Hitchcock lässt grüßen

Mit gerade mal 15 Jahren hat Justus Eifler seinen ersten längeren Spielfilm in einem Kölner Kino präsentiert. Eine Szene spielt im Friseursalon seiner Eltern.

Filmstill
Justus Eifler (links im Bild) zeigte im Touristarama seinen Debütfilm "Keine schlechten Menschen". (Foto: © Justus Eifler/Aus dem Film "Keine schlechten Menschen")


An dem warmen Sommerabend hat sich vor dem Kölner Programmkino Touristarama eine Menschentraube gebildet. Einige stoßen mit Sekt an und unterhalten sich, andere schreiten über einen roten Teppich ins Foyer. Friseurmeister Thomas Eifler begrüßt die Gäste persönlich mit Handschlag und macht Fotos von dem Ereignis. Ihm und seiner Frau Mercedes ist anzusehen, wie stolz sie auf ihren Sohn Justus sind.


Der 15-Jährige hat das Kino in der Kölner Innenstadt gemietet, um seinen ersten längeren Spielfilm zu präsentieren. Für "Keine schlechten Menschen" hat der Schüler das Drehbuch geschrieben und Regie geführt, er zeichnet für die Kameraaufnahmen, den Ton, den Schnitt, das Screendesign und das Casting verantwortlich. Für die Hauptrollen hat er Mitschüler engagiert, eine zentrale Rolle hat er selbst übernommen. In dem psychologischen Krimi geht es um einen Jungen, der sich von seinem Alter Ego zu immer riskanteren kriminellen Handlungen verführen lässt, bis die Situation eskaliert. Gedreht in stimmungsvollem Schwarz-Weiß, erkennt man dem 45-Minüter an, dass sein Macher die Werke von Alfred Hitchcock und Fritz Lang studiert und sich viele Gedanken über das Thema Bildkomposition gemacht hat. Spiegel-, Verfolgungs- und Treppenhausszenen kommen Schlüsselrollen zu, disharmonische Musik unterstreicht das Düstere und Unheimliche der Handlung.

Erste Geschichten im Alter von sieben Jahren

Schon mit sieben Jahren hat Justus Eifler angefangen Kurzgeschichten zu schreiben, kurze Zeit später entdeckt er auch den Film für sich. Inspiriert von den Psychothrillern von Altmeister Alfred Hitchcock bereitet er seine Geschichten zu Drehbüchern auf und dreht erste Kurzfilme. Die Dreharbeiten zum ersten längeren Film hätten etwa 17 Tage gedauert, erzählt Justus Eifler. Der größte Teil sei während der letzten Herbstferien entstanden. Die Kamera hat er von seinem Vater geliehen, das Essen für die Darsteller von dem Geld bezahlt, das er mit Nachhilfestunden verdient hat.


Die Premiere von "Keine schlechten Menschen" schauen sich etwa 150 Zuschauer an. Ein schöner Erfolg für den jugendlichen Filmemacher. "Den meisten hat der Film gefallen, und es haben sich auch einige gemeldet, die mir bei zukünftigen Projekten helfen wollen", freut er sich. Das Drehbuch hat Justus Eifler schon geschrieben. Diesmal soll es ein 90-minütiger Film über eine Entführung werden. Nach den Sommerferien will er mit den Dreharbeiten loslegen. Auf der Premierenfeier hat er Spenden für das neue Unternehmen gesammelt. Doch das meiste wird er wohl aus eigener Tasche zahlen müssen, meint er. Wahrscheinlich kann er sich auch wieder auf tatkräftige Unterstützung aus der Familie verlassen. Eine Szene aus seinem Debüt spielt im Friseursalon der Eltern, gedreht nach Ladenschluss. Mutter Mercedes hat sogar einen kleinen Auftritt.

Das neue Projekt steht in den Startlöchern

Ob der junge, ambitionierte Filmemacher nach dem Abitur auf die Filmhochschule gehen wird, will er sich noch offen lassen. Filme drehen will er aber weiterhin: "Ich freue mich schon darauf, mich jetzt wieder in ein Projekt vertiefen zu können, das nicht nur ein Drehbuch ist, sondern eine tatsächliche Produktion." Vielleicht wird es also bald wieder eine Premierenfeier mit Sekt und rotem Teppich geben.


Foto: © Justus Eifler/Aus dem Film "Keine schlechten Menschen"

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