BAFA Vor-Ort-Beratung jetzt auch vom Handwerker

Sanierung: Gebäudenergieberater im Handwerk dürfen ab Dezember erstmals Beratung und Sanierung aus einer Hand anbieten. 

Geänderte Richtlinien für die Energieberatung: Mehr qualifizierte Fachleute sollen Kunden einen förderfähigen Sanierungsfahrplan ausarbeiten. Foto: © ZVSHK

Für Handwerker, die auch Gebäudeenergieberater sind, eröffnen sich ab Dezember neue Potenziale im Kundenkontakt. Erstmals dürfen sie dann die Vor-Ort-Beratung zur energetischen Sanierung durchführen. Sie können also, wenn sie zum Kunden gerufen werden, um die Heizung, das Dach oder Fenster zu reparieren, die Gelegenheit nutzen und den Hauseigentümer auf den geförderten individuellen Sanierungsplan hinweisen.

Die Neuregelung ermöglicht damit die Beratung und Sanierung "aus einer Hand". Das kann dem weitestgehend unerschlossenen Sanierungsmarkt von rund 14 Millionen Ein- und Zweifamilienhäusern zugutekommen, schreibt der Zentralverband des SHK-Handwerks. 

Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist zufrieden. Er hatte die Öffnung der BAFA Vor-Ort-Beratung für Handwerker schon seit vielen Jahren gemeinsam mit den Fachverbänden gefordert. "Das war über viele Jahre ein Bohren dicker Bretter", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des ZVSHK Carsten Müller-Oehring. Meisterbetriebe mit entprechender Qualifikation könnten den Kunden jetzt eine noch umfassendere Beratung anbieten und diese auch vergütet bekommen. "Es hat sich Entscheidendes in der Politik bewegt", sagt Müller-Oehring.

Bislang durften ausschließlich Fachleute wie Architekten, Ingenieure und Handwerker ohne eigenen Betrieb auf die Zulassungsliste der BAFA und diese Vor-Ort-Beratung durchführen. Also Experten, die kein wirtschaftliches Eigeninteresse an der Umsetzung von Energieeffizienzinvestitionen hatten. 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat jetzt beschlossen, den Kreis der Berater zu erweitern und hat die "Richtlinie über die Förderung der Energieberatung vor Ort" entsprechend geändert. Die Änderungen betreffen die Programme "Energieberatung für Wohngebäude" (Vor-Ort-Beratung, individueller Sanierungsfahrplan)“ und "Energieberatung Mittelstand".

Hintergrund ist die niedrige Sanierungsquote im Gebäudebestand. 2017 wurden bis Ende September etwa 6.200 qualifizierte Energieberatungen im Förderprogramm "Energieberatung für Wohngebäude" durchgeführt. Die Sanierungsquote stagniert bei einem Prozent. Um die erwünschten Klimaziele zu erreichen, müsste sie laut Experten aber mindestens drei Prozent liegen. Enttäuschende Zahlen für das BMWi. Dabei hatte der Staat die Förderbeträge für eine Energieberatung für Wohngebäude bereits Ende 2014 deutlich erhöht.  

Kritik an der Neuregelung kommt von Verbänden wie dem Deutschen Energieberater Netzwerk. Ihrer Meinung nach gefährdet die Erweiterung des Beraterkreises die Qualität der Beratung. Der ZDH sieht das anders. Die hohe Qualität der Beratung stehe auch künftig außer Frage. Außerdem werde der Sanierungsfahrplan gewerkeübergreifend und computergestützt erstellt. Durch Stichproben werden die Leistungen kontrolliert. 

Gebäudeenergieberater: Angehende Gebäudeenergieberater (HWK) absolvieren einen Lehrgang, der mindestens 240 Stunden umfasst. Der Rahmenlehrplan ist bundesweit einheitlich und beinhaltet Themen wie Bauphysik und Baukonstruktion, Technische Anlagen, Energieeinsparverordnung und Modernisierungsplanung. Er schließt mit einer Prüfung vor dem Prüfungsausschuss einer Handwerkskammer ab.

Foto: © ZVSHK/Thomas Dietrich

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