Anzeige

Beste Aussichten

Am Wilden Kaiser in Tirol sind die Alpen schön wie im Bilderbuch: Stahlblau der Himmel, beige die Kalksteinberge, sattgrün Wald und Wiesen.

Der Wilde Kaiser präsentiert sich mit stahlblauem Himmel, Kalksteinbergen in beige, sattgrünem Wald und Wiesen. Foto: © Helge Bendl
Der Wilde Kaiser präsentiert sich mit stahlblauem Himmel, Kalksteinbergen in beige, sattgrünem Wald und Wiesen.

Malen müsste man können. Dann würde jetzt eine Staffelei aufgestellt und die Landschaft in einem monumentalen Gemälde festgehalten. Allerlei Farben gäbe es anzurühren, eine nach der anderen: Für das Stahlblau des Himmels und die perfekt arrangierten weißen Wolkentupfer, für das silbrig schimmernde Beige der Kalksteinberge, für die satten Grüntöne von Wald und Wiesen zu Füßen des schroffen Gipfels. Wild würde man die Pinsel schwingen. Nur sehr groß müsste die Leinwand wohl sein – so weit wie das Panorama, das sich einem hier bietet.

Natürlich gibt es in der Nachbarschaft höhere Berge als den Scheffauer, den westlichen Eckpfeiler des Kaisergebirges zwischen Kufstein und St. Johann in Tirol. Doch nur wenige Wolkenkratzer der Region sind so einfach zu erreichen und bieten als Belohnung einen derart atemberaubenden Blick nach Nord und Süd, Ost und West. Für untrainierte Flachländerbeine ist es zwar ein strammer Drei-Stunden-Marsch hinauf zum Gipfelkreuz. Doch dann gibt es die Aussicht auf den türkis funkelnden Hintersteiner See: Wiesen und Wälder aus Bergkiefern betten ihn ein, als sei er ein Diamant im Kopfschmuck eines Alpenfürstes.

Komfortabel oder stramm

Foto: © Helge Bendl Kaiserkrone: So nennt sich der Wanderweg, der in fünf Tagen auf alten Pfaden rund um den Wilden Kaiser führt. 65 Kilometer und 5.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg bringen einen zu den schönsten Plätzen des Massivs – und an jene Stellen, von denen man bei schönem Wetter sogar bis zum Chiemsee oder dem Großglockner blicken kann. Doch es geht auch entspannter, mit einer kürzeren Drei-Tages-Tour oder mit verschiedenen Zustiegen für Tagesetappen und die Rückfahrt mit dem Wanderbus. Sowie auch komfortabler: Nicht jeder will schließlich ohne viel Komfort auf den Hütten übernachten, sondern vielleicht lieber etwas weicher gebettet in einem der vielen Pensionen im Tal.

Doch nur wer aufsteigt in die Berge, seit über 50 Jahren ein Naturschutzgebiet und deswegen nicht durch Lifte verschandelt, lernt die Originale der Region und ihre Spezialitäten kennen. Auf der Walleralm wird in der Stöfflhütte Buttermilch verkauft und auch das Brot selbst gebacken. Vorbeischauen sollte man auch bei Peter Horngacher, dem knorrigen Wirt der Steiner Hochalm. Schließlich setzt er sich gerne auf die Holzbank vor seiner Hütte und nimmt die Harfe in die Hand. Kein Wunder, dass in dieser Idylle der Fernseharzt "Bergdoktor" zu Hause ist.

Die "Pochlarner Stuben" aus Soko Kitzbühel

Mancherorts weht aber auch ein frischer Wind. Früher war der Jägerwirt genau das, was bereits sein Name verspricht: Ein rustikaler Ort, mehr Jausenstation und Kneipe als Restaurant. Foto: © Helge Bendl Dann sperrte der Wirt seinen Laden zu, und zwölf Jahre lang passierte nichts. Bis ein Investor das Haus renovierte, den verrauchten Stammtisch rausschmiss, und die Zimmer wieder auf Vordermann brachte. Moderne Deko trifft auf Retro-Optik und so manches Schmankerl wie ein Alpenliebe-Kissen mit küssenden Hirschen.

Das Hausherren-Pärchen Andreas Salvenmoser und Martin Schipflinger trägt Stiefel, Lederhose und Weste – die Tracht schaut nicht nur gut aus, sondern ist auch bequem. Anders als in den Schicki-Micki-Restaurants von Kitzbühel gibt es am Fuß des Wilden Kaisers keinen Dresscode. Fans von Fernsehkrimis werden bei ihrer Ankunft im Gasthaus ein Déjà-vu haben: Als "Pochlarner Stuben" spielt der Jägerhof eine Hauptrolle in der ZDF-Serie "SOKO Kitzbühel".

Im Drehbuch gehört die Gaststätte einem Haubenkoch. In der Realität werkelt Andreas Salvenmoser in seiner Küche ohne Geschmacksverstärker oder Fertigprodukte – seine authentische regionale Küche beschert ihm inzwischen eine loyale Anhängerschaft. Da köchelt die Rindssuppe schon mal einen ganzen Tag, bis sie am Abend richtig schmeckt. Die Friteuse hat der begeisterte Koch längst rausgeworfen – dass Schnitzel in der Pfanne gebraten werden ist Ehrensache. Sein Roggen-Dinkel-Brot backt er selbst im Holzofen, der Honig kommt vom Nachbarn. Im Sommer bringen ihm Bauern frische Beeren, im Herbst von Hand gesammelte Pilze: "Wir machen alles frisch."

Text: / handwerksblatt.de

Leserkommentare

nach oben