Die Besten aus einem Ausbildungsgang können, sich für ein Stipendium bewerben um eine Förderung für die Weiterbildung zu bekommen.

Die Besten aus einem Ausbildungsgang können, sich für ein Stipendium bewerben um eine Förderung für die Weiterbildung zu bekommen. (Foto: © Tatiana Popova/123RF.com)

Begabung zahlt sich aus

Wer die Lehre besonders gut abschließt, kann sich bei seiner Handwerkskammer um ein Weiterbildungsstipendium bewerben. Förderfähig sind die Kurse der Meisterschule, aber auch andere interessante Fortbildungen.

Vielleicht ist er der nächste Kandidat. Alexander Wobst ist im zweiten Ausbildungsjahr zum Kfz-Mechatroniker beim Autodienst Hoppegarten. Der 18-Jährige ist engagiert. Parallel zu seiner Lehre absolviert er eine Zusatzqualifikation für Old- und Youngtimertechnik. "Ich gehe gerne arbeiten und die Berufsschule macht mir Spaß." Momentan hat er einen Zweier-Notendurchschnitt. Damit es für ein Weiterbildungsstipendium des Bundesbildungsministeriums reicht, muss der Berliner aber noch ein kleines bisschen besser werden.

Seinem Ausbilder Mirko Gutte wäre es recht. In den vergangenen Jahren hat das Mercedes-Benz-Autohaus am Rande des Handwerkskammerbezirks Frankfurt (Oder) einige herausragende Azubis hervorgebracht. Drei davon haben sich nach ihrer Ausbildung für ein Studium entschieden. Andere sind geblieben und haben sich – dank der Begabtenförderung – beruflich weiterentwickelt. Das Gros hat mit der finanziellen Unterstützung den Meisterkurs finanziert. "Mithilfe der Stipendien konnten wir diese guten Mitarbeiter aufbauen und halten", erklärt Kundendienstleiter Mirko Gutte. Dass der selbst ausgebildete Nachwuchs beim Autodienst Hoppegarten Karriere machen kann, sei auch ein Ansporn für die derzeitigen fünf Auszubildenden im Nutzfahrzeug- und neun im Pkw-Bereich.

Bedingungen für die Begabtenförderung

Überdurchschnittlich gut zu sein, macht sich bezahlt: Wer von seiner Handwerkskammer als Stipendiat aufgenommen wird, erhält einen Zuschuss von insgesamt 6.000 Euro. Das Geld kann für beliebig viele förderfähige Weiterbildungen wie etwa die Meister- oder Technikerschule, EDV-Seminare, Intensivsprachkurse, unter Umständen sogar für ein berufsbegleitendes Studium ausgegeben werden.

Es gibt jedoch kleine Einschränkungen: Der Stipendiat muss zehn Prozent der Kosten jeder Fördermaßnahme übernehmen, und innerhalb des Förderzeitraums stehen pro Jahr jeweils 2.000 Euro zur Verfügung.

Das Weiterbildungsstipendium ist ein Förderprogramm des Bundesbildungsministeriums und wird von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung koordiniert. Die Bewerber müssen entsprechend qualifiziert sein. Es gibt drei Möglichkeiten: Die Berufsabschlussprüfung wurde mit mindestens 87 Punkten oder besser als "gut" (bei mehreren Prüfungsteilen Durchschnittsnote 1,9 oder besser) bestanden; man hat bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb einen der ersten drei Plätze belegt; der Arbeitgeber oder die Berufsschule schlagen jemanden aufgrund besonderer Qualifikationen vor. "Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Auszubildender mit schwierigen Startbedingungen sich toll entwickelt hat, bei der Prüfung aber schlechter als 1,9 abgeschnitten hat. Ein anderes Beispiel ist ein Geselle, der schon kurz nach dem Ausbildungsschluss im Betrieb Aufgaben mit viel Verantwortung übernommen hat", verdeutlicht Andreas van Nahl, Pressesprecher der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung.

Weitere Infos zur
Weiterbildungsstipendium
Um in das Programm aufgenommen werden zu können, müssen die Antragsteller grundsätzlich jünger als 25 Jahre alt sein. "Durch Berücksichtigung von Wehrdienst, Zivildienst, Bundesfreiwilligendienst, ein freiwilliges soziales Jahr, Elternzeit oder anderen Gründen kann die Aufnahme auch bis zu drei Jahre später erfolgen", so van Nahl. Zum Zeitpunkt der Bewerbung müssen die Antragsteller mindestens 15 Stunden die Woche beschäftigt oder bei der Arbeitsagentur als arbeitssuchend gemeldet sein. Die Bewerbungen nehmen – sofern die Ausbildung im Handwerk abgeschlossen worden ist – die Handwerkskammern entgegen. Dort gibt es Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Begabtenförderung.

Zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten

Das Geld aus den Stipendien wird im Handwerkskammerbezirk Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg für ganz unterschiedliche Fortbildungen ausgegeben. "Die meisten Stipendiaten investieren es in die Meisterprüfung, doch wir hatten auch zwei, drei Gesellen dabei, die damit ein Teilzeitstudium finanzieren", sagt Michaela Schmidt. Gefördert werden aber auch spezielle fachliche Fortbildungen. "Eine Goldschmiedin hat sich beispielsweise für den Lehrgang ,Damaszener-Stahl-Schmieden‘ entschieden", erklärt die Abteilungsleiterin für berufliche Bildung.

So vielfältig wie das Angebot ist auch der Kreis der Stipendiaten. "Wir haben Auszubildende aller Gewerke unter den Geförderten." Allerdings machen sich der demografische Wandel und der Trend, dass es die Jugendlichen vermehrt ans Gymnasium zieht, bei der Begabtenförderung bemerkbar. Je mehr die Azubizahlen sinken, desto weniger Plätze bekommen die Handwerkskammern zur Verfügung gestellt. "Vor einigen Jahren konnten wir noch zehn Stipendien vergeben. Zurzeit sind es nur noch sechs Plätze", bedauert Michaela Schmidt.

Fördermöglichkeiten für ältere Bewerber

Wer die Altersgrenze von 25 Jahren überschreitet, muss nicht unbedingt leer ausgehen. "Wenn ein Bewerber die Leistungsanforderungen erfüllt, für die Begabtenförderung des Bundesbildungsministeriums aber zu alt ist, versuchen wir es bei der Stiftung Begabtenförderung im Handwerk", weist Jörg Wiesniewski, Ausbildungsberater der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg, auf den wenig bekannten Fördertopf hin, aus dem einmalig bis zu 1.500 Euro gezahlt werden können. Für Bauhandwerker kommt unter Umständen das Italien-Stipendium für Denkmalpfleger infrage.

Erst zur Berufs-WM, dann in die Meisterschule

Als bester seines Kreises im handwerklichen Teil hat sich Erik Brandenburg im Sommer 2010 für den Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks auf Landesebene qualifiziert. Und ihn gewonnen. "Gleich danach hat mich Herr Basch von der Handwerkskammer Potsdam darauf hingewiesen, dass ich für die Begabtenförderung infrage komme", erinnert sich der 23-Jährige. Nutzen konnte er die Finanzspritze zunächst nicht. Schließlich musste er sich erst auf den Bundeswettbewerb, später sogar auf die World-Skills 2011 in London vorbereiten, die der Tischler als Sechstplatzierter beendete.

Danach hatte er den Kopf wieder frei und konnte endlich die Meisterschule in Angriff nehmen. Die 6.000 Euro des Stipendiums haben ihm dabei kräftig geholfen. Etwas mehr als die Hälfte der Kosten für die Lehrgänge konnte er damit decken. "Da kann man alles andere als meckern. Die Begabtenförderung ist eine feine Sache", steht für den ambitionierten Junghandwerker aus Nassenheide fest.

Text: / handwerksblatt.de

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