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Wirtschaftsauskunfteien: Kosten und Leistung

Wirtschaftsauskunfteien helfen Unternehmen dabei, ihre Kunden und Geschäftspartner besser einzuschätzen. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren förmlich explodiert. Hier ein Marktüberblick.

Wirtschaftsauskunfteien: Was sie leisten und was es kostet
Was kosten die Infos der Wirtschaftsauskunfteien? Foto: © Andrey Popov/123RF.com


Fast jeder kennt sie: die so genannte "Bonitätsampel". Die Farben Grün, Geld oder Rot signalisieren auf einen Blick, ob es angebracht ist, mit jemandem Geschäfte zu machen oder nicht. Ein Score beziffert das Risiko nach dem Schulnotensystem. Darüber hinaus werden weitere Auswertungen und Analysen angeboten. Über Privatpersonen zum Beispiel Angaben über die berufliche Position, das Wohnumfeld, die Sozialstruktur einschließlich Kaufkraft-Index und etwaige Firmenbeteiligungen.

Firmenauskünfte beinhalten eine Vielzahl an Informationen, die für Einschätzung von Geschäftspartnern von Bedeutung sind –  zum Beispiel Bilanzen, Besitz- und Beteiligungsverhältnisse, Marktaktivitäten oder Ratings – teils in Auszügen, teils in allen Einzelheiten. Sie können, je nach Verwendungszweck, individuell konfiguriert werden.

Nachfrage ist in den letzten Jahren explodiert


Die Nachfrage ist in den letzten Jahren förmlich explodiert. Je tiefer die Zahlungsmoral mit der Konjunktur in den Keller rutschte, desto mehr Auskünfte über die finanzielle Lage von Privatpersonen und Firmen wurden bestellt. Bei den Vereinen der Creditreform, einem Zusammenschluss von 130 selbstständigen Auskunftsunternehmern, stieg die Zahl seit dem Jahr 2000 um 30 Prozent auf rund 15 Millionen.

Die Bürgel Wirtschaftsinformation (Euler Hermes/EOS-Gruppe) spricht von einer Umsatzentwicklung in den Jahren 2002 bis 2006 zwischen sieben und 20 Prozent. D&B, eine Franchise der weltweit agierenden D&B Corp. – eher bekannt unter ihrem früheren Namen Dun & Bradstreet – meldete allein für 2006 einen Umsatz und Gewinnanstieg von rund 8 beziehungsweise 30 Prozent.

"Platzhirsch" Creditreform offeriert zu etwa gleichen Teilen Personen- und Firmenauskünfte. Wichtigste Wettbewerber sind Bürgel und die D&B Deutschland GmbH. D&B ist bekannt als Spezialist für Informationen über Firmen sowie über Branchen- und Marktentwicklungen und verfügt über die mit 110 gespeicherten Firmen weltweit größte Unternehmensdatenbank.

Preise für Personenauskünfte stark gefallen


Eine Sonderstellung nimmt die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) ein. Sie versteht sich als Selbsthilfeorganisation von Unternehmen mit speziellen Kreditrisiken wie Banken, Online-Shops und Telekommunikationsfirmen und bedient nur feste Vertragspartner – zurzeit 4.500 – mit rund 70 Millionen Auskünften pro Jahr.

Die Preise für Personenauskünfte sind in den letzten Jahren stark gefallen. Je nach Abnahmemenge gibt es die Standardprodukte bereits für 99 Cent. Der Wettbewerb ist hart und wird durch Web-Portale verschärft. Vor allem Bürgel nutzt solche zweite Vertriebswege, um seine Daten zu vermarkten.


Steigendes Interesse an Infos über ausländische Firmen


Vollkommen anders ist die Situation bei Firmenauskünften. Wegen der individuellen Konfigurierbarkeit sind die Angebote nur schwer vergleichbar. Das Preisspektrum gängiger Berichte liegt zwischen sieben und 40 Euro. Von den Firmauskünften erhofft sich die Branche in Zukunft steigende Umsätze und Erträge. Vor allem Basel II soll das Geschäft weiter ankurbeln. Bei den Banken zum Beispiel besteht schon heute ein ständiger Überprüfungsbedarf. Sollte sich erst einmal der fortschrittliche Ratingansatz durchsetzen, wären alle möglichen Analysen über Geschäftsverläufe von Unternehmen oder Branchen gefragt.

"Die Zeit der reinen Schuldnerdatei ist ohnehin abgelaufen. Gefragt sind integrierte Softwarelösungen bis hin zur automatisierten Kreditentscheidung", beschreibt Ingrid Tunsch, Director Produkt-Management bei D&B, die Perspektive der Branche. Überproportional steige auch das Interesse an Informationen über Firmen und Märkte im Ausland – Stichwort "Globalisierung". Firmen, die sich in bestimmten Ländern beziehungsweise Regionen engagieren oder dort Geschäftsbeziehungen ausbauen wollen, können zum Beispiel mit Hilfe von Länderberichten ihre Chancen und Risiken ausloten.

Manfred Godek

Wirtschaftsinformation - die größten Anbieter

Vereine der Creditreform e. V.:   Zusammenschluss von 130 selbstständigen Unternehmern. Datenbank Deutschland: 3,6 Mio. Unternehmen, 20 Mio. Personen. Europa: 22 Mio. Unternehmen*

Bürgel: Franchise-Organisation mit zurzeit 60 Partnern. Gesellschafter sind die Euler Hermes Kreditversicherung (Allianz Group) und die EOS KG Holding (Otto Group). Datenbank Deutschland: 37 Mio. Personen, 3,6 Mio. Unternehmen. Europa: 30 Mio. Unternehmen.*

D&B Deutschland GmbH (früher Dun & Bradstreet):
Gehört als Franchise zum weltweiten D&B-Netzwerk, dem Weltmarktführer für Wirtschaftsinformationen und Firmenbewertungen. Datenbank Deutschland: 3,5 Mio. Unternehmen. Weltweit 110 Mio. Unternehmen.*

SAF Unternehmensverbund: Verbund der SAF Forderungsmanagement GmbH und der accumio finance services GmbH (Tochterunternehmen der SAF Forderungsmanagement GmbH). Datenbank Deutschland: 55 Mio. Personen, 3,6 Mio. Unternehmen.*

Schufa Holding AG: Aktionäre sind Handels und Dienstleistungsunternehmen (15,4 Prozent), Genossenschaftsbanken (7,4 Prozent), Privatbanken (19,6 Prozent), Spezialkreditinstitute (33 Prozent) und Sparkassen (24,6 Prozent) Datenbank Deutschland: 63 Millionen Personen.

* eigene Angaben









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