedaille wurden vier, für Silber drei, für Bronze zwei Punkte vergeben. Eine Medaillon for Excellence zählt einen Punkt. In das Ranking flossen nicht die Resultate der Präsentationswettbewerbe mit ein. Bei den EuroSkills 2014 in Lille hatte das deutsche Team fünf Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen sowie zwei "Medallions for Excellence" geholt. Insgesamt belegte es damit den vierten Platz in der Nationenwertung.

Bei den EuroSkills Göteborg 2016 zeigten vom 1. bis 3. Dezember insgesamt 493 junge Talente aus 28 europäischen und sieben nicht-europäischen Ländern und Regionen in 35 offiziellen sowie fünf Präsentationsdisziplinen ihr Können. Das Team Germany war mit 24 Teilnehmern nach Göteborg gereist. Die jungen Fachkräfte traten in sechzehn Einzel- und drei Teamwettbewerben sowie einer Präsentationsdisziplin gegen ihre europäischen Berufskollegen an. Die deutsche EuroSkills-Delegation umfasste rund 50 Teilnehmer, Experten und Offizielle.

"Wenn man sich die durchschnittliche Punktzahl pro Teilnehmer anschaut, haben es unsere Champions sogar auf Platz 3 geschafft", zeigt sich Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Germany und Präsident von WorldSkills Europe beeindruckt. "Das zeigt, dass wir mit der Ausbildung in Deutschland wirklich Hervorragendes leisten." Mit der Gesamtleistung der Mannschaft ist Romer "absolut zufrieden". Man sei auf dem richtigen Weg. "Allerdings gibt es Nationen wie Russland, die in wenigen Jahren von Null bis ins vordere Mittelfeld vorgeprescht sind. Das bedeutet für uns zwar einen gewissen Druck, spornt aber auch an, immer weiter auf höchstem Niveau in die Ausbildung und das Training unserer jungen Fachkräfte zu investieren."

Die nächsten EuroSkills werden 2018 in Budapest (Ungarn) stattfinden. Vom 14. bis 19. Oktober 2017 treffen sich junge internationale Fachkräfte in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) zu den WorldSkills.

 

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