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Kostet nicht die (Um-)Welt

Thomas Bosée baut Möbel nach baubiologischen Grundsätzen, verkauft Naturfarben und Massivholzbetten inklusive ergonomischen Bettsystems. Nachhaltigkeit ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Tischlerei Bosée
Seit 25 Jahren entwerfen und fertigen Thomas Bosée und Jutta Raithel Möbel nach Kundenwunsch und arbeiten dabei besonders umweltschonend. Foto: © Andreas Buck

Thomas Bosée fertigt Einbaumöbel und alle Arten von Einzelmöbeln an. Dazu verwendet er ausschließlich Stammware, keine Leimholzplatten, hobelt und leimt noch selbst. Wer den Essener Hinterhof betritt, in dem er sich mit Partnerin Jutta Raithel eine Werkstatt teilt, wird vom Duft nach echtem Holz empfangen. "Das kennen viele gar nicht mehr", sagt Bosée.


Er lädt seine Kunden ein, vorbeizukommen, wenn das Holz für ihre Möbel geliefert wird, und hat in Bilderserien jeden Schritt der Verarbeitung bis zum fertigen Möbelstück für sie festgehalten. Raithel und er zeigen den Kunden auch, wie sie ihr "gutes Stück" optimal pflegen, damit es schön bleibt. Dabei setzen sie auf Naturfarben und Öle. Und weil Kunden immer wieder nach den Produkten fragten, haben sie 1998 kurzerhand einen eigenen Naturfarbenhandel eröffnet, der sich mittlerweile zum größten in Essen gemausert hat. Inzwischen haben sie auch Kalkfarben und -putze in den Bestand aufgenommen.

Weniger allergische Reaktionen

Einen Bio-Boom können sie in ihrer Branche nicht feststellen. "Der Anteil von Naturfarben am Gesamtmarkt liegt bei zwei Prozent", erklärt Bosée. Das Paar betont seinen ökologischen Ansatz, reduziert sich aber nicht darauf, sondern will jeden ansprechen, der Wert auf Formgebung, Qualität und Individualität legt. Beide bezeichnen sich als naturverbunden, und Bosée betont, dass er schon in der Ausbildung gemerkt habe, wie gesundheitsschädigend Lacke und Farben sein könnten, und deshalb einen anderen Weg gehen wollte.


Raithel fügt hinzu, wie wichtig Möbel für das Raumklima seien. "Der Weg zu uns führt oft über gesundheitliche Probleme oder feuchte Wände und Schimmel", sagt sie. "Wir zeigen auch eine alternative Giftbekämpfung."

Umweltschonende Alternativen zeigen

BUCK Tischlerei Bosee 08 onlineWichtig sei ihnen überhaupt, Alternativen aufzuzeigen: statt weißen Glanzlacks oder Kunstharzes etwa das Naturprodukt Schellack, statt gefährdeter Tropenhölzer FSC-zertifizierte europäische Hölzer, statt herkömmlicher Farben und Lasuren Naturfarben und Öle. Nicht nur Kunden mit Allergien und Asthma seien dankbar dafür und kämen immer wieder. Im Preis spiegelt sich der umweltschonende Ansatz nicht wider, sagt Thomas Bosée. "Wir können mit konventionellen Tischlern und gehobenen Möbelhäusern konkurrieren."


Da er seine Arbeit gut organisiere, könne er so kalkulieren, dass es sich für den Kunden rechne. "Man muss rationell mit Material und Zeit umgehen." Dank jahrelanger Erfahrung könne er Arbeitsschritte optimal aufeinander abstimmen.

Formgebung steht im Vordergrund

Auch mit anderen Vorurteilen will er aufräumen: Vom Tischler gefertigte Möbel, noch dazu "ökologische", hätten oft den Beigeschmack, klobig und altbacken zu sein, doch er könne auch filigran bauen, sagt Bosée. Im Vordergrund stehe bei ihm immer die Formgebung, wenn er Möbel entwerfe oder baue. Was die Naturfarben betreffe, sei die Auswahl in den letzten Jahren viel größer geworden, meint er. Und nicht zuletzt seien auch Pflegeprodukte wie Öle heute viel anwenderfreundlicher als früher, fügt Jutta Raithel hinzu.

Über den Kundenwunsch, bei ihm ein komplettes ergonomisch ausgewogenes Bett mit Bettsystem zu bekommen, das zudem den ökologischen Ansprüchen gerecht wird, ist Thomas Bosée zu einem weiteren Standbein seines Geschäfts gekommen: Er vertreibt als Fachhändler das System des österreichischen Naturbettherstellers Sigl. Die metallfreien Massivholzbetten aus Zirbe stellt Bosée selbst her. Statt eines Lattenrostes sorgen individuell verstellbare Federkörper dafür, dass der Schläfer die Festigkeit individuell einstellen kann. "Das System stützt, wo Stütze gebraucht wird, etwa im Hüftbereich, und gibt nach, wo es nötig ist", erklärt Bosée. Er und Raithel schwören selbst darauf. Schließlich seien gerade sie mit ihrem körperlich herausfordernden Beruf anfällig für Rückenschmerzen. Neben der Ergonomie hat Bosée die Materialauswahl überzeugt: Die Federkörper sind PVC-frei, die Matratzen besitzen einen Kern aus Naturlatex. Auch das Zubehör ist aus Naturmaterialien, aber bei 60 Grad waschbar.

Betriebsphilosophie treu bleiben

Seit einigen Jahren gibt Bosée zudem noch Maschinenlehrgänge für Lehrer und Lehramtsanwärter in seiner Werkstatt. Als reine Möbeltischlerei würde sich der Betrieb nicht rechnen, sagt er. Doch mit der breiten Palette an Angeboten lohnt es sich. "Dadurch haben wir einen Weg gefunden, unserer Betriebsphilosophie treu zu bleiben." Und die kann Leben retten: Vormieter in der Werkstatt sei eine Bau- und Möbeltischlerei gewesen, gegründet 1955, erzählt Bosée. Die habe damals Nitrolack gespritzt – was dem Wellensittich auf dem Balkon einer Anwohnerin zum Verhängnis geworden sei. Seit sie eingezogen sind, hätten Haustiere nichts mehr zu befürchten, versichert das Paar augenzwinkernd. In diesem Jahr feiert Bosée 25-jähriges Firmenjubiläum.


Fotos: © Andreas Buck

Text: / handwerksblatt.de

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