Entwicklungshilfe durch Ausbildung

Michael Firmenich, Optikermeister aus Rheinbach, hat vor 15 Jahren den Verein Togohilfe gegründet. Der Verein ­leistet in Westafrika Hilfe zur Selbsthilfe.

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"Die ­Augenuntersuchung machen wir alle zwei ­Jahre. Ansonsten ist ­unser ­Schwerpunkt die ­Ausbildung.” Michael Firmenich, Optikermeister aus Rheinbach. Foto: © Togohilfe

Dass es den Verein Togohilfe aus Rheinbach gibt, ist nur einem Zufall zu verdanken. "Ich habe viele Jahre den Verein Ghanahilfe aus Bergheim/Erft unterstützt", sagt der Vereinsgründer und Optikermeister ­Michael Firmenich. Irgendwann wollte er einmal vor Ort sehen, wofür er immer gespendet hatte. "Zusammen mit zwei Freunden bin ich im November 2000 nach Ghana geflogen. Als wir ankamen, waren Unruhen ausgebrochen, so dass wir nicht bleiben konnten", erinnert sich der 65-Jährige, dessen Familien­betrieb mit dem Einstieg der jüngsten Tochter Beatrice schon in die vierte Generation geht.

Der Zufall wollte es, dass Firmenich und seine Begleiter auch ein Visum für den Nachbarstaat Togo hatten. Das Restaurant "Alt München" in der Hauptstadt Lomé hatte man am Ende des Aufenthalts besuchen wollen. "Dort bekommt man Kassler und Schweinshaxe – deftige deutsche Hausmannskost, mitten in Westafrika", sagt Firmenich. Nun musste man aber plötzlich fliehen, war es in Ghana doch zu gefährlich. "In Togo habe ich unseren Aufenthalt neu organisieren müssen. Mit einem Guide und einem Fahrer sind wir in der Buschregion unterwegs gewesen, etwa 120 Kilometer von Lomé entfernt", sagt Firmenich. Dort habe er in einem Dorf die Schule einer Elterninitiative gesehen: "Ohne Konzept, ohne Kreide, ohne Bücher. Ich habe versprochen, Materialien zu schicken", sagt Firmenich. Ein halbes Jahr später wollte er sich davon überzeugen, dass alles angekommen war. Da sah er zahlreiche Kinder, die nicht in der Schule waren, sondern auf dem Feld arbeiteten. Diese Kinder seien "behindert", hieß es. "Dabei hatten sie lediglich Sehschwächen", sagt der 65-Jährige.

Eine Million Euro Spenden in 15 Jahren

Handwerk Das sei der ausschlaggebende Moment gewesen, sich dort zu engagieren, sagt Firmenich: "Wieder ein halbes Jahr später bin ich mit meiner Optikerausrüstung zurückgekommen, habe die Kinder untersucht und ihnen Brillen angepasst." Das Engagement weitete sich bald aus, so dass Firmenich um eine Vereinsgründung nicht mehr herumkam: "Die Menschen in meiner Umgebung wollten finanziell helfen, aber eben nur gegen Spendenquittung." Dabei war das letzte was Firmenich wollte, einen Verein zu gründen. "Dafür braucht man sieben Mitglieder. Ich habe etwa Rheinbachs Bürgermeister und meinen Steuerberater gefragt, ob sie mitmachen", erklärt Firmenich schmunzelnd. So sind in den vergangenen 15 Jahren durch Spenden bereits fast eine Million Euro zusammengekommen. "Jede noch so kleine Spende zählt – wichtig ist, dass alle Spenden eins zu eins in Togo ankommen", sagt Firmenich und betont, dass durch Spenden keinerlei Verwaltungskosten getragen würden. Manchmal kämen auch große Spenden herein. Wie die eines Zahnarztes, der 25 Jahre lang Zahngold gesammelt hat, um es irgendwann einem guten Zweck zu spenden: "Das gab 43.000 Euro. Dafür haben wie ein Haus für unser Berufsbildungszentrum gebaut", sagt Firmenich.

Denn heute geht die Vereinsarbeit weit über die Augenuntersuchungen der Anfangstage hinaus: "Die machen wir alle zwei Jahre. Ansonsten ist unser Schwerpunkt die Ausbildung: Im Berufsbildungszentrum bilden wir zehn Berufe aus, darunter Schreiner, Schlosser, Schweißer oder seit neuestem auch in EDV", zählt Firmenich auf. Zwei weitere Projekte mit ähnlicher Ausrichtung entstehen gerade in weit abgelegenen Siedlungen im Busch. Der Verein setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe: "Die Einheimischen müssen anpacken und mithelfen", sagt Firmenich. Damit alles klappt, wurde vor Ort ein Koordinator eingestellt: "Aimé Dogo ist eigentlich Deutschlehrer, er hat alles im Blick", lobt der 65-Jährige seinen Mitarbeiter. Gerade ist Firmenich zum 20. Mal nach Togo geflogen. Bestimmt nicht zum letzten Mal.

 

Verein: Der Verein wurde 2002 in Rheinbach gegründet. Der Fokus der Arbeit liegt in der Hilfe für Kinder in der Region Kpalimé/Togo.

Kontakt: Togohilfe e.V., Weiherstraße 2-6, 53359 Rheinbach, Tel. 02226/49 41, Mail: mail@togohilfe.com.

Internet: Die Website des Vereins ist hier zu finden.

Text: Wolfgang Weitzdörfer; Fotos: © Togohilfe

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