Gebäudezertifizierung: Aufwendig, aber möglich

Nachhaltigkeit ist das Schlagwort unserer Zeit. Bei Immobilien müssen dafür alle Bauprodukte strenge Umwelt- und Arbeitsschutzbedingungen erfüllen.
nachhaltiges Bauen
Handwerker auf der Baustelle verarbeiten Produkte von Teroson-Bautechnik – Nachhaltigkeit ist da selbstverständlich. (Foto: Henkel)

International etablierte Gebäudezertifizierungssysteme für den Rohbau gibt es inzwischen mehrere, im deutschsprachigen Raum ist das System der Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) führend. Je nach Nutzung unterscheidet die Gesellschaft über 20 Zertifizierungsprofile, eingeteilt in die drei Kategorien Bestandsgebäude, Neubauten und Quartiere. "Der Bund hat festgelegt, all seine Neubauten nach DGNB zu zertifizieren“, weiß Thomas Stotten, Leiter Technischer Service Deutschland beim Kleb- und Dichtstoffhersteller Henkel in Düsseldorf. "Das bedeutet, dass die wichtigsten Produkte von Teroson-Bautechnik – das sind Abdichtungssysteme für die Fenster- und Fassadenabdichtung – den strengen DGNB-Kriterien genügen müssen, wenn sie in einem Neubau des Bundes verbaut werden sollen.“

Bei Henkel gehört der Bereich Nachhaltigkeit seit Jahren zu den Unternehmenszielen. Bereits seit 1992 erstellt das Unternehmen jährlich Umweltberichte, heute Nachhaltigkeitsberichte. "Bis zum Jahr 2030 möchten wir den Wert unserer Geschäftstätigkeit im Verhältnis zum ökologischen Fußabdruck unserer Produkte und Dienstleistungen verdreifachen“, erklärt Stotten. Das bedeute, dass das Unternehmen bei gleicher Leistung die eingesetzten Rohstoffe auf ein Drittel im Vergleich zur Ausgangsbasis 2010 reduzieren will.

Wie nachhaltig ist ein Produkt?

HandwerkDie wichtigen Dokumente der Produkte zum Thema Nachhaltiges Bauen von Teroson-Bautechnik haben die Experten entsprechend in einem dicken Ordner zusammengefasst, gemäß den Vorgaben der vier verschiedenen Zertifizierungssysteme DGNB, LEED, Ökokauf Wien und baubook. Das System LEED wurde in den USA erstellt, Ökokauf und baubook kommen aus Österreich. "Auf diese vier legen wir einen Schwerpunkt“, begründet Stotten die Auswahl. "Anhand dieser Dokumentation können unsere Außendienstmitarbeiter Architekten und Planer bei der Auswahl unserer Bauprodukte beraten“, so Stotten.

Kriterien sind da etwa die umwelt- und gesundheitsschonenden Inhaltsstoffe, eine baustellennahe Fertigung – die DGNB etwa fordert, dass der Transportweg eines Produktes maximal 800 Kilometer bis zur Baustelle beträgt – oder eine Verträglichkeit mit angrenzenden Baustoffen. "Auch Handwerker wenden sich oft an uns, fragen nach der Nachhaltigkeit von Produkten und möchten in der Anwendung beraten werden“, hat Stotten erfahren. Denn die Experten auf den Baustellen müssen oft Zertifizierungsdokumente für die Produkte einreichen, die sie einsetzen. Stotten, der 17 Jahre lang als Tischlermeister tätig war und seit 2004 bei Henkel arbeitet, berät selbst per Telefon und E-Mail, aber auch vor Ort auf den Baustellen.

Produkte werden ständig weiterentwickelt

Um den sich ständig weiterentwickelnden Nachhaltigkeitsforderungen auch in Zukunft genügen zu können, unterhält Henkel in Düsseldorf eine große Forschungs- und Entwicklungsabteilung. 3.000 Mitarbeiter arbeiten ständig daran, die Produkte von Henkel weiterzuentwickeln, auch in Bezug auf Nachhaltigkeit. "Zuweilen ist das eine große Herausforderung“, weiß Stotten. So dürfen Produkte, die das gesundheitsschädliche MDI beinhalten, vom Gesetzgeber aus nicht mehr frei verkäuflich sein. Henkel hat daraufhin eine neuartige Schaumtechnologie entwickelt, die unterhalb der kritischen Grenze von einem Prozent MDI liegt und somit frei verkäuflich ist.“

Für den Gewerbe- und Wohnungsbau ist Henkel mit nachhaltigen Produkten gut aufgestellt. "Forschungsbedarf gibt es eher für Spezialanwendungen, wie Produkte mit einer höheren Schall- und Energieeinsparung, die den ständig steigenden Anforderungen der ENEV gerecht werden“, erzählt Stotten. "Ich bin überzeugt, dass unsere Experten auch solche Produkte entwickeln werden.“

Bald auch Zertifizierung nachhaltiger Produkte für den Innausbau?

Und wie wird sich die Welt der Zertifizierung entwickeln? "Wir erarbeiten derzeit mit einem Karlsruher Ingenieurbüro und weiteren Partnern einen Kriterienkatalog für die Zertifizierung nachhaltiger Produkte für den Innenausbau“, stellt Stotten in Aussicht. Denn dafür gibt es bisher noch keine Kriterien.

Text: Bettina Heimsoeth
Fotos: Henkel

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