Anfahrtskosten dürfen auch ohne vorherigen Hinweis den Kunden in Rechnung gestellt werden.

Anfahrtskosten dürfen auch ohne vorherigen Hinweis den Kunden in Rechnung gestellt werden. (Foto: © mizar21984/123RF.com)

Handwerker darf An- und Abfahrt berechnen

Betriebsführung

Fenstertausch in 45 Minuten: Zumindest bei solchen kurzen Einsätzen dürfen Handwerker zusätzlich zum Werklohn die Kosten für An- und Abfahrt berechnen.

Das sagt ein Urteil des Amtsgerichts Stadthagen. Ein Fensterbauer und seine Mitarbeiter brauchten eine Dreiviertelstunde für den Austausch von Fenstern. Vereinbart war ein Stundenlohn von 43,20 Euro.  Der Handwerker stellte dem Kunden die Arbeitszeit und zusätzlich die An- und Abfahrt der zwei Angestellten in Rechnung. Der Kunde protestierte: Das sei so nicht abgesprochen worden.

Darauf komme es hier aber nicht an, erklärte das Gericht. Dem Handwerker stehe Entgelt für die Fahrtzeiten zu.

Bei Werkleistungen, die in einer oder wenigen Stunden zu erledigen seien (z.B. Glaser, Rohrreinigung, Heizungswartung), sei es üblich, dass der Unternehmer An- und Abfahrtskosten berechne. Er müsse den Arbeitnehmern in der Zeit, in der sie unterwegs seien, schließlich auch Lohn zahlen. 

Handwerker darf Kosten weitergeben ohne ausdrücklichen Hinweis

Diese Kosten dürfe er weitergeben, auch ohne den Auftraggeber vorher ausdrücklich darauf hinzuweisen. Das Gericht könne die Kosten mit Hilfe gängiger Routenplaner schätzen: Das Haus des Kunden liege acht Minuten vom Betrieb des Handwerkers entfernt, diese Distanz sei mit dem Auto bei normalen Verkehrsverhältnissen in einer Viertelstunde zu bewältigen.

Der Fensterbauer sei daher berechtigt, dem Auftraggeber weitere 15 Minuten Arbeitszeit für zwei Mitarbeiter zu berechnen.

Amtsgericht Stadthagen, Urteil vom 15. Juni 2011, Az.: 41 C 414/10

Achtung, aktualisierte Rechtslage!

Seit 2014 gibt es mit Paragraf 312 a BGB eine neue Regelung: Unternehmer müssen demnach vor Vertragsabschluss auf alle Kosten hinweisen – sonst können sie diese nicht berechnen. Das gilt auch für Fahrtkosten! Diese Regelung wurde im Zuge der Verbraucherschutzrichtlinie eingeführt.

Text: / handwerksblatt.de

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